Flimmerglanz am Steindamm

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Im heutigen Hansa-Theater wurde St. Georgs erstes Kino betrieben.Foto: Hanke

Alte Kinos in St. Georg

St. Georg. Kinos zählten in St. Georg jahrzehntelang zum festen Bestandteil des Straßenbildes, insbesondere am Steindamm. In der Blütezeit des Kinogewerbes befanden sich rund ein halbes Dutzend Filmtheater in dieser Hauptstraße des Stadtteils.
Die ersten Filme wurden in St. Georg im 1894 gegründeten Hansa-Varieté, dem heutigen Hansa-Theater gezeigt. Ab März 1897 betrieb die Familie Grell das Hansa-Saal-Theater, das ab Dezember 1898 kontinuierlich lebende Bilder zeigte. Exklusiv für Hamburg zeigte das Hansa-Saal-Theater Filme der 1895 gegründeten American Biograph Filmproduktiongesellschaft, einer der ersten großen amerikanischen Filmcompanys. Damalige Stars wie Mary Pickford, Lionel Barrymore und Lilian Gish begannen bei Biograph ihre glanzvollen Karrieren. Kurze Spielfilme und die „Optische Berichterstattung“, eine Art frühe Wochenschau, gehörten zum festen Betsandteil des Monatsprogramms. Mindestens bis 1918/19 wurden im Hansa-Varieté auch Filme gezeigt.
Eines der ersten echten Kinos, Filmtheater, die für diesen Zweck eröffnet wurden, war das Elite-Theater am Steindamm 32-34, dort, wo sich heute an der Ecke Kreutzweg ein schmuckloser Neubau befindet. Im November 1910 eröffnete August Fick dieses Kino mit rund 480 Plätzen. Die Presse lobte die „sehr gefällige Fassade, abends in ein Meer von Licht getaucht“. Mitglieder der Bürgerschaft kamen zur Eröffnung. Das Kino wechselte mehrmals den Besitzer, wurde später auf den Namen Rialto getauft und bei den Bombenangriffen 1943 vollständig zerstört.
Den Bomben des Zweiten Weltkriegs fiel auch die Hansa-Lichtspiel-Bühne zum Opfer, ein Kino am Steindamm 51. Es wurde 1913 mit 396 Plätze mit prachtvollen Mosaiken im Foyer eröffnet und 1920 auf 340 Plätze verkleinert. Inhaber Franz Harten (seit 1918) beabsichtigte sein Kino 1949 wiederzueröffnen, da das Gebäude nicht vollständig zerstört worden war. Er stellte eine Antrag auf Wiederaufbau, der aber nicht zur Ausführung kam. Harten verkaufte das Grundstück 1959. 1960 etablierte sich ein Autohändler. Heute steht hier ein moderner Zweckbau, in den ein Hotel eingezogen ist. Harten machte weiter: mit der Hansa-Lichtspiel-Bühne in Bergedorf. (ch)
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