Retter seit 60 Jahren

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Ehrung anlässlich des 60-jährigen ehrenamtlichen Jubiläums in der Kirche St. Jacobi: Olaf Bien (v.li.), Vorstand Regionalverband Hamburg, Sandra Walter, der Jubilar Dirk Walter sowie Dr. Thomas Seiffert, ehrenamtlicher VorstandFotos: Schlichtmann
 
Dirk Walter als junger Johanniter-Helfer 1959 demonstriert den Einsatz der Trage vor hochrangigen Gästen

Johanniter ehrten ihr Mitglied Dirk Walter

Von Klaus Schlichtmann
Hamburg. Er trägt mehr als ein halbes Dutzend Orden und Auszeichnungen an seinem grauen „Dienstjackett“ - das Bundesverdienstkreuz, das Goldene Leistungsabzeichen, Ehren- und Rechtsritter-Embleme. Doch eine Auszeichnung fehlt noch an seinem Revers - weil es sie noch gar nicht gibt: Unglaublich: Dirk Walter (74) ist seit 60 Jahren ehrenamtlich für die Johanniter-Unfallhilfe im Einsatz - und damit das dienstälteste Mitglied Deutschlands in diesem christlichen Wohlfahrtsverband.
Aus diesem einmaligen Anlass wurde Dirk Walter jetzt im Rahmen eines Festgottesdienstes in der St. Jacobi-Kirche für sein jahrzehntelanges Engagement geehrt. Als kleines Dankeschön überreichten ihm Vorstandskollegen ihm und seiner Frau Sandra einen Reisegutschein: „Zehn Tage Israel, am Freitag geht‘s schon los!“, freut sich der Senior-Johanniter auf die Reise.
Begonnen hatte alles 1953 mit einem Erste-Hilfe-Kursus bei den christlichen Pfadfindern. Der damals 15jährige Dirk Walter war sofort begeistert von den Johannitern, vom Helfen, von den Aktivitäten in der Gemeinschaft. Seitdem engagiert sich der gelernte Betriebsschlosser und bis vor wenigen Jahren Mit-Inhaber einer Seifen-Fabrik in dieser caritativen Organisation. Er war Mitglied des Johanniter-Präsidiums, Bundesdatenschutzbeauftragter, Bundesrechnungsprüfer. Nach seinem Ausscheiden aus dem Familien-Unternehmen übernahm Walter das Amt des Ehrenamtsbeauftragten im Regionalverband Hamburg. „Da gilt es manchmal auch, kleine Streitereien und Querelen zu schlichten, Probleme in der gemeinsamen Arbeit auszuräumen“, erklärt Dirk Walter. Wegen seiner Erfahrung und der ausgeglichenen Art ist er der richtige Mann auch für solche Aufgaben. Seine Mutter war Krankenschwester - vielleicht auch das ein Grund für sein humanitäres Engagement.

Hunderte ausgebildet

Als Helfer hat Dirk Walter seit den 50er-Jahren Hunderte junger Menschen in Erster Hilfe ausgebildet. Auch im Sanitäts- und Pflegedienst war er als junger Mann an den Wochenenden unermüdlich im Einsatz - auf einem damals so genannten Unfallwagen der Feuerwehr, im Hafen, in der Innenstadt und auf St. Pauli. „Damals gab es häufig Schlägereien in den Kneipen, regelrechte Straßenschlachten, da gab‘s gut zu tun“, erinnert sich der agile Johanniter. „Nur gut, dass es früher im Opel-Blitz doppelstöckige Liegebetten gab, so konnten gleich zwei Verletzte abtransportiert werden.“
Auch in den Werften gab es immer wieder mal schwere Verletzungen beim Be- und Entladen der Schiffe oder beim Umgang mit den großen Maschinen. „Ein bisschen umständlich - durch den alten Elbtunnel über die Autofahrstühle - haben wir die Verletzten dann ins Hafenkrankenhaus transportiert“. Improvisation gehörte damals zum Alltag.

Zum Einsatz per Bahn

„Zu unseren Sanitätseinsätzen im Volkspark-Stadion sind wir damals mit der S- oder Straßenbahn gefahren - in voller Montur: Sandfarbene Uniform, lederne Sanitätstaschen und die Eisentrage mit Wolldecken im Gepäck“, erinnert sich Walter. Auch die Autobahn am Horster Dreieck war seinerzeit an den Wochenenden ein Einsatz-Schwerpunkt: „Wenn wir von der Polizei über Funk den Code „Unfall mit Verletzten“ hörten, haben wir uns sofort auf den Weg gemacht!“
Heute ist aus diesen einfachen Anfängen bei den Johannitern eine moderne, effiziente Hilfsorganisation mit mehr als 800 ehrenamtlichen Helfern im Großraum Hamburg geworden, und Dirk Walter hat einen großen Teil zu dieser Entwicklung beigetragen.
„Das habe ich auch meiner Frau zu verdanken, ohne ihr Verständnis hätte ich mich nicht so stark für die Johanniter einsetzen können“, sagt Dirk Walter. Ans Aufhören denkt er übrigens noch lange nicht und schmunzelt: „Vielleicht schaffe ich ja noch mein 70-jähriges Ehrenamts-Jubiläum.“

Johanniter-Hilfsgeinschaft Hamburg, Helbingstraße 47, 22047 Hamburg, Tel.: 040 5054-460, 9-14 Uhr
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