Winterhuder Kirche schafft Raum der Begegnung

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Machen gemeinsam ein Mountainbike fahrtüchtig: David aus Eritrea (l.) und Derek Leach Foto: Flüß
 
Aaron aus Eritrea (l.) arbeitet regelmäßig mit Klaus Schepe in der Werkstatt Foto: Flüß
Hamburg: Winterhuder Weg 13 |

Flüchtlinge und Nachbarn reparieren in Heilandskirche gemeinsam Fahrräder

Von Miriam Flüß
Winterhude
Ölgeruch liegt in der Luft im Souterrain der Heilandskirche. Von der Decke hängen Fahrräder, an denen Marouz und Omar aus Syrien und die Eritreer Aaron und David konzentriert schrauben. Anleitungen gibt es von Derek Leach und Klaus Schepe, die für die Organisation der kleinen Fahrradreparaturwerkstatt zuständig sind. „Hier ist noch viel Arbeit zu machen. Jetzt muss die Kette aufgezogen werden“, erklärt Derek Leach mit Blick auf das rote Mountainbike, das sich David ausgesucht hat. „Für die Stadt ist das gar nicht so geeignet, aber Mountainbike und sportliche Fahrräder kommen gut an.“ Derek Leach ist Maschinenbau-Ingenieur und bringt für seine ehrenamtliche Tätigkeit technisches Verständnis mit: „Was das Reparieren von Fahrrädern angeht bin ich aber Autodidakt.“ Ebenso wie sein Kollege Klaus Schepe. „Ich bin pensioniert, habe Zeit und helfe gern“, fasst der 75-Jährige seine Motivation für das Engagement in der Fahrradwerkstatt zusammen.

Juni 2016 gestartet

Im Juni 2016 öffnete die Werkstatt als Projekt der Initiative „Wir im Quartier Winterhude“. Geflüchtete sollen hier günstig ein gespendetes Fahrrad erhalten und lernen, dieses unter Hilfestellung fahrtüchtig zu machen. Durchschnittlich 15 bis 20 Geflüchtete kommen zu den Öffnungszeiten der Fahrradwerkstatt montags von 10 bis 14 Uhr und freitags von 14 bis 18 Uhr. Viele von ihnen regelmäßig, denn eine sinnvolle Beschäftigung über die Reparatur des eigenen Fahrrads hinaus ist hoch willkommen. So auch bei David. Der 25-Jährige ist aus Eritrea geflüchtet und lebt in einer Flüchtlingsunterkunft in Neugraben. Er möchte eine Ausbildung zum Zweiradmechaniker machen und kann in der Werkstatt eine Menge lernen. „Ich habe viele Erfahrungen in der Autoreparatur und kann auch Fahrräder reparieren“, erklärt Omar aus Syrien, der einmal in der Woche in die Werkstatt kommt und hier schon Räder für seine Kinder flott gemacht hat. Aber auch bei den Nachbarn im Winterhuder Weg weckt die Werkstatt Interesse. Ein älterer Herr steckt den Kopf zur Tür herein und fragt nach Unterstützung bei der Reparatur seines alten Rades. Die sagt Klaus Schepe ihm zu: „Wir wollen die Leute aus den Unterkünften rausholen und einen Raum für Begegnungen zwischen alten und neuen Nachbarn schaffen.“

Q8 plant Minijob für Fahrradkurse

Die Wartelisten für Fahrräder sind lang. Im riesigen Kirchenkeller, einem ehemaligen Luftschutzbunker, warten bereits mehr als 20 Drahtesel auf neue Besitzer. Aber der Bedarf ist noch größer. Klaus Schepe und Derek Leach freuen sich deshalb „über alles, was Räder hat. Auch Laufräder und Dreiräder.“ Bei Bedarf werden gespendete Räder auch abgeholt. Auch ein kleines Lager für Verbrauchsmaterialien wie Schläuche, Flickzeug, Reflektoren, Fahrradlampen und Luftpumpen führt die Werkstatt. „Bei uns ist Nachhaltigkeit angesagt“, erklärt Klaus Schepe. Nur wenn das Lager und die schrottreifen Räder nichts mehr hergeben, würde zugekauft. Auch Materialspenden sind deshalb willkommen. Rund um das Reparieren haben sich weitere Bedarfe wie Kurse zur Verkehrssicherheit und Verkehrsregeln, Fahrradparcours, gemeinsame Radtouren und Unterricht für Frauen herauskristallisiert. Um diese zu erfüllen soll in der zweiten Jahreshälfte ein Minijob für ein entsprechendes Kursangebot mit Unterstützung der Quartiersentwickler Q8 eingerichtet werden.

Spenden gesucht

Wer Fahrräder, Kinderräder, Drei- oder Laufräder, Fahrradhelme oder Schlösser spenden möchte, kann sich bei Klaus Schepe unter Telefon 0163 / 1446766 oder klaus@schepe.de melden. Bei Bedarf können Fahrräder auch abgeholt werden. Die Fahrradwerkstatt im Souterrain der Heilandskirche im Winterhuder Weg 132 ist montags von 10 bis 14 Uhr und freitags von 14 bis 18 Uhr geöffnet.
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