Wer kann das noch bezahlen?

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Über 100 Gäste waren bei der Podiumsdiskussion zum Mietenspiegel in St. Georg zu Gast. Es wurde sich rege ausgetauscht Foto: Grell

Diskussion zu Mieten in St. Georg

Von Karen Grell
St. Georg
Wieder einmal gibt es Proteste in St. Georg, denn die Bewohner der Koppel und einigen anderen Straßen sind überhaupt nicht begeistert vom neuen Mietenspiegel aus dem November 2015. Mehrere Straßenzüge in St. Georg wurden von „normaler Wohnlage“ in „gute Wohnlage“ eingestuft. Damit verbunden sind meist extreme Mieterhöhungen, obwohl sich für die Anwohner kein spürbarer Wandel in der Lebensqualität vollzieht. „Die Umwandlung bleibt für die meisten Mieter völlig unverständlich, denn eine qualitative Verbesserung ihres Umfeldes hat es ganz offensichtlich nicht gegeben“, erläutert Michael Joho, der Vorsitzende vom Einwohnerverein St. Georg die Lage vor Ort. Aufgrund der brisanten Situation veranstaltete der Verein deshalb ein Diskussionspodium, zu dem über einhundert Teilnehmer kamen. Viele von ihnen Betroffene, die langsam nicht mehr wissen, „wie wir die durch die neue Einstufung resultierenden Mieten noch bezahlen sollen“. Schon in den vergangenen zwei Jahren sei mit über sechs Prozent die höchste Steigerungsrate der letzten Jahre erreicht worden, so Joho. Je nach Alter der Wohnbebauung, Wohnungsfläche und Ausstattung seien mindestens 50 bis 100 Euro mehr Miete zu erwarten. Betroffen sind die Straßenzüge Koppel 1 bis 33 und 4 bis 40, die gesamte St. Georgstraße, die Rautenbergstraße und der Holzdamm. Ein kompliziertes Berechnungssystem, das für viele schwer nachvollziehbar ist, zeichnet die Faktoren auf, die für den Wandel vom normalen zum guten Wohnen verantwortlich ist. Die Bodenrichtwerte, die den Wert für Grund- und Bodenpreise ausmacht, werden dabei maßgeblich für die Einstufung hinzugezogen. Daneben sind Werte zur Lärmbelastung, die Nähe zu öffentlichen Verkehrsmitteln, Bäume und Grünflächen ein Faktor für die Berechnungsgrundlage. Schon die Ansiedlung von mehr Eigentumswohnungen kann somit für die Steigerung der Grundstücks- und Hauspreise sorgen, so Joho.
Bereits vor ein paar Jahren hatte die Umwandlung der normalen Wohnlage in eine bessere Kategorie für erhebliche Proteste im Viertel gesorgt. Die Mieter wehrten sich damals und das Landgericht entschied die Rückstufung. Somit ist St. Georg nun zum zweiten Mal betroffen und trotz immer mehr Lärms, keiner Neupflanzungen von Bäumen und dem gleichen Abstand zum Hauptbahnhof, soll sich die Wohnlage nun erheblich gebessert haben, wundern sich die Mieter.
Nele Dröscher, Referatsleiterin der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen, erklärt die erneute Umwandlung: „Wenn wir eine Eingabe von einem Vermieter bekommen, der die normale Wohnlage in Frage stellt, werden wir tätig und überprüfen den Sektor neu.“ Für den betroffenen Bereich sei die Behörde eigentlich schon immer von einer guten Wohnlage ausgegangen. Mietrechtsexpertin Sabine Weis vermutet allerdings, dass bei erneuten Klagen von Seiten der Mieter wieder eine Abstufung erzielt wird.
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2 Kommentare
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Rainer Stelling aus St. Georg | 26.02.2016 | 17:05  
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Elke Noack aus Rahlstedt | 27.02.2016 | 19:29  
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