Plastikdeckel und Co. verseuchen die Elbe

Anzeige
Aldebaran-Crew: Frank Schweikert, Prof. Gesine Witt und Student Moritz Kielmann mit HAW-Präsident Prof. Dr. Claus-Dieter Wacker (v.l.) Foto: Haas

HAW-Forschungsprojekt findet hohe Schadstoffbelastung in Gewässern

HafenCity/St. Georg Plastikmüll wird immer mehr zum globalen Problem. Umweltbewusste versuchen wo es geht, auf Plastik zu verzichten, sei es die Plastiktüte beim Einkauf oder der Coffee to go-Becher mit Plastikdeckel. Und dennoch kommen wir immer wieder in Kontakt mit den giftigen Schadstoffen. Die Belastung durch die Plastik-Giftcocktails im Schlick von Elbe, Weser und Trave sind sogar höher als angenommen, zu diesem alarmierenden Ergebniss kommt Prof. Dr. Gesine Witt von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) nach Expeditionen mit ihrem Forschung-Team. Mikroplastik binde deutlich mehr Schad- und Giftstoffe als vermutet. Die winzigen Kunststoffpartikel seien um das Drei- bis Vierfache stärker belastet. „Die größte Belastung haben wir nahe der Kläranlage Lübeck gemessen“, erklärte die Professorin für Umweltchemie bei einem Empfang am Schiffsanleger des maritimen Museums vor dem Forschungsschiff Aldebaran. Rund 2000 Kilometer, 1.025 Seemeilen, hatte das Team um Prof. Witt 2015 auf der Aldebaran zurückgelegt, an Bord kooperierte der Käpt’n und Diplom-Biologe Frank Schweikert. Auf zwei Expeditionen untersuchte die Crew die Kontamination im Sediment von Elbe, Weser, Trave, der Boddengewässer und der Nord- und Ostsee. Mithilfe von Fotos per Satellit, Spezialnetzen und 50 Schadstoffsammlern wurden Proben genommen und anschließend im HAW-Labor ausgewertet. „Jetzt wissen wir nicht nur, wie hoch die Konzentration von Schadstoffen im Mikroplastik tatsächlich ist sondern auch, wo genau sie sich im Gewässer oder im Sediment aufhalten“. Dass die Mini-Plastikteile auf ihrer Reise ins Meer wahre Giftcocktails an sich binden, sei besonders brisant, weil diese Giftcocktails auch in die menschliche Nahrungskette gelangen: über kontaminierte Muscheln und Fisch. Über Schifffahrt, Fischerei und Abfälle gelange der Plastikmüll ins Meer. Mini-Plastikpartikel finden sich heute in vielen Duschgels, Shampoos und Peelings. Verbraucher könnten mit Mikroplastik versetzte Produkte meiden, die etwa auf einer BUND-Liste indiziert seien. Ansonsten bedürfe es großer Sachkenntnis und einer Lupe, um die Inhaltsangaben auf Tuben und Flaschen zu studieren, sagt Prof. Witt. Frank Schweikert präsentiert indessen seine Initiative gegen Plastikmüll in Gewässern: Er möchte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Behörden zur Erweiterung seines Netzwerks GlobalGreen InnoTech gewinnen: „Das Problem Plastikmüll muss in erster Linie an Land gelöst werden“, so Schweikert. (wh)
Anzeige
Anzeige
2 Kommentare
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 12.08.2016 | 12:00  
1.240
Elke Noack aus Rahlstedt | 15.08.2016 | 08:52  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige