Wo hört der Spaß auf?

Anzeige
Am 22.10. war für die 7. Klassen der Hahnheide-Schule "ganz anderer" Unterricht angesagt. Zunächst sahen sie im Forum ein Theaterstück der theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück um im Anschluss daran mit den Schauspielern darüber zu sprechen. Das Thema war brisant: es ging um sexuelle Gewalt unter Jugendlichen.
Hier handelt es sich um eine Thematik, mit der aktuellen Untersuchungen zufolge fast zwei Drittel der Mädchen und auch ein erheblicher Teil der Jungen eigene unliebsame Erfahrungen gemacht haben. Sexuelle Übergriffe im Freundeskreis, in der Clique, darüber spricht man doch nicht, das ist doch alles gar nicht wahr, gar nicht so schlimm, das war doch nie böse gemeint. So bleiben die Opfer oft allein und hilflos. Um dagegen ein Zeichen zu setzen, gibt es diese Theaterinitiative, die dank großzügiger Zuschüsse in diesem Jahr die Schüler der Hahnheide-Schule erreichte.
Und das Theaterstück beginnt sehr freundlich, lustig. Zwei Jungen und zwei Mädchen sprechen mit einander über ihre Wünsche, ihre Träume, ihre Sehnsüchte, ihre Ängste. Die Schauspieler nehmen kein Blatt vor den Mund und die offene, manchmal vulgäre Sprache erstaunt viele Schülerinnen und Schüler.
Das Stück entwickelt sich auf der Bühne weiter, es kommt wie es kommen muss, die Wege der beiden Mädchen kreuzen die Wege der beiden Jungen. Zwischen zweien "funkt" es sehr leise, sehr schüchtern, unbeholfen. Beide wissen nicht so recht, was sie wirklich wollen. Die anderen beiden zoffen sich zwar ständig und sind doch irgendwie voneinander fasziniert.
Im dramatischen Finale aber kommt es anders. Und als das Stück -scheinbar "mittendrin"- zu Ende ist, bemerken die Zuschauer es noch gar nicht, müssen zum Applaus aufgefordert werden, den sie dann auch gerne spenden.
Doch diese bewusst hervorgerufene Ratlosigkeit sollte die Schülerinnen und Schüler für die anschließenden Gesprächsrunden in den Workshops bereit machen. Wenn alle Fragen auf der Bühne geklärt werden, dann hat man ja keine eigene mehr. Und so setzten sich die 4 Schauspieler mit den Kindern in der darauffolgenden Doppelstunde zusammen und sprachen über das Stück, über die Fragen der Kinder zu der gesamten Thematik. Offen konnte alles angesprochen werden, die Lehrkräfte blieben absichtlich draußen, um mehr Offenheit zu ermöglichen. Ob eine fast fremde Person wirklich mehr Offenheit bewirkt, ist wohl Ansichtssache. Jedenfalls gab es als Rückmeldung doch einige Hinweise auf disziplinarische Probleme innerhalb der Workshops, aber auch viele positive Anmerkungen.
Ein kleines Heft für die Kinder fasst die Problematik zusammen und nennt die heutzutage unvermeidlichen Internetadressen für weitere Informationen.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige