Komponist mit Krimifaible

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Andreas Willscher vor seiner Bibliothek. Rechts liegt seine Ansgar-Medaille Foto: Schulz
 
Haupteingang West der St. Joseph Kirche Foto: Schulz

Andreas Willscher mit Preis der KünstlerGilde Esslingen geehrt. Ein Hausbesuch

Von Barbara Schulz
Wandsbek
Der Komponist und Autor Andreas Willscher, Organist der katholischen Kirche St. Joseph in Wandsbek, bekam Ende Juni den Johann-Wenzel-Stamitz-Preis der KünstlerGilde Esslingen verliehen. Ein Grund mehr für einen Besuch bei dem 60-jährigen Hamburger. Neben dem Haus der Familie im beschaulicheren Teil von Bramfeld knattern Rasenmäher. Auf die Frage, wie er denn bei dem Lärm arbeiten könne, winkt Willscher, ein freundlicher, gemütlicher Typ, ab: Komponieren würde er lieber in Frankreich; im Périgord besitzen sie ein Häuschen. Willscher, der mit sechs Jahren Akkordeon lernte und später unter anderem bei dem Olivier-Messiaen-Schüler Günter Friedrichs studierte, ist ein Kenner böhmischer und schlesischer Musik, bindet sie in seine Werke ein und engagiert sich für sudeten-deutsche Musik. Über den böhmisch-hamburgischen Komponisten und Musikkritiker Ferdinand Pfohl verfasste er gar eine Biografie. Wie kommts? Das ist erstmal familiär bedingt: Sein Großvater Gustav Willscher, Dichter und Komponist, kam aus Schlesien und wurde mit seinem „Schlesiermarsch“ (1913) bekannt. „Außerdem habe ich gute Kontakte nach Tschechien und spiele oft dort“. Dann verrät Willscher, wie er vom Akkordeon zur Orgel kam: Als 13-Jähriger hörte er die Progressive Rocker „The Nice“, die Dave Brubecks „Rondo“ interpretieren. An den Tasten: Keith Emerson (später bei Emerson, Lake and Palmer). Willscher war hin und weg: „Ein Kumpel und ich gingen danach aufs Konzert, mit billigen Karten. Wir sahen nichts, aber es war toll!“ Seine erste Band und das Orgelstudium folgten. Und schon mit 15 Jahren wurde Willscher Organist der St. Franziskus Kirche. Seit 2000 ist er in St. Joseph tätig. Außerdem spielt er Keyboard im Jazz-und-Classic-Rock-Ensemble „Durendart“ und bei „Querbeat“. Seine Werke, darunter Opern, Oratorien, Musicals und 16 Orgelsymphonien, haben ihm Preise beschert und werden weltweit gespielt. Der Laudator beim Stamitz-Preis, Dr. Dietmar Gräf, verriet zudem, dass Willscher auch ein begnadeter Improvisierer sei, der „nach Lust und Laune Volkslieder, Schlager und Evergreens“ aus dem Ärmel schüttele. Nebenbei ist Willscher, der mit einer Musiklehrerin verheiratet ist, Sherlock-Holmes-Experte mit üppiger Bibliothek, bekocht mittags seinen Sohn (auch mal mit schlesischen Gerichten wie Mohnklößen), malt Bilder und gräbt in Antikläden nach alten Orgel-Notationen. Diese Leidenschaft begann früh, als er mit einem Freund in Paris weilte und sie bei einem Bouquinisten olle Notenblätter fanden. Willscher erzählt mit Selbstironie und Witz, vergisst nicht, seinen Verleger, den Butz-Verlag zu loben und über die GEMA zu meckern, die nicht nur ihm das Leben manchmal schwer mache. Aber es geht ihm ja gut mittlerweile. Just hat er einen neuen Auftrag an Land gezogen, eine Interpretation der Lukas-Passion, die im nächsten Frühjahr im Michel laufen soll. Willscher lächelt: „Bei allem, was ich schreibe, habe ich immer das ganze Ensemble im Kopf, ich spiele jedes Instrument im Geiste durch und probiere, ob die Gesangslinien auch machbar sind!“

Mehr zu Andreas Willscher gibt es im Internet unter www.willscher.de
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