Vom Ende vieler kleiner Geschäfte

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Mit einem Solidaritätsbuch steht Merit Stehen meist zwischen 16 und 18 Uhr vor der Buchhandlung Wohlers, die zum Symbol für die vielen Ladenschließungen und die drastischen Mietpreiserhöhungen im Viertel geworden ist. Fotos: kg

Ein Buch voller Stimmen

St. Georg. So langsam hat es sich in ganz Hamburg herumgesprochen, dass in St. Georg die kleinen alten Geschäfte nach und nach schließen müssen.
Aus allen Stadtteilen kamen Käufer zum legendären Kräuterladen, als dieser vor dem Aus stand. Aktuell ist es die Buchhandlung Wohlers, die zum Ende des Jahres zu machen muss. Doch auch andere kleine Geschäfte bangen um ihre Existenz, denn „Der Mietenwahnsinn geht weiter“, wissen auch die Mitglieder des Einwohnervereins, die sich seit Monaten für den Erhalt der Buchhandlung engagieren.

Solidaritätsbuch


Mit einem Solidaritätsbuch steht jetzt Merit Steen, die seit sieben Jahren im Viertel wohnt, regelmäßig vor dem Eingang des Buchladens, um Stimmen zu sammeln für Wohlers und gegen Frank Jendrusch, der als Vermieter des Geschäftes auf eine Mieterhöhung von 1400 auf 4200 Euro besteht. Merit bezeichnet sich selber als freie Aktivistin, die keiner Organisation des Stadtteils angehört, und ganz einfach an den alteingesessenen Geschäften festhalten möchte. „Wohlers muss bleiben“, meint sie und zitiert damit viele andere Anwohner des Stadtteils „und die kleinen Läden mit Persönlichkeit, ohne die verliert das Viertel seinen Charakter.“ Mit Straßenkreide schreibt Merit den großen Wunsch vieler nach Erhalt der Geschäfte auf den Gehweg im Buch sammelt sie die Stimmen der Passanten zum befürchteten Untergang des Kleingewerbes auf der Langen Reihe. „Wir haben schon genug große Ketten in der Innenstadt“, meinen die Anwohner, die gar nicht glauben können, dass nun auch Hamburgs Traditionshaus 1000 Töpfe dicht machen soll. Mit einem kleinen Fotofachgeschäft ganz am Ende der Langen Reihe war es das letzte Unternehmen, das nach der Schließung des großen Haushaltswarenladens gleich gegenüber übrig geblieben war.

„Das Internet macht die kleinen Geschäfte kaputt“, meint ein St. Georger, der sich zwar auch im Netz informiert, aber dann direkt im Laden kauft. Das Ende der kleinen Unternehmen in der Langen Reihe, das mit der Buchhandlung Wohlers und anderen begann, könnte so weitergehen, wenn die drastischen Mieterhöhungen kein Ende finden. Mit einer Unterschriftenaktion, bei der 2000 Stück zusammenkamen, fing der Protest vor Wochen an, mit dem Solidaritätsbuch geht es weiter und das meist zwischen 16 und 18 Uhr direkt vor dem Laden. Es sind schon einige kleine Geschichten ins Buch geschrieben worden von Menschen, die den Buchladen seit Jahren kennen und die nicht einsehen, warum sich ein Stadtteil zugunsten anderer entwickeln soll und nicht in erster Linie im Sinne der Menschen, die dort leben. (kg)
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