Seltene Drucke im „Kunstraum“

Anzeige
Sven Wohlgemuth an Horst Janssens alter Druckerpresse in seiner Werkstatt Foto: tel

Polymer-Tiefdruck ist eine australische Erfindung – kreativ und garantiert ungiftig

Farmsen Wer kreative Kunst mit handwerklicher Technik verbinden will, ist bei Sven Wohlgemuth (51) an der richtigen Adresse. Der Diplom-Designer, Illustrator und Maler hat sich einer in Deutschland fast unbekannten Drucktechnik verschrieben und stellt gerade – nicht zum ersten Mal – zusammen mit Kursusschülern im „Kunstraum Farmsen“ aus. Im Gegensatz zum „normalen“ Tiefdruck dient bei dem vom Australier Keith Howard erfundenen „Polymer-Tiefdruck“ nicht die metallene Druckplatte, sondern eine darüber liegende per Belichtung bearbeitete Kunststoff(Polymer)-Folie als Träger. So entstehen – noch dazu mit ungiftigen Materialien – Radierungen von besonderem kreativen Potenzial, wie man auch in der Galerie der Volkshochschule am Berner Heerweg 183 sehen kann. Der aufwändige Polymer-Tiefdruck – die Farbe wird per Hand aufgetragen und nach jedem Druckvorgang erneuert; für jede zusätzliche Kolorierung ist eine weitere Polymer-Beschichtung nötig – dient dabei nicht mehr wie einst in erster Linie der Vervielfältigung, sondern hat sich, so Wohlgemuth, zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Das Drucken selbst geschieht nach traditioneller Art mit ebensolchen per Hand betriebenen Maschinen. So hat sich Wohlgemuth beispielsweise eine Druckerpresse des Hamburger Zeichners Horst Janssen (1929-1995) gesichert und instandgesetzt. Da diese seltene Kunstform in Deutschland kaum gelehrt wird, sind Wohlgemuths VHS-Kurse, die er seit rund einem Jahrzehnt hält, immer schnell ausgebucht. Deshalb bietet er inzwischen regelmäßig an Sonnabenden zusätzliche Schnupperkurse („offene Werkstatt“) in seinem Barmbeker Atelier direkt neben dem U-Bahnhof Dehnhaide an mit Voranmeldung unter Telefon 0176/47327792 oder Mail intaglio-type@web.de).

Ausstellungen beliebt


Die Werke von Wohlgemuth und seinen Schülern kommen noch bis zum 20. Januar im „Kunstraum Farmsen“ mit seinen zwei bestens ausgeleuchteten, jeweils fast 50 Meter langen Fluren hervorragend zur Geltung. Diese zentrale Galerie der VHS Hamburg Ost existiert seit 1989 und bietet durchschnittlich sechs Ausstellungen pro Jahr. „Das Interesse der Kunstszene ist natürlich sehr groß, weil wir hier sehr viele Menschen erreichen“, berichtet Antje Trutia, die den „Kunstraum“ zusammen mit Regionalleiterin Katja Krupke organisiert. Am 27. Januar eröffnet um 19.30 Uhr die neue Ausstellung der Malerin Barbara Koch in Zusammenarbeit mit Teilnehmern der Malgruppen aus dem Künstlerhaus Ohlendorffturm. (tel/wb)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige