Obdach für Flüchtlinge

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In der kleinen Kapelle sorgen Kerzen und gedämpftes Licht für eine friedliche Atmosphäre Foto: sos

Das Ökumenische Forum bietet Schlafplätze. Jetzt zieht ein Syrer ins Mehrgenerationenhaus

Hafencity Die Not ist groß und warme Schlafplätze für die sogenannten Transitflüchtlinge am Hauptbahnhof nach wie vor rar. Vor allem Familien suchen einen Ort, an dem sie abseits der Massenunterkünfte zur Ruhe kommen können. Seit Oktober bietet das Ökumenische Forum in der Shanghaiallee ein wenig Privatsphäre und stellt in der Kapelle insgesamt 45 Schlafplätze sowie Essen und Getränke bereit. Die Entscheidung zu helfen, fiel Pastorin Corinna Schmidt nicht schwer: „Als vom Hauptbahnhof der Hilferuf kam, haben wir nicht lange gezögert und unser Bethaus sofort aufgemacht.“ Sie koordiniert das Hilfsprojekt, und mittlerweile kümmern sich jeden Sonnabend mindestens 35 Freiwillige ab 21 Uhr um die Neuankömmlinge. Die Helfer holen sie vom Bahnhof ab, kochen Essen, servieren Tee und übernehmen die Nachtschicht.

„Für viele Helfer ist unser Projekt eine Möglichkeit, sich aus der Ohnmacht zu befreien, nichts tun zu können. Hier können sie aktiv werden und mitgestalten.“ Pastorin Corinna Schmidt

Wer will, kann dank flexibler Einsatz-Pläne auch nur für anderthalb Stunden mitarbeiten. Zu den Freiwilligen gehören vor allem die Bewohner der ökumenischen Hausgemeinschaft sowie Nachbarn aus der Hafencity. Sie spenden ihre Zeit, Matratzen, Bettwäsche oder Spielzeug für die Kinder, während ein Großteil der Lebensmittel aus der Spendenaktion „Eine Nacht essen und schlafen“ von Edeka Böcker stammt. „Für viele Helfer ist unser Projekt eine Möglichkeit, sich aus der Ohnmacht zu befreien, nichts tun zu können. Hier können sie aktiv werden und mitgestalten“, sagt Schmidt. Eine dieser Helferinnen ist Sylvia Wolter. Die 60-Jährige lebt ebenso wie die Pastorin im Wohnhaus mit der Nummer 12 und arbeitet jeden Sonnabend als anleitende Köchin in der Kapelle mit. „Es ist schön, endlich etwas Praktisches für die geflüchteten Menschen zu tun“, sagt sie. Wie kann man geflüchteten Menschen in Hamburg längerfristig helfen und ihnen begegnen? Diese Frage steht im Ökumenischen Forum ganz weit vorn. Das Übernachtungsangebot ist vorerst bis Weihnachten geplant, soll aber nach Absprache ab 17. Dezember als Winternotprogramm bis kurz vor Ostern verlängert werden. Sicher ist: in wenigen Tagen zieht erstmals ein 22-jähriger syrischer Migrant in die Hausgemeinschaft ein. Im Mehrgenerationen-Haus leben 45 Menschen – auf Salim freuen sie sich sehr. „Er wird unser Miteinander bereichern und bunter machen“, sagt Bewohnerin Wolter. Begleitet wird Salim von drei Paten der internen „Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge“. „Er hat auf seiner Reise leider viel Schreckliches erlebt und Gewalt erfahren. Nun hoffen wir, dass er sich einlebt und zur Ruhe kommt“, betont Schmidt. (sos)

Spenden gesucht:
Das Ökumenische Forum braucht finanzielle Unterstützung um Bettwäsche reinigen zu lassen. Benötigt werden außerdem 20 neue Klappmatratzen. Kontakt: Telefon: 040-36 90 02 – 780 oder Email: info@oefh.de
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