Hamburg: Alle Luken dicht

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Obenauf: Stefan Goeddertz (Projektleiter Fassade und Dach Herzog & de Meuron), Jan-Christoph Lindert (Gesamtprojektleiter Herzog & de Meuron), Kultursenatorin Barbara Kisseler und Stephan Deußer (Projektleiter Hochtief) in der Dachkonstruktion der Elbphilharmonie Foto: Malte Betz
 
Mehr als eine Tonne wog die fünf Zentimeter dicke Glasscheibe, die am vergangenen Freitag als letztes Element in die Fassade der Elbphilharmonie eingesetzt wurde Foto:Betz

Fensterfront geschlossen. 2017 soll „Elbphi“ fertig sein

Von Malte Betz
Hamburg. Dass beim Bau der Elbphilharmonie der Durchblick fehlt, das kann jetzt keiner mehr behaupten. Für Durchblick ist jetzt rundum gesorgt: Bei eisigen Temperaturen wurde am vergangenen Freitag das letzte gläserne Element der Außenfassade des Konzerthauses montiert. Einer der drei Kräne hob das über eine Tonne schwere Bauteil um kurz nach 13 Uhr an seinen Platz, in die noch verbliebene Lücke im 24. Stock.
„Diese Fortschritte sind veritable ,good news“, sagte Hamburgs Kultursenatorin Barbara Kisseler bei einem kleinen Empfangs anlässlich dieses „mehr oder weniger historischen“ Moments. Das bezog sie nicht allein auf die Fortschritte an der Fassade. „Zum jetzigen Zeitpunkt sind der Rohbau und der Stahlbau fertig“, sagte die Politikerin. „Das Dach ist weitgehend geschlossen und wird es bis Mitte August vollständig sein.“
„Das Dach ist weitgehend geschlossen und wird es bis Mitte August vollständig sein. Und auch der Konzertsaal nimmt langsam Gestalt an.“ Seit der Wiederaufnahme der Bauarbeiten habe sich viel getan, so Kisseler, auch bei der Stimmung der am Bau Beteiligten. „Die Begeisterung des Anfangs kommt jetzt wieder.“ Jan-Christoph Lindert, Projektleiter der Architekten Herzog & de Meuron, fügte später hinzu: „Die Motivation ist kurz vor dem Siedepunkt. Man arbeitet mit Spaß zusammen.“ 2009 war das erste der rund 1100 Fassadenteile montiert worden. Jetzt ist die zweieinhalb Fußballfelder große Fläche aus planen sowie gewölbten und teilweise offenen Glaselementen fertig. In den bis zu 21 Quadratmeter großen Elementen verbergen sich unter anderem zwei High-Tech-Tricks:
• Die zirka fünf Zentimeter dicken Scheiben sind punktuell mit einer Chrombeschichtung versehen. Sie verursacht den intensiven Spiegelreflex, der sich je nach Betrachtungswinkel verändert. Ein weiteres, graues Punkteraster soll die Sonneneinstrahlung ins Haus zusätzlich senken.
• Die gewölbten Elemente (die bei 600 Grad Celsius gekrümmt wurden) dienen zur Lüftung des Gebäudes. In den sphärischen Verformungen sind Lüftungsflügel eingelassen, die man jedoch von außen nicht als solche erkennt.
• Weniger High-Tech, aber dafür umso auffälliger sind die Öffnungen, die wie weiße Münder die Süd- und Westseite des Gebäudes prägen. Das sind die Brüstungen der Loggien im Wohnungs- und Konzertbereich.
• Nach Montage der Außenfassade ist nun der regendichte Abschluss der gewölbten Dachkonstruktion die nächste wichtige Stufe beim Baufortschritt.
Die geschwungenen Dachflächen ruhen auf einer gewaltigen Stahlkonstruktion. „Die Träger dafür gibt es nicht auf dem Markt“, sagte Stephan Deußer, Projektleiter von Hochtief, bei seinen Ausführungen, „also haben wir sie selber gemacht. Jeder der rund 1000 Träger, die schwersten wiegen bis zu acht Tonnen, wurde individuell geformt und geschweißt.“ Eine Meisterleistung, der er großen Respekt zolle.
• Der Bau des prestigeträchtigen Gebäudes auf dem Kaispeicher geht sichtbar voran. „Die weiteren Termine werden gehalten“, sagte Senatorin Kisseler. Im Kalender stehe unter anderem für den 17. und 18. Mai der Tag der Elbphilharmonie: ein öffentliches Open-Air-Musikfest. 2017 soll das Konzerthaus schließlich fertig sein, dessen Kosten nach aktuellem Stand bei 789 Millionen Euro liegen. (bez)
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