Hamburg: Wohnungen statt Heim

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Das katholische Altenheim St. Bernard am Mariendom schließt zum kommenden Juni. Die Bewohner müssen umsiedeln. Dann werden Wohnungen eingerichtetFoto: Schlichtmann
 
Heimleiter Kurt Bonekamp-Adelmann versucht, die Sorgen der Bewohner und ihrer Angehörigen zu verstehenFoto:Schlichtmann

Kirche kündigt St. Bernard-Senioren. Mitarbeiter entlassen

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Gerade fand in der Cafeteria des katholischen Senioren- und Pflegeheims „St. Bernard“ in St. Georg ein besinnlicher, vorweihnachtlicher Nachmittag statt. Doch so recht nach Feiern wird den 23 Bewohnern des Heims am Mariendom und ihren Angehörigen wohl nicht zumute sein, denn im November hat die Heimleitung ihnen mitgeteilt, dass sie ausziehen müssen - ihre Verträge werden per 30. Juni 2014 gekündigt, das Heim wird geschlossen.
Mit „notwendigen strukturellen Veränderungen“ begründet Heimleiter Kurt Bonekamp-Adelmann das „Aus“ für das beliebte, 1954 eröffnete Senioren- und Pflegeheim im Herzen des Stadtteils. „Die Anforderungen an die baulichen Mindeststandards haben sich in den letzten Jahren deutlich verändert“, erklärt der Heimleiter die Situation und ergänzt: „Zum Weiterführen unseres Hauses wären bauliche Veränderungen erforderlich, die wir in der bisherigen Bausubstanz nicht umsetzen können.“ Konkret: Die Flure müssten verbreitert, ein größerer Fahrstuhl für den Bettentransport eingebaut werden, zudem in jedem Zimmer eine barrierefreie Toilette mit Dusche - das sei so nicht möglich.
Angehörige empört
Betroffen sind 21 Mitarbeiter, davon die meisten im Pflegedienst - ihnen wird gekündigt. Und eben die verbliebenen 23 Männer und Frauen von einst 60, die sich hier zum Teil schon seit vielen Jahren zu Hause fühlen. „Ich finde das Vorgehen dieser kirchlichen Einrichtung fragwürdig  und eine Zumutung für die Senioren“, empört sich Horst K.*, dessen 89-jährige Mutter Hildegard* seit mehr als vier Jahren in dem Heim lebt und sich wohlfühlt.  „Schon einmal, nach dem Tod meines Vaters, hat sie einen Umzug ins Heim hinter sich und musste sich an die neue Umgebung ge- wöhnen - nun steht das in ihrem hohen Alter schon wieder an.“
Heimleiter Kurt Bonekamp-Adelmann versucht, die Sorgen der Bewohner und ihrer Angehörigen zu verstehen. Verspricht auch, bei der Suche nach neuen Heimplätzen und beim Organisieren des Umzugs zu helfen - ändern kann aber auch er nichts, die alten Menschen müssen ausziehen. Eine finanzielle Beteiligung des Heimes an den Umzugskosten ist nicht vorgesehen. „Wir müssen St. Bernard doch auch wirtschaftlich führen“, erläutert der Heimleiter. „Wenn wir moderne, den Erfordernissen entsprechende Einzelzimmer mit hohem finanziellen Aufwand und viel Platzbedarf herrichten würden, hätten wir deutlich weniger Räume für die Bewohner als jetzt. „Und wir würden dann weit unter eine wirtschaftliche Größe fallen“, so Heimleiter Bonekamp-Adelmann weiter.
Dass jetzt „nur“ 23 Bewohner des Heimes von der Schließung betroffen sind, ist Absicht. Schon seit einigen Jahren gibt es einen Aufnahmestopp für dieses Haus, dessen Heimplätze aufgrund der relativ niedrigen Betreuungskosten begehrt waren. Der Plan, dieses Haus in der jetzigen Form eines Tages aufzugeben, besteht also bereits länger. Aber es wird nicht geschlossen, sondern - großzügig umgebaut. Neun zeitgemäße 2- bis 3-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen von 51 bis knapp 80 Quadratmetern werden dort in den alten Räumlichkeiten entstehen, in denen die verbliebenen Bewohner jetzt noch bis Ende Juni bleiben dürfen. Senioren-Wohnungen mit Service wie Verpflegung, Reinigung, Wäsche, ambulanter Pflege. 15 Euro Warmmiete monatlich soll der Quadratmeter kosten.  Zehn Wohnungen dieser Art sind dort in der Vergangenheit bereits nach und nach gebaut und bezogen worden. „Von pensionierten Geistlichen, denen hier jetzt eine Altersresidenz geboten wird“, will Horst K.* gehört haben. „Das ist so nicht richtig“, entgegnet Heimleiter Bonekamp-Adelmann diesen Vorhalt, „Geistliche und andere Kirchen-Bedienstete werden hier zwar auch einziehen, aber jeder kann sich bewerben.“ Horst K.* sucht jetzt einen vergleichbaren Heimplatz für seine Mutter. Von der zugesicherten Unterstützung mit Rat und Tat durch St. Bernard habe er bis jetzt übrigens noch nichts gemerkt. (ks)
* Name geändert
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