WG für Demenzkranke in St. Georg

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Nina Gust (v.l.), Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, Heino Sartur, Sprecher der Einrichtung, Teamleiterin Heike Schulz, Johannes Jörn, Leiter der Amalie Sieveking-Stiftung und Mechthild Kränzin, Vorstand der Hanann-Stiftung, beim Jubiläumsfest Foto: Grell

Die Amalie Sieveking-Stiftung betreibt seit zehn Jahren ein ganz spezielles Wohnkonzept

St. Georg Der Aufenthaltsraum in der Wohngemeinschaft der Brennerstraße 77 ist hell erleuchtet, die Tische sind festlich gedeckt und es wird Musik gemacht, denn an diesem Tag besteht die WG in der Amalie Sieveking-Stiftung bereits seit zehn Jahren. Eine WG, die etwas ganz Besonderes ist, denn hier werden insgesamt sieben Menschen, die an Demenz erkrankt sind, betreut und liebevoll umsorgt. „Das kann ein klassisches Pflegeheim gar nicht leisten“, weiß Andrea Junge, deren Mutter Waldtraud hier einen Platz bekommen konnte. „Auf sieben Bewohner kommen mindestens drei Pfleger, die sich so rührend um die Mitbewohner kümmern, dass ich meine Mutter immer beruhigt hier zurücklassen kann“. Das war nicht immer so, denn noch bis vor einem Jahr war Waldtraud Meyer in einem anderen Seniorenheim untergebracht, in dem der Personalschlüssel viel kleiner und damit auch die Möglichkeit der intensiven Betreuung entsprechend geringer war. In der Brennerstraße leben die Demenzerkrankten, wie in einer WG zusammen, erledigen gemeinsam Aufgaben unter Anleitung und nach ihren Möglichkeiten und sollen dadurch so lange es geht am Alltag teilnehmen können. „Vorher war meine Mutter so oft allein in ihrem Zimmer, da hatte ich nie ein gutes Gefühl“, erinnert sich Andrea Junge an die erste Zeit, in der ihre Mutter nicht mehr länger zuhause bei ihrem Mann leben konnte. Alles hatte damals ganz plötzlich begonnen. Die Pflege für einen an Demenz erkrankten Angehörigen zu übernehmen, „das schafft eigentlich keiner“, so Andrea Junge, die aus eigener Erfahrung spricht. „Die Menschen sind oft sehr unruhig, schreien auch mal und müssen immer wieder beruhigt werden“, das sei eine ganz schwierige Aufgabe, die in der Wohngemeinschaft wirklich vorbildlich gelöst werde. Die Stimmung beim Jubiläumsfest wirkt wohl auch deshalb so richtig harmonisch, es wird gesungen, sich gegenseitig zugewinkt und auch mal um einen Betreuer gestritten. Wer an Demenz erkrankt ist, hat oft nicht nur vieles vergessen, was in seinem Leben bisher passiert ist, sondern erkennt manches Mal weder die eigenen Angehörigen noch erinnert er sich an die gesellschaftlichen Normen, die ihm früher einmal so selbstverständlich erschienen. So werden auch die Reden der Stiftungsmitglieder an diesem feierlichen Nachmittag durch lautes Gähnen oder einen Kommentar zum leckeren Butterkuchen begleitet und ganz selbstverständlich zum Anlass genommen, endlich wieder zum nächsten Lied „In Hamburg sagt man Tschüss“ anzustimmen. Wenn bunte Tücher geschwenkt werden, die Gitarre erklingt und der heiße Kaffee in die Tassen fließt, dann sind die Bewohner der Amalie Sieveking Stiftung glücklich und nur darauf kommt es an. (kg)
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