Neubau jetzt noch höher?

Anzeige
Unverändert vom Abriss bedroht: die Gründerzeit-Villa Herbert-Weichmann-Straße 80 Foto: Hanke

Uhlenhorst: Neuer Streit um alte Villa. Nachbarn wollen prozessieren

Von Christian Hanke
Uhlenhorst
Schon wieder: die Gründerzeit-Villa Herbert-Weichmann-Straße 80 ist erneut beziehungsweise bleibt vom Abriss bedroht. Nachbarn reagieren empört, sehen den Milieuschutz für Uhlenhorst gefährdet. Nachdem die Eigentümer das Gebäude vor drei Jahren für einen viergeschossigen Neubau abreißen lassen wollten und dafür eine Baugenehmigung vom Bezirksamt Nord erhielten (das Wochenblatt berichtete), verkauften sie die Villa kürzlich an den Geschäftsführer eines Hamburger Autohauses.
Womöglich waren sie entnervt durch die beharrlichen juristischen Proteste der Anwohner und Berichte in der Presse. Denn Oberverwaltungsgericht, ein Denkmal-Gutachter und das Fachamt Stadt- und Landschaftsplanung im Bezirksamt Hamburg-Nord waren sich einig. Die beiden Villen Herbert-Weichmann-Straße 80 und 78, so die Überzeugung, bilden ein städtebaulich-historisch bedeutendes Ensemble, sind von der Erhaltungsverordnung geschützte Gebäude. Auch der zuständige Bauausschuss in Hamburg-Nord hatte sich gegen Abriss und Neubau ausgesprochen. Nun hat auch der neue Eigentümer einen Bauantrag gestellt – der dem des Vorbesitzers ziemlich nahe kommt.

Nur drei Geschosse – aber dafür höher


Der neue Besitzer will zwar nur drei Vollgeschosse bauen lassen. Aber mit einem großen Staffelgeschoss und Dachterrasse sowie sehr hohem Keller, der „größtenteils über Normalnull“ liegt, wie das Nachbars-Ehepaar Claudia Stapel-Schulz und Florian Schulz, nach Akteneinsicht zu berichten weiß. Beide sind studierte Juristen.
„Das von dem neuen Eigentümer beantragte Gebäude wäre um eineinhalb Meter höher als der Entwurf des Vorbesitzers, obwohl es nur drei Vollgeschosse haben soll“, erzählt Claudia Stapel-Schulz, die nur durch Zufall von dem neuen Bauantrag erfuhr.
Nachbarn seien wie beim vorigen Bauantrag nicht über die neue Bauabsicht informiert worden. Der Neubau solle neben fünf Wohnungen, der Dachterrasse und einer Tiefgarage auch ein Kino und ein Schwimmbad erhalten, so Stapel-Schulz. Weil das nun geplante Gebäude im Wesentlichen den Plänen des Vorbesitzers entspricht, seien die Beurteilungen von Gericht, Denkmal-Gutacher und bezirklichen Stadtplänern auch auf den neuen Entwurf anzuwenden. Da der Neubau weiter in die Tiefe gebaut werden soll als die jetzige Villa, ist auch die Fällung von Bäumen hinter dem Haus beabsichtigt. Die Bäume stehen aber auf dem Nachbargrundstück Nr. 78, das an Nr. 80 vorbei zu dem Rest eines früheren Kanals verläuft. „Diese Genehmigung werden wir nicht erteilen“, sagt Claudia Stapel-Schulz. Sie und ihr Mann sind fest entschlossen, auch gegen den neuen Bauantrag vorzugehen, wie bereits gegen den vorigen, falls nötig, auch bis zum Bundesverwaltungsgericht. Der neue Besitzer der Uhlenhorster Villa wollte auf Nachfrage des Hamburger Wochenblattes keine Stellungnahme abgeben.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige