Hamburg: Wie war es früher mit dem Müll?

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Berührungsängste zwischen den Gymnasiasten und den Senioren gab es kaum Fotos: ape

Umwelt-Projekttag bringt Senioren und Schüler ins Gespräch: Essen wegwerfen? Gab‘s nicht

Von Alexandra Petersen
Hamburg. Der goldene Anhänger in Form einer Eule hat es der älteren Dame besonders angetan. „Hast Du den zu Ostern bekommen? Oder zu Deinem Geburtstag?“, fragt sie die Schülerin des „Gymnasiums Lerchenfeld“, die am Tisch an ihrer Seite sitzt. Und ist verblüfft, was ihr die Fünftklässlerin antwortet: „Den habe ich einfach so bekommen.“
Etwas einfach nur so zu erhalten, ohne einen Anlass oder ein echtes Bedürfnis – das hat es für die interessierte Seniorin sowie die zwölf weiteren Damen und Herren, die sich an diesem Tag in dem hellen Speisesaal der Senioreneinrichtung „Pflegen und Wohnen Finkenau“ eingefunden haben, in ihrem Leben gar nicht oder kaum gegeben.
Das Gymnasium und die Senioreneinrichtung unterhalten seit kurzem eine Partnerschaft (wir berichteten). Nach wie vor scheinen die älteren Menschen, die sich hier angeregt mit je 26 Schülern und Schülerinnen der „Lerchenfeld“-Klasse 5c und deren Patenklasse 9a unterhalten, von ihren Erfahrungen, mit Dingen wie etwa Lebensmitteln, Energie oder Abfall umzugehen, geprägt zu sein.
„Ich fülle mir nur so viel auf, wie ich es schaffen kann.
Was ich nicht aufesse, nehme ich oft mit auf mein Zimmer“, sagt eine der Seniorinnen im Gespräch mit den Gymnasiasten.

Dialog der Generationen kam gut an

Zu den zahlreichen Fragen zum Thema „Zu gut für die Tonne“, die sich die Kinder und ihre beiden Klassenlehrerinnen, Kathrin Steinmeyer und Anja Mielich, für ihr generationsübergreifendes Projekt im Unterricht erarbeitet hatten, weiß sie vieles zu berichten: Etwa aus ihrer Kindheit kurz vor dem Zweiten Weltkrieg, als es nicht üblich war, so viel Licht und Strom wie heutzutage zu verbrauchen, oder später, als man nicht überall hin mit dem Auto fuhr.
„Was war es für ein Erlebnis, mit der Straßenbahn zu fahren. Ein-, zweimal im Monat, mehr auf keinen Fall“, erinnert sich eine ihrer Mitbewohnerinnen an ihre Jugend. Ansonsten ging man immer zu Fuß. Strümpfe, die dabei Löcher bekamen, wurden nicht entsorgt. Sie wurden gestopft.
Auch Essensreste wegzuwerfen, wie es für die Mädchen und Jungs – die bereits zu einer Nikolaus-Aktion im Dezember 2013 in der Finkenau zu Besuch waren – oftmals üblich ist, hat es früher nicht gegeben. „Alles, was nicht gegessen oder verwertet werden konnte, wurde an die Tiere verfüttert, zu Kompost gemacht oder, wenn gar nichts mehr ging, verbrannt“, berichteten einige der Schüler am Ende ihrer Gespräche.
Mit Kathrin Steinmeyer, die an dem als „Umweltschule in Europa“ ausgezeichneten Gymnasium mehr für solche Projekte tun will, wollen sie weiter zu den Damen und Herren kommen, denn in dem Konzept zum sozialen Lernen soll ein Miteinander der Schule und der Seniorenanlage weiter ausgebaut werden.
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