Keine Gnade für Hamburger Gabenzaun

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Günter Seitz kommt jeden Tag zum Gabenzaun und spricht mit den vielen Wohnungslosen der Stadt Foto: Grell
Hamburg: Hamburg Hauptbahnhof |

Die Spendentüten-Aktion für Obdachlose am Hauptbahnhof steht vor dem Aus

Von Karen Grell und Frank-Berno Timm
Hamburg-City
Der sogenannte Gabenzaun am Hauptbahnhof ist bald Geschichte. Das stellte am vergangenen Donnerstag Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) in der Bezirksversammlung klar. Der Abriss der Mauer, auf der sich der Zaun befinde, sei bereits beschlossen. Die Arbeiten würden ausgeführt, wenn die entsprechende Ausschreibung entschieden wäre. Zuvor hatte die Fraktion der Linken die Entfernung der Zäune verlangt, weil sie das Verweilen von Menschen am Hauptbahnhof verhinderten. Ina Morgenroth sagte, es sei kein anderes Ziel als die Vertreibung von Menschen erkennbar. Die beiden Regierungsfraktionen kritisierten die Forderung der Linken in scharfer Form: Der Antrag solle wegen „Schwachsinnigkeit“ zurückgezogen werden, meinte Arik Willner (SPD); Michael Osterburg (Grüne) fand das Begehren seltsam, Kay Gottschalk (AfD) störte sich an dem Begriff Vertreibung und musste sich scharfe Kritik aus dem Publikum anhören. Nach einem Hinweis des Bezirksamtsleiters, dass die Versammlung zur Doppelbefassung nicht befugt sei, tagte der Ältestenrat; die Linke zog schließlich zurück.

Anonyme Sachenspenden im kalten Winter

Eigentlich sollte der Zaun am Hamburger Hauptbahnhof, direkt am Eingang zu den
U-Bahnstationen, obdachlose Menschen davon abhalten, sich hier aufzuhalten. Die Metallbögen, die der Bezirk Mitte über einer kleinen Mauer zu diesem Zweck angebracht hat, sorgten in den vergangenen Wochen immer wieder für Empörung und Ärger. Diese Bögen wurden von engagierten Hamburgern in einen „Gabenzaun“ umfunktioniert. Auf Zetteln werden Passanten gebeten, Sachspenden in durchsichtigen Tüten an das Metall zu hängen, damit Bedürftige sich dort bedienen können. Die anonymen Initiatoren der Aktion haben mit ihrem Aufruf viel bewirkt, denn täglich werden dutzende kleine Spendenpäckchen an den Zaun gehängt. Als Zeichen der Güte und Barmherzigkeit im frostigen Winter.

Bahn hat „Hausrecht“

Günter Seitz ist seit 53 Jahren obdachlos und damit, nach eigenen Angaben, Deutschlands längster Obdachloser. Er kenne die Probleme, die Wohnungslose auf der Straße plagen und engagiere sich schon das ganze Leben lang für deren Bedürfnisse. „Hier wurden die Behörden einfach übergangenen und aus einem Verbot ist noch ein guter Zweck entstanden“, freut sich Günter Seitz. Hintergrund des Aufenthaltsverbotes am Hamburger Hauptbahnhof ist die Privatisierung der überdachten Bereiche rund um den Bahnhof. Der DB-Sicherheitsdienst ist seit vier Jahren für die Sauberkeit und Ordnung vor Ort zuständig und soll darauf achten, dass die Verbote des Aufenthaltes eingehalten werden. Das Unternehmen hatte von der Stadt für zehn Jahre das Nutzungsrecht für die überdachten Flächen am Hachmannplatz sowie den Mönckebergtunnel erhalten. Damit blieb die Hansestadt Hamburg zwar im Besitz der Flächen, die Bahn hatte aber seitdem das „Hausrecht“. Darunter fällt auch ein Aufenthaltsverbot für Trinker und Obdachlose, was mit sich brachte, dass sich keine Personen im überdachten Bereich längerfristig hinsetzten oder -legen sollten.
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5 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 23.02.2017 | 06:26  
170
Kurt Hoffmann aus Hamm | 23.02.2017 | 09:56  
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Rainer Stelling aus St. Georg | 23.02.2017 | 15:33  
6
Karl Koriander aus Billstedt | 26.02.2017 | 09:19  
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Arnold von Bramfeld aus Bramfeld | 24.07.2017 | 20:20  
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