„Komödie nicht ausgeschlossen“

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Danial Ernesto Schirojan und Simon Meyer (v. li.), Schülerreporter des Projekts „Stadtteilwelt“, hatten Gelegenheit, Wim Wenders (Bildmitte) bei seiner Lehrtätigkeit über die Schulter zu schauen Foto: Lorenzen/wb

Wim Wenders über seinen ersten Berufswunsch, aktuelle und mögliche Projekte

Uhlenhorst/St. Georg. Seit zehn Jahren unterrichtet der international bekannte Regisseur Wim Wenders an der Hochschule für bildende Künste (HfbK) am Lerchenfeld. Nach dem nächsten Semester hört er auf. Privat lebt er zurzeit in St. Georg.


Die Nachwuchsreporter der Schülerprojekts „Stadtteilwelt“ im Barmbek BaschDanial Ernesto Schirojan und Simon Meyer haben ihn bei Dreharbeiten im Hafen besucht und ihn nach seiner Arbeit in Hamburg befragt. Wenders war sichtlich locker und flachste: „Hätte ich gewusst, dass ihr aus Barmbek kommt, hätten wir den Film in Barmbek gedreht.

WochenBlatt: Zehn Jahre Professor an der HfbK am Lerchenfeld: Was bedeutet diese Zeit im Rückblick für Sie?
Wim Wenders: Das hat mir zehn Jahre lang Spaß gemacht. Ich habe viele Studenten kommen und gehen sehen und auch viele Prüfungen gemacht. Insgesamt habe ich ein paar hundert Studenten kennengelernt. Das ist nicht nur einseitig, man lernt ja auch viel von denen.

WB: Haben Sie während Ihrer Tätigkeit an der HFBK auch in Hamburg gelebt?
Wenders: Ja, ich habe alle möglichen Wohnungen in Hamburg gehabt, auch hier im Hafen, das war das feinste, das ich hier hatte. Und dann in Mitte und St. Georg.

WB: Sind Sie nach Feierabend auch mal von der Hochschule Richtung Norden gegangen, nach Barmbek rein?
Wenders: Ja, nach Barmbek bin ich mal gekommen, aber nicht so richtig viel. Seid ihr von da? Hätte ich das gewusst, hätten wir den Film in Barmbek gedreht. Aber hier im Hafen, ist es schon schön. In dieser Gegend hier habe ich vor langer Zeit mit Dennis Hopper „Der amerikanische Freund“ gedreht. Da gab es diese ganzen Gebäude noch nicht, da waren hier in der Gegend eigentlich nur Fischhallen und sonst nichts, ziemlich öde.

WB: Worum geht es in dem Film, den Sie hier gerade drehen?
Wenders: Der Film wird von Studenten gedreht, ich bin ja nur hier, um zu gucken wie sie das machen und um hin und wieder einen Tipp zu geben. Im Moment drehen die eine Geschichte, in der jemand aus Versehen von der Polizei erschossen wird. Hoch dramatisch. Normalerweise drehen wir nicht so viel mit Pistolen, aber der Regisseur wollte das unbedingt machen.

WB: Was wollen Sie Ihren Studenten hauptsächlich mit auf den Weg geben?
Wenders: An der Hochschule für Bildende Künste sind wir nicht so karriereorientiert. Bei uns geht es darum, dass jeder seine Handschrift findet und entdeckt, welche Begabung in ihm steckt. Ich bin an der Kunsthochschule, weil der Professor dort noch selbst bestimmen kann, was er machen will und nicht so einen vorgegebenen Lehrplan hat.

WB: Warum wollten Sie Regisseur werden?
Wenders: Das ist eine gute Frage, ob ich das je werden wollte. Ich wollte eigentlich Maler werden. Und dann bin ich auf Umwegen dann dazu gekommen, die Fortsetzung der Malerei mit Kameras zu betreiben.

WB: Wenn ich jetzt Regisseur werden möchte – habe ich es dann leichter oder schwerer als zu der Zeit, in der sie die Entscheidung getroffen haben?
Wenders: Es ist insofern leichter, weil jeder sich heute eine Kamera leisten kann. Man kann auch mit kleinen digitalen Kameras etwas drehen, sogar mit dem Handy, und das am Computer selber schneiden. Das war damals, als ich angefangen habe, völlig unmöglich. Auf der anderen Seite gibt es heute tausende junge Leute die Filme machen wollen. Damals gab es nur ein paar Verrückte, davon war ich einer. Es ist auf der einen Seite leichter geworden und auf der anderen Seite schwerer.

WB: Was ist Ihr Lieblingsfilm?
Wenders: Oh je, jeden Tag ein anderer, ich hab so viele Lieblingsfilme.

WB: Welcher ist es denn heute?
Wenders: Heute, wo wir hier mit den Pistolen drehen, hab ich viel an Godard gedacht. In den ersten Filmen von ihm laufen sie doch auch immer mit einer Knarre rum.

WB: Sie haben ja schon an ziemlich vielen Orten auf der Welt gelebt, zum Beispiel in München und Paris. Welche Zeit fanden sie am schönsten?
Wenders: Am schönsten ist es, wenn man am meisten lernt und das ist natürlich am Anfang so. Den ersten Film kann man nur einmal machen. Danach kommt man in die Gefahr, das man routiniert wird und alles schon kann. Am meisten Spaß bringt es, wenn man es noch nicht kann und wenn man noch herauskriegen muss, wie es geht. Später habe ich mir auch Mühe gegeben, etwas zu machen, was ich noch nicht konnte, um weiter zu lernen.

WB: Gibt es denn etwas, was Sie noch nicht können?
Wenders: Ja sicher, ich habe noch nie eine Komödie gemacht. Ob ich das kann weiß ich noch nicht, aber vielleicht lerne ich es noch.

WB: Sie wollen also nicht aufhören zu drehen, Sie wollen weiter machen?
Wenders: Nein, Nein ich mach noch weiter, ich kann noch ganz viel nicht. Jetzt im Sommer drehe ich einen Film in Kanada, ein Familiendrama und das heißt „Every Thing will be fine.“
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