Klapp-Baum und Obstkette

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Restauratorin Isabel Frühauf (r.) und Sarah Buks, ehrenamtliche Helferin, arbeiten an einer Hamburger Weihnachtspyramide. Ganz typisch ist der kleine Zaun Fotos: Hörmann

Hamburg-Museum stellt historische Advents- und Weihnachtsdeko aus

Hamburg. „O Tannenbaum, o Tannenbaum – wie grün sind deine Blätter“ schmettern wir fröhlich in der Weihnachtszeit, aber Blätter? Sind das nicht eher Nadeln? Das Hamburg Museum zeigt in einer Ausstellung Weihnachtsbäume, von denen einige tatsächlich grüne Blätter haben. Im 18. und 19. Jahrhundert waren in Deutschland Weihnachtsbäume modern, die mit unserer traditionellen Tanne allenfalls die Form gemeinsam haben, zum Beispiel der Celler Reifenbaum oder der Hiddenseer Bügelbaum, der Friesenbaum und auch die Hamburger Weihnachtspyramide.

Die klangvollen Namen stehen für historisches Brauchtum, das lange vor unseren Weihnachtsbäumen die guten Stuben schmückte. Das Team vom Hamburg Museum hat in alten Schriften gestöbert und die schönsten Stücke in der Werkstatt nachgebaut. Allein in dem Hiddenseer Bügelbaum stecken 40 Arbeitsstunden. Er besteht aus Weidenruten, Buchsbaum und Wachholder. Die Weidenruten werden zu Ringen gebogen und mit Seidenpapier in bunten Farben umwickelt, dazu kommen als Schmuck Nuss- und Trockenobstketten, Kerzen und gebackene Figuren. Ganz typisch ist auch eine goldene Fahne auf der Spitze.

Der Hiddenseer Bügelbaum kam früher auch oft auf Schiffen zum Einsatz, dann einfach ohne frische Blätter und Sträucher. Die Hamburger Weihnachtspyramide ist dafür richtig grün, sie wird mit Buchsbaum geschmückt. Darunter ist ein einfaches Gestell, das man zusammenklappen und nach der Weihnachtszeit im Schrank verstauen konnte – die gängige Lösung in Gegenden mit wenig Wald, zum Beispiel in Großstädten wie Hamburg und Berlin. Der Weihnachtsbaum wie wir ihn heute kennen war zwar Mitte des 19. Jahrhunderts schon sehr gefragt, aber nur wohlhabende Familien konnten sich so einen „teuren“ Tannenbaum leisten.

Der Ursprung des Brauchs, einen Weihnachtsbaum in der Stube aufzustellen, liegt vermutlich im Elsaß und verbreitete sich von dort aus über ganz Deutschland. Ende des 18. Jahrhunderts wird der Weihnachtsbaum zum Beispiel bei Goethe erwähnt. Vorher gab es geschmückte Bäume nur in Kirchen, im Mittelalter sollten mit Äpfeln behängte Bäume an Adam und Eva erinnern. Äpfel sind bei den Norddeutschen Weihnachtsbaum-Vorläufern auch ein fester Bestandteil, dazu kommen getrocknete Pflaumen und lustige Figuren aus Lebkuchen. Die Kinder durften den „Baum“, der eigentlich eher ein Gestell war, nach Weihnachten plündern. Die Ausstellung „Der etwas andere Weihnachtsbaum“ zeigt die ganze Vielfalt des Weihnachts-Brauchtums – dank der fleißigen Bastler aus der Museumswerkstatt, darunter viele ehrenamtliche Helfer, nicht nur in Abbildungen sondern in originalgetreuen Nachbauten. (sh)

bis 6. Januar, Dienstag bis Sonnabd., 10-17 Uhr, Sonntag 10 bis 18 Uhr, Heiligabend, Silvester und Neujahr geschlossen

Info:
An den Adventssonntagen basteln Kinder im Hamburg Museum unter Anleitung traditionellen Adventsschmuck. Zwischen 11 und 14 Uhr können die Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Flechtherzen herstellen und anschließend mit nach Hause nehmen.

Zur Einstimmung in die Adventszeit lädt der Trinitatis Chor Hamburg am 2. Advent um 15 Uhr zum Mitsingen ein. Auf dem Programm stehen außerdem Hafenklänge und „A Ceremony of Carols“ von Benjamin Britten.

Am 3. Advent ist die Hamburger Singakademie zu Gast im Hamburg
Museum, gespielt werden vorweihnachtliche Chorklänge vom Barock bis ins 20. Jahrhundert. Auch hier darf mitgesungen werden. (sh)

Hamburg Museum, Holstenwall 24. Eintritt: 9 Euro Museumseintritt, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben auch in diesem
Museum freien Eintritt.
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