Hamburgs erster Flaschen-Mob

Anzeige

Über 4000 Pfandflaschen für den guten Zweck

City. Es war Hamburgs erster Flaschen-Mob und in dieser Form auch eine bundesweite Premiere. Unter der Schirmherrschaft von Bischöfin Kirsten Fehrs hatte sich ein Bündnis gegründet, das dazu aufrief, Pfandflaschen aus Plastik zu sammeln und am internationalen Tag zur Überwindung der Armut am Jakobikirchhof zu spenden. Mit überwältigendem Ergebnis folgten zahlreiche Hamburger dieser Aufforderung und gaben bis um 17 Uhr genau 4317 Flaschen ab. Gespendet wird mit dieser Aktion für Familien, die von Obdachlosigkeit betroffen oder bedroht sind. Seit Monaten suchen kleine Kinder mit ihren Eltern in verschiedenen Einrichtungen, wie der Bahnhofsmission, eine letzte Zuflucht. Da es aber nur separate Unterbringungen für Männer, Frauen und Kinder gibt und die Familien nicht voneinander getrennt werden wollen, ziehen viele von ihnen ein Leben auf der Straße vor. Mit dem gesammelten Geld soll ein Notfonds für die gemeinsame Unterbringung für obdachlose Familien eingerichtet werden, bis andere Lösungen für sie gefunden sind. „Oft werden von dem Geld vorrübergehend Hotelzimmer finanziert“, berichtet Axel Mangat, der Leiter der Bahnhofsmission, „bis dann eine Bleibe für die Eltern und ihre Kinder gemeinsam gefunden wird“.
Zehn Jugendgruppen aus Kirchengemeinden, freier Jugendarbeit und Schule hatten sich bereits zuvor intensiv mit dem Thema „Armut begegnen“ befasst. Sie stellten an diesem Abend nach dem Flaschen-Mob in der Hauptkirche St. Jacobi ihre künstlerisch-kreativen Ergebnisse in Form von Theaterstücken, Musik, Bildern, Aktionen und Texten vor. Eine der teilhabenden Schulen war die Erich-Kästner-Stadtteilschule aus Farmsen, die einen Eigenversuch gestartet hatte und sich einen Tag lang auf der Straße aufhielt, nur mit ein paar Stöckern und einer Plastikplane ausgerüstet, um nachzuempfinden, wie sich Obdachlosigkeit anfühlen könnte. Zwar kamen die meisten gut gefrühstückt zu diesem Projekt, doch wurde es dennoch bereits nach kurzer Zeit ausgesprochen ungemütlich im Umfeld des Hauptbahnhofes. „Die meisten Menschen schauten nur mit einem bedauerlichen Blick zu uns herunter“, berichteten die Schüler. Eine weitere der insgesamt sechs Schülergruppen hatte den Mut gefasst und Flaschensammler interviewt. Die meisten der Befragten nutzten das Sammeln zur Aufbesserung einer geringen Rente, oder dem Hartz IV Satz, der „zum Leben nicht ausreicht“. Das Fazit des Schülerexperimentes war deutlich auf einem Transparent in der Kirche zu lesen: „Armut ist keine Schande aber immer scheiße“. (kg)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige