Hamburg soll Shopping-Paradies werden

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60.000 Kraftfahrzeuge brausen täglich über die Willy-Brandt-Straße. Ginge es nach der HK, würde der größte Teil des Verkehrs in einem Tunnel verschwinden Foto: Hörmann
 
Handelskammer-Chef Hans-Jörg Schmidt-Trenz (l.) und Hans-Christian Friedmann, Handelskammer Foto: Hörmann

Von der Innenstadt bis zur HafenCity. Willy-Brandt-Straße soll Tunnel werden, um die drei Einkaufs-Spots zu verbinden

Von Stefanie Hörmann
Hamburg-City
Shopping ohne Grenzen von der Innenstadt bis zur HafenCity und der Verkehr der Willy-Brandt-Straße verschwindet im Tunnel – so könnte man in kurzen Worten die Forderung der Handelskammer zusammenfassen, die zum Wirtschaftsstandort Innenstadt ein umfangreiches Standpunkte-Papier vorgelegt hat. Die City wächst in den nächsten Jahren um ein Viertel – mit der Eröffnung des Überseequartiers in der HafenCity kommen im Jahr 2021 Einzelhandelsgeschäfte in einer Größenordnung von zwei Europapassagen zu den Einkaufsflächen in der Innenstadt hinzu. Die Handelskammer sieht hier das Potenzial für eine bedrohliche Konkurrenzsituation, denn bislang sei es nicht ausreichend gelungen, die Einkaufs-, Freizeit- und Kulturangebote in der HafenCity mit der Hamburger Einkaufscity zu verknüpfen. „Ziel muss es jedoch sein“, so Handelskammer-Chef Hans-Jörg Schmidt-Trenz, „aus der U-förmigen heutigen Einkaufscity ein „Y“ zu machen und die drei Pole – den Dammtorbahnhof im Westen, den Hauptbahnhof im Osten und das Überseequartier in der Hafencity mit dem Kreuzfahrtterminal im Süden durch attraktive Wege durch das sogenannte Fleetviertel zu verknüpfen.“ Den Störfaktor für das grenzenlose Flanieren durch die Mega-Innenstadt hat die Handelskammer auch bereits ausgemacht: Die 6-spurige Willy-Brandt-Straße zerschneidet City und Überseequartier, sie wirkt als Barriere.

Straße verschwindet


Die Lösung aus Sicht der Kammer: Ein Tunnel muss her. Und zwar soll die Straße auf einer Länge von 1,3 Kilometern zwischen dem Deichtorplatz im Osten und dem Rödingsmarkt im Westen untertunnelt werden. Vier der heute sechs Fahrspuren verschwinden dann im Untergrund, zwei bleiben überirdisch. Der sogenannte Erschließungsverkehr darf also weiter auf der Straße fahren, der Durchgangsverkehr und damit die meisten Lkw würden durch den Tunnel fahren.
Bleibt die Frage: „Wer soll das bezahlen?“ Doch auch darüber hat die Handelskammer in ihrem Standpunkte-Papier nachgedacht. Die Baukosten beziffern Experten mit etwa 500 Millionen Euro, für das Zahlenwerk wurde ein ähnliches Bauprojekt in München ausgewertet. Dieses Geld will die Kammer fast vollständig durch den Flächengewinn hereinholen, denn die breite Straße verschwindet ja größtenteils und macht Platz für Wohnungsbau und Büros. Über 25.000 Quadratmeter will die Handelskammer neu erschließen. Der Grundstückswert: mehr als 400 Millionen Euro. So wäre der Tunnel fast ein Schnäppchen. Niemand glaubt, dass im nächsten Jahr Bagger anrücken, aber das Nachdenken über ein solches Projekt muss erlaubt sein.

Studie gefordert


„Wir erwarten nicht, dass dazu morgen eine Entscheidung gefällt wird“, sagt Handelskammer-Chef Schmidt-Trenz, „aber wir fordern eine Machbarkeits-Studie“.
Geradezu bescheiden muten dagegen zwei andere Vorschläge der Handelskammer zur Verbesserung des Wirtschaftsstandorts Innenstadt an: Der Hauptbahnhof soll schöner werden und Außengastronomie erhalten und Hamburg soll vorangehen, wenn es um die Digitalisierung geht. Neben einer ausreichend dimensionierten Breitbandinfrastruktur und frei zugänglichem WLAN in allen großen Geschäftsstraßen soll die Stadt eine Online-Plattform aufbauen, in der Besucher erfahren, welche Produkte man wo findet und sogar Konzertkarten kaufen können. Schöne neue Einkaufswelt – wenn es nach der Handelskammer geht, wird Hamburg im nächsten Jahrzehnt zum grenzenlosen Shopping-Paradies. (sh)
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