Umstrittene Kunstaktion in St. Georg

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Künstlerin Meret Steen will mit ihrem Aufruf „Frei sein“ einen Denkanstoß geben und Passanten ins Gespräch bringen und hat mit dieser Aktion unterschiedlichste Reaktionen ausgelöst Foto: Grell

Lange Reihe: An der Arbeit von Meret Steen scheiden sich die Geister 

Von Karen Grell
St. Georg
Seit knapp einem Jahr stößt man überall in der Langen Reihe auf den Slogan „Frei sein“, den Meret Steen mit bunter Kreide auf das Pflaster malt. Mit diesem Projekt ist die Künstlerin im Alleingang unterwegs, will dadurch mit den Menschen ins Gespräch kommen und zum Nachdenken anregen. Bei jedem Regenguss sind die zwei Worte, die einen ganzen Stadtteil zur Diskussion angeregt haben, wieder verschwunden, mit Füßen verwischt, mit neuen Sprüchen kommentiert oder einfach ignoriert. Oft dauert es dann nicht lange, bis Meret Steen sich wieder auf den Weg macht und unermüdlich mit ihrer Straßenkunst weitermacht. In den letzten Wochen hat sich die Aufmerksamkeit auf die heiß umstrittene Freiheit im Viertel noch einmal verschärft. Während die ersten bereits den Slogan als Profilbild auf ihrer Facebook-Seite nutzen und Geschäfte in der Langen Reihe ihn sogar als Foto verkaufen, sind andere genervt und würden der Kunst gern die bisherige Freiheit nehmen. „Ich möchte einfach kleine Denkanstöße geben“, hatte Meret Steen vor einem Jahr zu Beginn ihrer Aktion gesagt und war gespannt auf die Reaktionen aus dem Stadtteil. „Ich hab diese Aktion langsam satt“, meint Mathias vom Hundeshop in der Schmilinskystraße. Nachdem er den Spruch direkt vor seiner Ladentür mit einem Eimer Wasser weggespült hatte, sei die Künstlerin kurz darauf gleich wieder tätig geworden: „Es hat irgendwie mit Freiheit nichts mehr zu tun, erscheint mir fast schon wie ein Zwang.“

Ziel erreicht


Anja, die gerade aus Chile in Hamburg zu Besuch ist, findet die Aktion super. „Es schadet ja keinem, weil es nur mit Kreide gemalt wurde“, so die Speditionskauffrau. Wer es nicht sehen wolle, der könne doch einfach vorbeigehen. Dass sich einige der Passanten gerade von einem Aufruf zur Freiheit gestört fühlen, kann die 19-Jährige nicht verstehen. Gustav, der seit Jahren in der Langen Reihe das Straßenmagazin Hinz & Kunzt verkauft, sieht die Aktion gelassener. Verstehen kann er die Absicht der Künstlerin nicht, denn in Hamburg sei doch jeder schon frei genug in seinem Handeln, aber Kritik üben wolle er auf gar keinem Fall. „Jeder soll das machen, was er für richtig hält und es schadet ja niemandem“. Das Ziel, ein ganzes Viertel ins Gespräch zu bringen, hat Meret Steen erreicht.
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2 Kommentare
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Gitta Schulz aus Hohenfelde | 21.01.2016 | 14:46  
400
Rainer Stelling aus St. Georg | 22.01.2016 | 00:16  
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