Per Harley durch China

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Wissen, wo’s lang geht: Auf den Tank dieser Harley Davidson wurde schon mal die Strecke geschrieben Foto: Gehm
 
Bereit zur Verladung: Björn und seine Kult-Harley Foto: Gehm

Nobel-Motorräder als Spezial-Fracht in der HafenCity

Von Dagmar Gehm
HafenCity
Gurte werden festgezurrt, Gabelstapler hieven Frachtgut von A nach B, Männer in leuchtenden Schutzwesten sagen, wo es lang geht. So weit so normal für die Lagerhalle Überseezentrum. Doch heute ist alles ein bisschen anders: Die Fracht, die Männer, die Stimmung. Heute geht es um eine besonders sensible Verladung, um Maschinen, an denen Emotionen hängen und hundert Erinnerungen. Die nach Überzeung ihrer Besitzer eine Seele haben, die Streicheleinheiten erfährt. Besonders jetzt, zum Abschied. Vor einer gut achtwöchigen Trennung.

Aufregende Tour entlang der Ostküste Chinas


14 Harley-Davidson-Motorräder werden vorbereitet für ihre lange Seereise vom Hamburger Hafen nach Shanghai. 13 Biker, eine Bikerin und vier Sozia werden ihren Bikes am 12. Oktober dann per Flugzeug folgen, zu einer aufregenden Tour entlang der Ostküste Chinas. „East Coast Blues“ heißt die 16-tägige Fahrt, die als Pionierreise von einem Hamburger Veranstalter organisiert wird. Auf das spannende Abenteuer lassen sich Angehörige des Breitenfelde Chapters ein, mit rund 200 Mitgliedern das drittgrößte Harley-Davidson Chapter (so werden regionale Motorradklubs genannt) Deutschlands. Zwischen 200 bis 300 Kilometer täglich werden sie auf ihren Bikes zurücklegen, 2.200 km insgesamt. Die Teilnehmer wissen, worauf sie sich einlassen, denn China Tours kann auf langjährige Erfahrung mit Oldtimer Rallyes in China zurückblicken.

Chinesischer Führerschein


Trotzdem – am Anfang steht reichlich Behördenkram. Activities Officer des Chapter Breitenfelde, Rudi Kentzler - auf der Chinatour auch als Road Captain im Einsatz: „Nach Ankunft müssen die Harleys erst durch den Zoll und den chinesischen TÜV. Selbst ein Führerschein wird neu beantragt. Wenn dann die Zulassungsstelle in Shanghai nach zwei Tagen die chinesischen Kennzeichen vergibt, geht es an den Start.“ Gebirge und Flüsse werden sie überqueren, Höhepunkte wie die Große Mauer, das Wasserdorf Zhujiajiao, die Konfuziusstadt Qufu und den heiligen Berg Tai Shan bestaunen, die alte Kaiserstadt in Peking besuchen. Ein Begleitfahrzeug befördert das Gepäck, und in Qingdao wird das deutsche von einem chinesischen Harley-Davidson Chapter eskortiert.

Harleys auf großer Seereise


Doch bis dahin steht den Harleys noch eine Seereise um die halbe Welt bevor. Auf Hochglanz gewienert und von den letzten Hamburger Regentropfen befreit, werden unter Aufsicht von Spediteur Olaf J. Kleinknecht die schweren Maschinen fest vertäut und durch Ballons getrennt, quasi in Watte gepackt, in den Container gestellt, der ein paar Tage später auf das Containerschiff MS Maersk Emma verfrachtet wird. Man hat die teuren Bikes einer Spedition anvertraut, die auf 17 Jahre Erfahrung mit Motorrädern zurückblicken kann. Wie von der Firma verlangt, waren die Harleys mit dem letzten Tropfen Benzin zum Überseezentrum gerollt, wurden die Batterien abgeklemmt und die Alarmanlage ausgeschaltet. Neues Leben wird ihnen erst in Shanghai wieder eingehaucht.
Der Weg ist das Ziel, sagt der chinesische Lehrmeister Konfuzius. Für manchen, der den Weg durch das Reich der Mitte per Harley zurücklegt, bedeutet er auf jeden Fall das Ziel seiner Träume.
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