Betonkunst gegen Baumfällung

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Die umarmenden Hände von Lukas Engelhardt, sein bekanntestes Kunstprojekt Foto: Grewe/wb
 
Lukas Engelhardt Foto: wb

Besuch bei Künstler Lukas Engelhardt, der auch schon mal Passanten über Blattgold laufen lässt

Von Elke Grewe
Dulsberg Seine Kunstaktion zum Schutz der Bäume, die umarmenden Hände, hat ihn in ganz Hamburg bekannt gemacht: Lukas Engelhardt, ein Ausnahmekünstler, der auf dem Dulsberg in Wandsbek wohnt. Doch der 26-Jährige, der an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg Design studiert, fällt noch in mehrfacher Hinsicht durch sein Engagement auf: In Kanada hat er spektakuläre Kunstprojekte ins Leben gerufen.
Jetzt arbeitet er auch am neuem „Campus Uhlenhorst“ mit Jugendlichen: „Ich freue mich schon sehr, dass diese Zusammenarbeit regelmäßig stattfindet“, so Lukas Engelhardt. Außerdem hat der Künstler in der Keramikwerkstatt der Hochschule noch fantasievolle Vasen kreiert.
Auch im Gespräch mit dem Hamburger Wochenblatt zeigt sich der Künstler voller Tatendrang. Stolz zeigt er sein bisher auffälligstes Projekt: Die aus Beton gegossenen Hände, die mit einer schweren Stahlkette um die Bäume gelegt werden. Zirka zwei Tage dauert es, bis die Hände von der Vorbereitung bis zum Gießen fertig sind. „Besonders schwierig aber war es, erst mal ein Modell zu finden“, so Lukas Engelhardt.
Mit dieser einmaligen Kunstinstallation „Umarmung der Bäume“, die durch die Initiative der Bürgerinitiative Uhlenhorst entstanden ist, möchte der Künstler auf den Umstand aufmerksam machen, dass durch das Busbeschleunigungsprogramm in ganz Hamburg hunderte Bäume gefällt werden. Inzwischen sind schon an mehreren Bäumen die umarmenden Hände installiert: drei an der Mundsburger Brücke, drei in der Gertigstraße, zwei in Ochsenzoll. „Aber auch Privatleute interessieren sich für mein Projekt. Einer hat es für sein Wohnzimmer gekauft“, so Engelhardt.
Die Idee zu dem Projekt kam dem Künstler spontan, als er ein Foto von der „Umarmung eines Baumes“ in einem Magazin seines Kunstprofessors Ralph Sommer sah.
Das Projekt trägt den Namen „Chipko“ und entstand ursprünglich in Indien. Das war im Jahr 1973: Im Dorf Mandal, im Himalaja-Gebiet, umarmten 100 Frauen Bäume eines Waldes, um sie vor Holzfällern zu schützen. Als Chipko-Bewegung bekannt geworden, bereitet sich diese Inititative immer weiter aus und wurde 2014 schließlich auch in Hamburg bekannt.
Lukas Engelhardt ist zwar stolz darauf, wenn heute Passanten vor seinem Kunstobjekt stehen bleiben. Aber er möchte nicht ausschließlich auf dieses Projekt reduziert werden.
Künstlerisch aktiv war Engelhardt auch in Vancouver (Kanada). Dort hat er in Granville Island, einer kleinen Halbinsel in Vancouver, Fußgänger im Frühjahr letzten Jahres über eine mit Blattgold bedeckte Pfütze spazieren lassen. Mit dieser Aktion wollte er an den Goldrausch erinnern, der hier in den 20erJahren massiv betrieben wurde und die Wasserversorgung der Gegend bedroht hatte.
Für die Zukunft könnte sich Engelhardt vorstellen, in Vancouver zu leben. Dort steht in der Kunstszene die Entwicklung von Computerspielen sehr im Fokus. Auch Engelhardts Bachelor-Arbeit, die er im Sommer nach acht Semestern abschließt, hat mit diesem Thema zu tun.
Der Künstler ist noch auf weiteren Gebieten aktiv: Engelhardt arbeitet an fantasievollen Objekten aus Keramik, wie zum Beispiel an Vasen, die sich durch ein Relief, einem Löffel nachgeformt, auszeichnen. „Es macht mir einfach Spaß, mit dem Material Keramik Gegenstande zu formen“, erklärt er. Die Vasen sind alle in limitierter Auflage und in Handarbeit hergestellt.
Neuland betritt er bei seiner jüngsten Arbeit am „Campus Uhlenhorst“. In Workshops formt er mit geistig behinderten Jugendlichen Gegenstände aus Beton. „Das ist eine große Herausforderung für mich und ich freue mich, dass ich den Jugendlichen, die 16 bis 18 Jahre alt und beruflich größtenteils orientierungslos sind, neue Visionen vermitteln kann. Wir haben für die Zukunft noch viel vor, wollen auch die Nachbarschaft in den ,Campus Uhlenhorst‘ integrieren“, so Engelhardt.

Weitere Infos: www.lunkerque.com
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