Schlafplätze im Continer

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Andrea Hniopek von der Caritas und Harald Ansen von der HAW unterstützen die obdachlosen Frauen täglich.Foto: Grell

Hier können obdachlose Frauen unterkommen

St. Georg. Direkt vor der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in der Wallstraße steht ein halbes Duzend Container für obdachlose Frauen, die zum Winternotprogramm der Stadt gehören. Die Plätze sind alle schon am ersten Tag vor einer Woche vergeben worden. Wer jetzt kommt, ist zu spät dran und landet wieder auf der Straße, obwohl der Senat jedem Obdachlosen für den Winter ein Dach über dem Kopf versprochen hat.
Nieselregen über St. Georg, der Himmel verspricht an diesem Morgen keine Sonne mehr. Vor dem mächtigen Gebäude der HAW sehen die aschgrauen Container mit verschlossenen Fensterjalousien noch ein wenig kleiner aus, als sie soundso schon sind. In ihren wenigen Quadratmetern Innenraum leben zwei Frauen auf jeweils einer Hälfte des Containers. Wohnen, das sieht bei Weitem anders aus. Ein roter Kabelanschluss, der für etwas Licht im Innenraum sorgt, ist der einzige Luxus, der hier ankommt. Für Verpflegung, Körperpflegemittel und Kleidung sorgen die Frauen selber.
Leben auf der Straße
„Es fehlt uns an allen Ecken“, ist das Erste, was Andrea Hniopek von der Wohnungslosenhilfe der Caritas betont. Wer einen Blick in den Container wirft, der weiß, was ein Winter hier bedeutet. Ein Bett auf der einen Seite, ein winziger Schrank, ein Stuhl und schon ist der Platz absolut ausgeschöpft. Wer einen Koffer mitgebracht hat, schiebt diesen samt Inhalt unter das Bett, um Raum einzusparen, wer noch andere Sachen mitbringt, kann diese in einem Lager-Container unterbringen, bis er für sein Leben eine neue Lösung gefunden hat. „Die wenigsten schaffen es aus der Obdachlosigkeit zurück in einen neuen Alltag“, wissen allerdings die Mitarbeiter der Caritas, die ihre obdachlosen Frauen zusammen mit Studenten der HAW betreuen. Das Leben auf der Straße, das führe in einen Teufelskreis, aus dem viele nicht wieder ausbrechen könnten- ohne Hilfe schon gar nicht. In die Obdachlosigkeit dagegen rutsche man relativ schnell und das gelte auch für die, die aus einem geregelten Arbeitsleben kämen. Oft gehe als erster Schritt die Trennung von dem Partner voraus und der Verlust der gemeinsam bewohnten Wohnung. Wer dann aufgrund von Belastungen auch noch am Arbeitsplatz versage und diesen verliert, der stehe schon bald ohne Unterkunft da.
Viele Frauen mit Kindern
Ohne Wohnung keine Arbeit, ohne Arbeit kein Konto, ohne Konto keine Wohnung. Während am Anfang noch Freunde bereit sind, die Hilfesuchenden für ein paar Tage bei sich aufzunehmen, fällt auch diese Möglichkeit irgendwann weg und die erste Nacht auf der Straße ist vorprogrammiert. „Viele der Frauen leiden unter psychischen Problemen und müssten eigentlich anderweitig untergebracht und professionell betreut werden“, weiß Andrea Hniopek, doch es fehle an Plätzen. In dieser Woche musste das Team schon zum zweiten Mal eine verwirre Frau aufnehmen, die noch vor Kurzen am Hauptbahnhof lebte, wo jetzt keine Bettler und Obdachlose mehr geduldet werden. „Frauen sind meist psychisch hochgradig belastet“, beobachtet die Sozialarbeiterin, während Männer oft in die Alkoholabhängigkeit fallen. Viele der Frauen, die in der Wallstraße in den Containern leben, haben Kinder, kleine Kinder sogar, manche bis zu sieben Stück, die alle in Pflegefamilien und Wohngruppen untergebracht worden sind. Räume für obdachlose Frauen mit Kindern gibt es nur wenige in Hamburg. (kg)
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