Klassik-Geiger mit Faible für Skiffle

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Bei den Appeltown Washboard Worms spielt Helmut Stuarig (3.v.re.) die Geige Foto: wb

Bratschist Helmut Stuarig spielt in der Laeizhalle und in Clubs und liest vertontes Märchen auf Höltigbaum

Von Christa Möller
Rahlsted
t Wo die Appeltown Washboard Worms auf der Bühne stehen, wippt jeder schnell mit: Die Skiffle Band bringt Stimmung in jeden Saal. Begeistert dabei ist Helmut Stuarnig aus Rahlstedt. Der 1954 in Graz geborene Musiker ist Mitglied der Hamburger Symphoniker. Mit acht Jahren bekam er seine erste Geige. Das Spielen einer Messe mit dem Chor war sein erstes Erlebnis im Ensemble. Doch dann sank die Freude an der Musik: „Mit 15, 16 hatte ich mehr Lust, Fußball zu spielen als Geige zu üben“ – obwohl er schon vor der Matura Kunsthochschüler an der Meisterhochschule war. Nach dem Abitur musste er sich entscheiden, er hätte Sprachen studieren können, am Gymnasium hatte er Russisch und Französisch gelernt, oder doch lieber Lehramt? Aber „mehr aus Opposition heraus habe ich gesagt, ich werde Musiker.“ Ein guter Entschluss, wie sich zeigen sollte.
In Graz an der Hochschule studierte er ein Jahr Geige und lernte im Orchester auch die Bratsche kennen. Am Mozarteum in Salzburg legte er die Diplomprüfung für dieses Instrument ab, spielte dann bei den Wiener Philharmonikern. Es folgte ein Stipendium für ein Jahr in Moskau. „Als Ausländer mit Devisen war man ein gern gesehener Kumpel unter den Studenten. Aber man musste auch wissen, wo man etwas bekommt für sein Geld.“ Danach war er bei den Bodensee-Symphonikern in Konstanz und beim Züricher Kammerorchester. „Wir haben schöne Reisen gemacht – aber zu viele. Ein Monat durch Deutschland, ein Monat durch Südafrika... ich habe die Geburt unserer ersten Tochter verpasst“, erzählt der Vater von drei Kindern (32, 30, 20), der seit 1985 bei den Hamburger Symphonikern spielt, mit denen er durchschnittlich fünfmal die Woche auf der Bühne steht. Mit seiner Frau Beatrice Janot-Stuarig lebt der 61-Jährige seit 1985 in Rahlstedt. Sie sorge für den Zusammenhalt in der (zweisprachigen) Familie, sagt der Bratschist, dessen Begeisterung für die klassische Musik immer noch anhält. Den Weg zu Proben und Auftritten mit den Symphonikern legt er regelmäßig und manchmal sogar zweimal am Tag per E-Fahrrad zurück. Dessen Elektroantrieb wird nur gelegentlich zugeschaltet, „wenn es mir zu anstrengend wird, zum Beispiel beim Zurückfahren über die Rahlstedter Höhe.“
Übrigens hat Helmut Stuarig auch „ein paar kleinere Stücke komponiert“ und wollte gern ein Stück wie Peter und der Wolf schreiben. Als Vorlage sollte das französische Kinderbuch „Der sentimentale Wolf“ dienen. Dann lernte er den russischen Komponisten Lew Beloglasow kennen, „der hatte die Musik für meine Idee schon irgendwie in der Tasche.“ Am Sonntag, 26. April, um 15 Uhr führen die beiden „Heli Hu“ im Haus der Wilden Weiden. Der Eintritt ist frei. Helli Hu soll demnächst auch auf CD erhältich sein.
Woher er sein musikalisches Talent hat? Nicht vom Vater, er war Gerichtsvorsteher. Aber seine Mutter habe immer gern Musik gemacht, Klavier und Gitarre gespielt und gesungen. Mit 16 Jahren lernte er die Jazzgeiger Django Reinhardt und Stéphane Grappelli kennen. Ihre Musik, „wie die improvisiert haben, das war für mich Lebensfreude pur. Das wollte ich auch spielen.“ 2010 wäre Django Reinhard 100 Jahre alt geworden – als Hommage an den großen Künstler gründete Stuarig das „Gypsy Swing“-Ensemble. Helmut Stuarig spielt ein etwas außergewöhnliches Instrument, die „Silent Violin“, (stille Geige), eine Geige ohne Klangkörper. „Sie hat die vier Seiten von der Gitarre und die C-Seite von der Bratsche“, erläutert der Musiker, der den besonderen Klang des Instruments schätzt. Den Spaß an der Musik lebt er außerdem bei den Appeltown Washboard Worms aus, einer Skiffle Group. Entspannung findet der Rahlstedter im Garten, wo er gern Sträucher beschneidet, Laub harkt oder den Rasen mäht. Und mit seiner Frau ist er gern auf Reisen.

Die „Stille Geige“. Eine Kostprobe auf YouTubehttp://youtu.be/pdULs1DeGtU
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