Inspirationen aus dem Alltag

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Im Original sind die Absperrgitter dieser Skulptur meterhoch angehäuft, Olaf Metzel erstellte sie 1987 für den Berliner Skulpturenboulevard in Anlehnung an die Barrikaden bei gewaltsamen Ausschreitungen in Berlin 1981Fotos: Hörmann

Kunstverein: Newcomer und „alter Hase“ stellen aus

City. Ein Neuling und ein alter Hase auf dem Kunstmarkt teilen sich eine Ausstellung im Kunstverein – schön für die Besucher, denn die bekommen Eindruck in ganz unterschiedliche Welten. Der junge Wilde, Christian Hans Albert Hoosen, Jahrgang 1981, mischt Comic-Ästhetik und Werbegrafik, zeigt schräge Vögel, fabelhafte Wesen, Fratzen und Alltagsszenen, und das alles frei von kunstgeschichtlichen Kategorien oder Vorbildern, dafür mit umso mehr Tempo: „Ich male mit allem was schnell geht und schnell trocknet, zum Beispiel Tusche und Kohle“, erklärt Hoosen. Der Berliner lässt sich am liebsten vom Alltag seiner Stadt inspirieren. „Oft laufe ich an einer Sache vorbei, die mich zum Nachdenken bringt, ich schreibe dann eine SMS an mich selbst, um mich zu erinnern und am nächsten Tag male ich das Bild“, sagt Hoosen. Es kann ein Döner-Verkäufer sein, der zur Inspirationsquelle wird oder auch das Gefühl, einfach zu viel geraucht zu haben. Die Ausstellung im Kunstverein ist Christian Hoosens erste institutionelle Einzelausstellung, gemalt hat er schon als Kind, doch die Berufsbezeichnung Künstler führt er erst seit drei Jahren. Vorher arbeitete Hoosen in einer Werbeagentur. Ein Newcomer also, der sich noch ausprobiert. Die Arbeiten sind unterschiedlich, auch hinsichtlich der Maltechnik. Während die Kunsthistoriker noch überlegen, ich welche Schublade er passt, bleibt Hoosen locker: „Die Szenen kommen zu mir, ich lasse die Geschichten nur rahmen und bezahle die Farbe.“ Dieser Spruch könnte genau so von seinem etablierten Mit-Aussteller kommen, denn auch Olaf Metzel gehen die Themen nicht so leicht aus, oft inspirieren ihn Zeitungsartikel oder Fotos. Metzel, Jahrgang 1952, hat sich auf Kunst im öffentlichen Raum spezialisiert. Seine Skulpturen sind in Berlin, Bonn, Essen, Lissabon, München und sogar in Seoul zu finden. Seit 1990 ist er Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München. Der Kunstverein bietet mit der Ausstellung „Gegenwartsgesellschaft“ einen Überblick über Metzels Schaffen mit Arbeiten der letzten 30 Jahre. Sein kritischer Blick fällt meistens auf Deutschland und die deutsche Geschichte, so ist zum Beispiel ganz aktuell der Auftakt des NSU-Prozesses ein Thema. Metzel verarbeitet ihn über die mediale Darstellung, druckt türkische Zeitungen auf Aluminium und faltet das ganze zu einem Kunstobjekt. „Meine Arbeiten sind dreidimensionale Bilder“, sagt Olaf Metzel. Eines seiner Kunstobjekte kann der Besucher sogar betreten: Die „Sammelstelle“ (1992) hat der Künstler den Wohnunterkünften von Asylbewerbern nachempfunden. (sh)

Bis 5. Januar 2014, Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr, Führungen Donnerstag 17 Uhr, Der Kunstverein, Klosterwall 23, Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro.
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