Klassenzimmer als Kreativräume

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Das ehemalige Schulgebäude an der Wartenau 16 Fotos: Bobrich
 
Eine der Mieterinnen: Designerin Sarah Bürger

Ehemaliges Gymnasium an der Wartenau kann bis März 2016 von Künstlern zum Arbeiten genutzt werden

Von Melanie Bobrich

Hamburg. Junge Kreative haben eines oftmals nicht: genügend Geld. Und somit fehlen ihnen angesichts der steigenden Mieten in der Hansestadt bezahlbare Arbeitsräume. Mit einer neuen Zwischennutzungsmöglichkeit bietet die Hamburg Kreativ Gesellschaft nun Unterstützung: Die städtische Fördereinrichtung hat das komplette Gebäude an der Wartenau 16 angemietet und Nutzungsverträge mit insgesamt elf Untermietparteien aus verschiedenen Sparten der Kreativwirtschaft geschlossen.

An diesem Ort residierte ab 1909 die Elise-Averdieck-Schule, zunächst evangelisches Privat-Lyzeum, dann staatliche Schule, später Gymnasium. Das siedelte Anfang der 60er-Jahre nach Barmbek um. Ende April dieses Jahres zogen die ersten Mieter ein, zuvor erfolgte eine zweimonatige Renovierung in Eigenregie.
Insgesamt 20 Personen arbeiten, verteilt auf vier Etagen, in dem Gebäude, darunter Kommunikationsdesigner, Filmschaffende und Designer.
Über 100 Interessenten
Die Arbeitsräume konnten zuvor bei mehreren Sammelbesichtigungen begutachtet werden – insgesamt gab es
laut Hamburg Kreativ Gesellschaft mehr als 100 Interessenten. Angesprochen wurden gezielt Freiberufler und Selbstständige der Kreativwirtschaft, die erst einige Jahre im Erwerbsleben tätig sind.
Eine diese Selbstständigen ist die Designerin Sarah Bürger. Die 34-Jährige hat im größten Raum des ehemaligen Schulgebäudes einen sogenannten „Co-Working-Space“ namens formschoen geschaffen. Auf 210 Quadratmetern bietet sie Arbeitsflächen an, die dauerhaft oder temporär gemietet werden können. Wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind, werden dort Schreibtische, ein Fotostudio und eine Nähwerkstatt zur Verfügung stehen. Letztere bietet dann auch teure Spezialmaschinen. Vermietet werden die Arbeitsflächen im Flatrate-Prinzip: Für 30 Euro monatlich beispielsweise lässt sich ein Platz an der Nähmaschine buchen. Den großen, lichtdurchfluteten Raum vermietet Bürger zusätzlich auch für Film- oder Fotoproduktionen.

Selbstständig arbeiten

Die Designerin ist froh darüber, dass ihr so die Möglichkeit gegeben wurde, selbstständig zu arbeiten: „Gut, dass uns Kreativen mit vergünstigten Mieten unter die Arme gegriffen wird. Ohne dieses Modell ist es in Hamburg ja fast unmöglich, vergleichbare Räume zu einem moderaten Preis zu mieten.“ Angaben zur genauen Miethöhe wollte die Designerin zwar nicht machen, diese sei aber mehr als die Hälfte billiger als auf dem freien Markt. Möglich macht dies auch die Kulturbehörde, die die Vermietung finanziell durch den städtischen Zwischennutzungsfonds unterstützt – monatlich fließen knapp 3.300 Euro aus dem Fonds in das Projekt an der Wartenau 16. Die derzeitige Vermietung mit der Eigentümerin des Gebäudes, der städtischen Sprinkenhof AG, ist bis Ende März 2016 befristet. Das Gebäude in Hohenfelde ist nicht das einzige, das die Hamburg Kreativ Gesellschaft momentan an Akteure vermietet: Insgesamt sind es acht Bauten, darunter Räume im ehemaligen Finanzamt Altona, in der Kastanienallee und temporär eine Halle im Oberhafenquartier sowie einen Pop-up-Store in der Grindelallee. Die meisten der Vermietungen seien laut Egbert Rühl, Geschäftsführer der Hamburg Kreativ Gesellschaft, allerdings nicht subventioniert.
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