Für Erwachsene tabu

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Sandhügel, Reifenschaukel, Holzhäuser: Hier können sich die Kids austoben Foto: Steiffert
 
Sebastian Sandrock (l.) und Alex Trier betreuen den Bauspielplatz Foto: Steiffert

Uhlenhorst: Der AKI-Aktivspielplatz zwischen den Luxuswohnungen

Uhlenhorst „Hier haben wir Kinder das Sagen“: So könnte das Motto des kostenlosen Aktivspielplatzes „AKI“ in Uhlenhorst lauten. Umringt von Wohnungsgebieten, ja fast eingepfercht zwischen Neubauten und einem Fitness-und Wellnesscenter liegt ein unscheinbar wirkender Platz. Die parkähnliche Anlage ist jedoch eine wahre Spieloase für die Kids der Umgebung, die sich hier nach der Schule liebend gerne austoben. Hier können sie aufatmen, den Schulstress und den Leistungsdruck vergessen und einfach Kind sein. Eltern und Erwachsene sind auf dem Platz tabu. Und jetzt ist auch endlich der Frühling da. Die Kids lassen sich diese schöne Zeit nicht entgehen. Mit rund 50 Kindern täglich wird es nun wieder voll auf dem Spielplatz. Fertige Spielgeräte, wie zum Beispiel ein Klettergerüst wie auf dem „Elefantenspielplatz“ nebenan sucht man hier jedoch vergebens. Hier wird gehämmert, gewerkelt und gesägt.
Auf den ersten Blick sieht der Spielpark unfertig und ein wenig verwahrlost aus. Das mag verunsichern. Doch genau das macht den Aktivspielplatz aus. Auf einer Fläche von rund 4900 Quadratmetern spielen die Kinder auf ihre ganz eigene Art und sind vor allem die kleinen „Herrscher“ über ihr Reich. Dass es da auch mal etwas chaotisch aussieht, ist keine Frage. Die Kinder sind für „ihren“ Platz selbst verantwortlich. Das Konzept ist einfach und doch wirksam: Drei pädagogisch ausgebildete Erzieher, zwei Honorarkräfte und zurzeit auch ein Praktikant schaffen einen Freiraum, in dem die Kinder sich entfalten können.
„Wir wollen den Kindern nicht andauernd vorschreiben, worauf sie achten müssen. Das wissen sie schon selber! Wenn ein Kind mit dem BMX-Rad durch den Dreck fährt, dann kann es das Fahrrad am nächsten Tag möglicherweise nicht mehr benutzen, also passen sie auf die Sachen von sich aus auf“, so Alex Trier (37), der hier seit Januar als Betreuer arbeitet.
Im Bezug auf Utensilien wird den Kleinen nahezu alles geboten. Im „Aki-Haus“ dürfen sich alle im Toberaum oder am Tischkicker austoben, im Bandraum sich musikalisch ausprobieren und im Gemeinschaftsraum oder in der Bibliothek entspannt mit anderen zusammensitzen. Für Naturfans gibt es einen Fahrradparcour und einen Skatepark, Abenteuerlustige werkeln an ihrem geplanten Baumhaus oder verpassen den selbstgebauten Hütten eine neue Farbe.
Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf dem Mitspracherecht aller Kinder. Sie machen Vorschläge zu Spielmöglichkeiten, stellen Planungen auf und setzen diese aktiv und gemeinsam um. Unterstützt werden sie dabei von den
Pädagogen.
„Natürlich gibt es auch mal Streitereien, wir achten aber darauf, dass alle respektvoll miteinander umgehen“, weiß Sebastian Sandrock (29). Er ist als Erzieher schon fünf Jahre dabei und immer noch begeistert: „Jeder von uns unterstützt dieses Konzept von Herzen!“
Unterstützt wird es ebenfalls von der Stadt Hamburg. Ihr gehört das Grundstück, das sie dem „AKI“ seit mehr als 43 Jahren für eine geringe Pacht zur Verfügung stellt. Angst, dass dass auch dieser Platz Neubauten weichen muss haben die Betreuer jedoch nicht, denn der Spielplatz stand bisher als Baugrund nicht zur Debatte. Ganz im Gegensatz zum Averhoffpark nebenan. Dieser wurde schon 2011 an einen Privatinvestor verkauft. Statt Bäumen stehen dort nun exklusive Wohnungen.
Doch bisher haben die Kinder Glück gehabt. Sie können noch in Ruhe malen, angeln, Stockbrot machen. In den Ferien gibt es die Möglichkeit, gemeinsam zehn Tage am Meer zu verbringen, Tagesausflüge in den Heidepark zu machen und gemeinsam Feste zu feiern.
Ermöglicht wird das Ganze vor allem durch staatliche Zuschüsse, tatkräftige Eltern, die ehrenamtlich arbeiten sowie durch Vereinsmitgliedsschaften vom „Aktivspielplatz Hamburgerstraße e.V.“ , der 1972 gegründet wurde. Die Mitarbeiter hoffen, dass die Idylle noch lange Zeit bleiben darf, denn sie sind sich sicher: die Arbeit hier lohnt sich. (lst)
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