Kampf gegen Sexgeschäfte

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Polizeibeamte vom PK 11 wie Thomas Rühmkorf (l.) und Jörg Delonge sorgen dafür, dass die Straßenprostitution am Steindamm zurückgeht Foto: Hanke

Rückgang der Straßenprostitution – doch Lage der Frauen wird schwieriger

St. Georg. Freier meiden St. Georg. Die Kontaktverbotsverordnung für St. Georg, die seit dem 1. Februar 2012 in Kraft ist, hat offensichtlich einen Rückgang der Straßenprostitution zur Folge.

Das geht aus Äußerungen von Polizeibeamten, Einwohnern und sozialen Einrichtungen sowie einem leichten Rückgang von Beschwerden zu diesem Thema hervor. Dabei fällt eine erste Bilanz der Kontaktverbotsverordnung sehr verhalten aus: Über „das Ausmaß der Erreichung der Ziele und des Schutzzwecks der Kontaktverbotsverordnung“ lassen die gesammelten Daten statistisch keine „hinreichend belegbaren Aussagen“ ableiten, steht in der Bewertung der Bilanz zu lesen. Weil die erwischten Freier vermutlich nur einen kleinen Prozentsatz aller Sexsuchender in St. Georg ausmachen. Anzeigen erfolgen nicht. Nur wenn die Polizeibeamten Freier beim Kontakt mit Prostituierten, quasi auf frischer Tat, ertappen, können Geldbußen verhängt werden. „Es ist nicht immer einfach für meine Mitarbeiter zu erkennen, in welchem Gespräch zwischem einem Mann und einer Frau sich ein Sexgeschäft anbahnt“, erläutert Andreas Nieberding, Leiter des Polizeikommissariats 11 am Steindamm. Mitunter sei auch zu wenig Personal auf der Straße, um sich dieser Aufgabe zu widmen. Aber: „Das Ansprechen von Passantinnen auf der Straße hat sich verringert ebenso wie das Ankobern von Männern durch Prostituierte“, sagt Kommissariatsleiter Nieberding. Die Prostituierten ziehen sich in Hauseingänge oder in Bars zurück. Und sie verdienen weniger, wie die Hilfsorganisationen für Prostituierte, Sperrgebiet Hamburg und ragazza e.V., berichten. Ganz offensichtlich beginnen Freier St. Georg zu meiden. Das haben Polizeibeamte auch von Freiern gehört. Die neusten Zahlen von Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen Freier dürften diesen Trend verstärken. Nachdem 2012 in den vier Quartalen nacheinander 49, 44, 41 und 72 Freier ertappt wurden, stieg die Anzahl 2013 auf 199 (1. Quartal) und 168 (2. Quartal). Die Anzahl der Prostituierten hat sich dagegen nicht verringert. Sie ist im Laufe des Jahres 2012 sogar von 225 im 1. Quartal auf 289 im letzten Quartal gestiegen. Ihre Lage wird immer prekärer, wie Sperrgebiet Hamburg und ragazza e.V. berichten, die die Kontaktverbotsverordnung deshalb kritisch sehen. Aus der Not heraus lassen sich die Prostituierten auf riskante Geschäfte mit Freiern ein. Die Hilfsorganisationen erreichen sie immer seltener.
Andreas Nieberding ist trotz bescheidener Erfolge zufrieden. Der Trend lässt ihn hoffen, das sich die Freier langfristig aus St. Georg zurückziehen. „Sie sorgen mit ihrer Nachfrage für Prostitution“, stellt er klar und hofft, dass der Rückzug der Freier irgendwann das ganze Geschäft mit dem Sex in St. Georg zum Erliegen bringt. (ch)
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