Hamburg leidet unter Personalnot in Kitas

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Eltern und Kinder demonstrieren gemeinsam für mehr Personal Foto: wb

Eltern und Erzieher fordern Verbesserungen bei Lichter-Demo in der Innnestadt

Von Stefanie Hörmann
Hamburg-City
Die Schnullis stehen in vorderster Front, denn hier geht es um Kita-Plätze. „Wir wollen mehr als satt und sauber“, skandieren ihre Eltern und die Kleinen freuen sich über die Laternen. Emil, schon 7 Jahre alt, zeigt seine Solidarität mit einer selbstgebastelten Raketen-Laterne, der Schweif sprüht Sternchen aus Wunderkerzen und alle sagen „ah“ und „oh“. Wenn Kinder demonstrieren, darf der Spaß nicht zu kurz kommen. Doch die Kita-Demo hat einen ernsten Anlass: „Wir haben einfach zu wenig Personal“, sagt Uta Frankenberg, Leiterin der Kita St. Gabriel in Barmbek. „Krankenstände auszugleichen, wird immer schwieriger, jetzt haben wir schon die Ausflüge gestrichen und die Pyjama-Party.“ Das finden die Kinder schade, doch solche Extras sind bei einer so dünnen Personaldecke einfach nicht mehr zu schaffen. Doreen Deines aus Rahlstedt, Erzieherin und Mutter: „Wir wünschen uns einen Personalschlüssel von einer Erzieherin für vier Krippenkinder, jetzt sind es bei uns 7,7 Kinder.“ Die Demonstration durch die Mönckebergstraße am Montag organisierte das Kita-Netzwerk Hamburg, ein Bündnis aus Eltern, Pädagogen und Erzieherinnen. Seit 2014 setzt es sich für eine Verbesserung der Personalsituation in den Hamburger Kitas ein. Das Netzwerk kämpft für alle Träger und will bessere Bedingungen für alle Kinder im Kita-Gutscheinsystem erreichen. „Die Stadt gibt zwar mehr Geld für Kitas aus“, sagt Kita-Netzwerk Gründerin Alexandra Balthasar, „aber das Geld geht in die Quanität, nicht in die Qualität, es gibt immer mehr Kinder zu betreuen.“ Roland Schneider, Betriebsrat bei den Elbkindern, hat bei seinen Beratungen immer wieder mit Problemen zu tun, die durch die dünne Personaldecke verursacht werden: „In jeder Kita ist dringender Personalbedarf, die Mitarbeiter arbeiten oft an der Belastungsgrenze.“ Auch Eltern unterstützen den Wunsch des Kita-Netzwerks. Deshalb ist Thomas Hammer gemeinsam mit Sohn Leo auch ausgestattet mit einer selbstgebastelten Laterne bei ungemütlicher Kälte zur Demo angetreten – und mit ihm ein langer Zug von kleinen und großen Demonstranten. „Ich finde es immer wieder toll, was die Erzieher mit den wenigen Möglichkeiten, die sie haben, alles leisten. Aber ich sehe auch, wie anstrengend der Beruf ist.“ Die Demo in der Mönckebergstraße wird sicher nicht die letzte Aktion des Kita-Netzwerks sein. (sh)
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