Hamburg: Das Chilehaus wird 90

Anzeige
Das Chilehaus, eines von Hamburgs Wahrzeichen, feiert heute seinen 90.Geburtstag Fotos: Union Investment Real Estate

Bezirksamtsleiter Grote schneidet Geburtstagstorte an

Hamburg. Eines der Wahrzeichen der Stadt feiert runden Geburtstag: Das Chilehaus wird 90. Das aus Backstein-Klinkern erbaute Kontorhaus mit der markanten Schiffsbug-Spitze zwischen Burchardstraße und Pumpen wird vom Kunsthistoriker Alfred Kamphausen als „Flaggschiff in Stein“ bezeichnet. Am Mittwoch, 9. April, schneidet Bezirksamtsleiter Andy Grote um 14 Uhr im Innenhof eine große Geburtstagstorte in Form des Chilehauses an. Abends gibt es eine Feier für geladene Gäste mit Bürgermeister Olaf Scholz.
Als Symbol für Aufbruch und Wiederaufbau nach dem 1. Weltkrieg wurde es 1922 bis 1924 nach Plänen des Architekten Fritz Höger (1877-1949) im neuen Kontorhausviertel Hamburgs südlich der Mönckebergstraße erbaut, für das ein verrufenes Gängeviertel abgerissen worden war. Bauherr war der schwerreiche Unternehmer Henry Brarens Sloman (1848-1931) aus der berühmten Hamburger Reederfamilie Sloman, der sein Vermögen im Salpetergeschäft in Chile gemacht hatte und mit 60 Jahren nach Hamburg zurückkehrte, um seiner von Reparationszahlungen und Inflation gebeutelten Heimatstadt zu helfen. Er erwarb das fast 6500 Quadratmeter große Grundstück zwischen Burchardstraße und Pumpen und 4,8 Millionen Ziegelsteine minderer Qualität gleich mit dazu. Was Architekt Höger gar nicht erfreute. „Was soll ich mit dem Dreck machen?“, soll er gesagt haben, um später, nachdem die Steine verbaut waren, vom „Kristall der neuen Baukunst“ zu sprechen. Das Chilehaus wurde Högers bedeutendstes Bauwerk. Allerdings gehen nicht alle Stilelemente auf ihn zurück. Die Behörden berieten ihn, die Gotik der Arkaden hat Bildhauer Richard Kuöhl eingebracht.

Maritime Fassade

Höger setzte dem von ihm wenig geschätzten Bauhaus-Stil das „Neue Bauen“ entgegen, eine Mischung aus Stahlbetonarchitektur und einem ornamental-historistischen Heimatstil. Die maritime Form des Chilehauses setzte sich an der Straße Pumpen durch eine Wellen assoziierende S-Kurve fort, die der Straße angepasst wurde. Vier gestufte Sockelgeschosse mit weißen, an eine Schiffsreling erinnernde Geländer unterstreichen die Ähnlichkeit mit einem Ozeandampfer.
Dabei wirkt der riesige Bau, eines von Hamburgs ersten Hochhäusern, nicht klobig und klotzig, sondern dank der streng durch choreografierten horizontalen Linienführung der getreppten Gesimse und der rhythmischen Setzung des Backsteins an den Lisenen der Außenwände elegant und windschnittig. Als Kontrapunkt zu dieser Leichtigkeit wirkt der Innenhof der überbauten Fischertwiete zwischen den beiden Gebäudeteilen des Chilehauses mit dem gotisch-düsteren Tudorbogen und grob-behauenen Rustika-Quadern als Torstützen wie ein mittelalterliches Stadttor. Die scharfe Spitze des Chilehauses ziert als Galionsfigur ein Andenkondor, das chilenische Wappentier. Seinen Name hat das Kontorhaus vom Bauherrn Sloman erhalten, der in Chile sein Glück gemacht hatte. Die Innenarchitektur unterscheidet sich deutlich von Högers „Neuem Bauen“. Hier dominiert der historistische Stil der Gründerzeit mit prunkender Renommiersucht: schwere Pfeiler aus Terrakotta, schmiedeeiserne, mit aufwendigen Details geschmückte Eingangstüren. Das Chilehaus gehört seit 1993 der Union Investment Real Estate und bietet heute einen Mix aus Büros, Läden und Restaurants. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige