Sollen hier Mieter vertrieben werden?

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Das Haus Danziger Straße 44 Foto: Grell

Bewohner in der Danziger Straße 44: „Nerven liegen blank“. Anwalt erklärt Kündigungen mit Eigenbedarf

St. Georg Immer wieder gehen die St. Georger auf die Straße, wenn es um das Thema Gentrifizierung ihres Stadtteils geht. Eines der zurzeit am meisten diskutierten Häuser steht in der Danziger Straße 44. Ein vierstöckiges Gebäude, das vor zwei Jahren verkauft wurde und in dem die Mieter seither Ungereimtheiten beklagen.
„Nach der Übernahme des Wohnobjektes durch die Familie Ludewig begann der Albtraum“, sagt Jana Topp, die seit Jahren dort in der unteren Etage wohnt. So seien „dubiose Kündigungen“ ins Haus geflattert. Die aktuellen Mieter vermuten: Aus den kleinen Wohnungen sollen große Hochpreisige gemacht werden, um „dann auch ein anderes Klientel, als wir es sind, in die Wohnungen zu bekommen“, nimmt Topp an. Der Lübecker Rechtsanwalt Gerrit Koch, der die Eigentümer vertritt, erklärt hingegen, zwei der Wohnungen seien „aufgrund von Eigenbedarf“ angefordert worden.

Anwalt: Gekündigt wegen Eigenbedarfs


Doch nach diesen Kündigungen ging es in Haus Nummer 44 noch einen Schritt weiter, berichten die Mieter: Einschränkungen von Heizung und Wasser, eine ungesicherte Baustelle und verzögerte Reparaturen technischer Defekten im Haus stehen zum Beispiel auf der Liste, und Jana Topp sagt: „Die Nerven liegen blank.“
Der jüngste Zwischenfall im Gebäude hat nun dazu geführt, dass ein Eilantrag an den Bezirk Mitte gestellt wurde, der sich so schnell wie möglich um die Missstände im Haus kümmern soll: Mitten in der Heizperiode wurden plötzlich die Schornsteine zurückgebaut. Mieter Lars Klewe bemerkte den Vorgang, alarmierte den Schornsteinfeger und das Bezirksamt. Nur so konnte der komplette Abriss gestoppt werden. Das Resultat: In zwei Wohnungen wurden erhöhte CO2-Werte gemessen und die Heizungsanlagen deshalb vorläufig stillgelegt. Allerdings dementiert Anwalt Gerrit Koch auch diesen Vorfall. Der Schornstein sei beschädigt und deshalb repariert worden, zu keiner Zeit hätten die Mieter nicht heizen können.Auch die Aussage von Mietern, dass Räume vom Schimmel befallen seien, wies Koch zurück. Lediglich in einer der Wohnungen sei Schimmel aufgetreten, was an der fehlenden Gas-Therme gelegen habe, die der Mieter nicht bezahlt habe.

Seit über 40 Jahren in dem Haus


Jana Topp bedauert, dass bereits ein Drittel der Mieter „dem Nervenkrieg nicht standhalten“ konnte und weggezogen sei. Die restlichen Mieter sind allerdings fest entschlossen zu bleiben und wollen sich nicht aus dem Viertel vertreiben zu lassen. „Viele leben hier seit über 40 Jahren im Haus“.
Aus dem Einwohnerverein verlautet, die Danziger Straße 44 sei nur eines von vielen Beispielen, und so einiges laufe falsch im Viertel rund um den Hamburger Hauptbahnhof. Das sei in den vergangenen Jahren zu einem Trend-Wohnort geworden und stehe somit im Fokus der Immobilienunternehmen. (kg)
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1 Kommentar
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Kai Debus aus Alsterdorf | 08.04.2015 | 13:27  
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