Hamburg: Socken, Nudeln, alte Schuhe

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Hanna Preuss (v.l.), Irmtraut Bielenberg, Manfred Preuß und Hein Bielenberg waren extra aus Brunsbüttel angereist. Zur Öffnung veranstalteten sie eine Kofferparty

Seemanns-Mission versteigerte zurückgelassenes Gepäck von Matrosen

Hamburg. Der Andrang war wieder groß bei der Koffer-Versteigerung in der Seemanns- Mission: Knapp 200 neugierige und erwartungsvolle Männer und Frauen drängelten sich in der Cafeteria im Seemannsheim, als die Leiterin der traditionsreichen Einrichtung am Krayenkamp, Inka Peschke, sowie ihr Stellvertreter, Felix Tolle, die Auktion mit einem Hammerschlag eröffneten.

30-Kilo-Kiste aus Stahl

Einige Bieter hatten sich für diesen Tag extra frei genommen, andere waren von weit angereist, um dabei zu sein als die 15 Koffer, Reisetaschen und Kartons unter den Hammer kamen. Gepäckstücke, die von ihren Besitzern nicht abgeholt wurden und zum Teil schon seit vielen Jahren im Keller des Heimes lagerten.
„Zum Ersten, zum Zweiten und…“ – Hobbyauktionator Felix Tolle macht eine lange Pause, bevor er fortfährt - „…zum Dritten“. Der Bieter bekommt für 60 Euro den Zuschlag für einen blauen Seesack, etwa fünf Kilo schwer. Öffnen will er ihn allerdings erst zu Hause. Als nächstes wird das vielversprechendste Stück aufgerufen, eine gut 30 Kilo schwere Seekiste aus Metall, mit einem großen Vorhängeschloss gesichert. Sie erzielt mit 205 Euro den höchsten Erlös des Tages.
Für 90 Euro hat sich Alfred Pannwitz aus Sasel den größten Koffer bei dieser Auktion gesichert. Als er ihn abends zu Hause öffnet, hätte er ent- täuscht sein können, denn den Inhalt hat er weitgehend gleich entsorgt: alte Schuhe, schmutzige Jacken und Hosen, Kochtopfe, seit Jahren abgelaufene Lebensmittel wie Nudeln und Konservendosen. Einzig einen Wasserkocher hat er behalten. „Aber es hat Spaß gebracht, dabei zu sein, mitzubieten und mit dem Geld etwas Gutes zu tun“, sagt Alfred Pannwitz. Hein Bielenberg, seine Frau Irmtraud sowie das befreundete Paar Manfred und Hanna Preuss waren extra aus Brunsbüttel angereist, um etwas zu ersteigern. Ihren Koffer – für 70 Euro – öffneten sie drei Tage später auf einer eigens veranstalteten „Koffer-Party“.

Ein Zirkus-Buch

Wirklich Wertvolles fanden aber auch sie nicht in ihrem „Überraschungs-Koffer“:  Ein Buch über den Zirkus „Roncalli“, drei Hosen, ein neuer Pullover, Hemden, Socken, Unterwäsche. „Alles kleine Größen, der Koffer muss einem Asiaten gehört haben“, sagt Hanna Preuss. Die Kleidung wollen sie nun spenden. 1.800 Euro kamen bei der Versteigerung zusammen. Geschäftsführerin Inka Peschke war sichtlich zufrieden. Das Geld kommt den Seeleuten im Heim zugute – für Ausflüge, Veranstaltungen und die Weihnachtsfeier. Nächste Koffer-Auktion: frühestens in zwei Jahren. (ks)
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