„Helfen tut gut!“

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Das Leitungsteam koordiniert die Einsätze: Leiterin Sidonie Fernau (M.) mit Bahaa Alsayek, Sebastian Stahlke, Habibeh Venske und Said Haider (v.l.) Foto: Haas
 
Angelika und Nazrin geben das Frühstück aus: „Unsere Arbeit ist auch weiter bitter nötig“ Foto: Haas

Ehrenamtliches Engagement für Flüchtlingshilfe im Bieberhaus

St. Georg Bis zu 300 Flüchtlinge kommen immer noch täglich im Hauptbahnhof an, vor allem Frauen und Kinder. Noch vor wenigen Monaten waren es tausende. Sämtliche Grenzen sind inzwischen fast dicht. Das hat die Lage zwar entspannt, doch die im Herbst eingerichtete Etage für Flüchtlingshilfe im Bieberhaus ist weiter gefragt. Sie ersetzte die Zelte vor dem Hauptbahnhof, in der hier Gestrandete notdürftig versorgt wurden, in der Mehrzahl auf der Durchreise nach Skandinavien. „Wir arbeiten weiter gut zusammen mit den ehrenamtlichen Initiativen. Ohne sie würde es nicht gehen“, erklärt Christian Böhme, Sprecher des paritätischen Wohlfahrtsverbandes Hamburg. Der „Paritätische“ organisiert die Tagesstätte, koordiniert den Einsatz der Ehrenamtlichen von 8 bis 22 Uhr. Zudem zeichnet er verantwortlich für die 900 Quadratmeter große Etage. Die Firma „Alstria“ stellt sie bis Ende August 2016 mietfrei zur Verfügung. Während das Leitungsteam der Einrichtung tagt, erklärt Böhme weiter: In der medizinischen Versorgung und in der Kinderbetreuung seien jetzt ganz bewusst ausschließlich Profis tätig. Meist Erkältungen behandelt der Arzt derzeit. „Überwiegend Bagatellen“, doch er sei hier wegen des Anteils „erheblicher Erkrankungen“, wie etwa zuletzt einer akuten Blinddarmentzündung. Die Erzieher Dirk, Sylvia und Nadine wurden aus ihren Kitas für die Kinderbetreuung im Bieberhaus freigestellt. „Die meisten dieser Kinder haben etwas zu betrauern“, meint Dirk und deutet auf die Zeichnungen aus Kinderhand. Dabei sei ihre Flucht noch gar nicht zu Ende. „Sie brauchen diese Momente, in denen sie einfach mal Kind sein können: Spaß haben, lachen und auch mal Krach machen“, sagt Sylvia. Dies sei auch eine Atempause für die Mütter, die in dieser Zeit relaxen. Oft kommen große Familien, viele wurden auf der Flucht quer durch Europa auseinander gerissen. Nadine erlebt hier oft „krasse Unterschiede“, etwa wenn sich ein kleines Mädchen aus lauter Freude für einen Sticker mit einem dicken Kuss bedankt. Der Speiseraum ist gut gefüllt. Auch aus den Hamburger Camps kommen sie öfter hierher, außer Kaffee oder einer warmen Mahlzeit finden sie hier wichtige Informationen und Beratung. Angelika und Nazrin machen die Frühschicht, geben Kaffee, Tee, Obst und belegte Brötchen aus. Nazrin wurde in Hamburg geboren, doch sie weiß, was Flucht bedeutet: von ihren afghanischen Eltern. Von Anfang an half sie mit am Hauptbahnhof, erinnert sich an die Schlangen vor den Zelten. „Aus dem Nichts haben wir unsere Hilfe für die Gestrandeten aufgebaut. Und die ist auch weiter bitter nötig“, sagt sie. Hans, Renate und Claudia betreuen die gut besuchte Kleiderkammer für Erwachsene. Gerade sortieren sie einen Persianer und ein Abenkleid aus. Hans hilft aus Dankbarkeit: Als kleiner Junge wurde auch er hier im Haus eingekleidet. Durch ihr Engagement verkleinere sich der Bekanntenkreis, beobachteten Claudia und Renate, der Rechtsruck werde spürbar. „Aber wir gehen mit einem schönen Gefühl hier raus. Helfen tut gut!“ (wh)
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