Surreale Szenarien

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Gesichter, Masken oder Fratzen sind häufige Motive von Winfried Korf. Foto: Netzow

Winfried Korf verbindet in seinen Kunstwerken Traum und Wirklichkeit

Von Kirsten Netzow
Rahlstedt. Geheimnisvolle Unterwasserstädte, vom Verderben bedrohte Landschaften, fratzenhafte Gesichter – der Maler Winfried Korf bringt Erdachtes, Erträumtes und oft auch Rätselhaftes in seinen Bildern zum Ausdruck.
Der 1941 in Leipzig geborene Künstler ist studierter Historiker, Kunsthistoriker und Archäologe. Erst vor kurzem stellte er eine Auswahl seines künstlerischen Schaffens im Wandsbeker Kulturschloss aus. Obwohl die meisten seiner Bilder eher kleinformatig sind, gibt es viel darauf zu entdecken. Einiges erschließt sich dem Auge erst nach längerer Betrachtung, so wie beispielsweise seine Collage „Luxus“: Aus einem Unfallwagen schaut der Tod in Form einer skelettierten Hand heraus, der Pelzmantel auf der Motorhaube ist von Mäusen zerfressen.

Fabelwesen

Im Hintergrund brennt, in Anlehnung an die Terroranschläge in New York, das Bankenviertel in Frankfurt. Andere Bilder zeigen fabelähnliche Wesen wie fliegende Drachen, die einer Wolke gleich den Himmel durchstoßen und über eine Trümmerlandschaft fliegen. Wieder andere Exponate sind geprägt von Städtedarstellungen, „synthetische Städte“ wie Korf sie nennt, denn sie setzen sich aus Bauwerken verschie dener realer Städte zusammen. Für einige seiner Werke nutzt er eine ganz besondere Tinte, die es in der damaligen DDR zum Nachfüllen von Filzstiften gab. „Davon habe ich noch immer einen kleinen Vorrat“, verrät der Künstler. Überhöht mit Deckweiß entstehen so eindrucksvolle, silbrige Farbeffekte.
„Mein Leben ist von Brüchen gekennzeichnet“, sagt Winfried Korf. Als er mit drei Jahren knapp einem Bombenangriff entkommt, ist er der letzte überlebende Mann der Familie. Als Vierjähriger, im Hause allein gelassen, muss er sich selbst beschäftigen. Damit er nicht weiterhin die Marmorplatte des Waschtisches bemalt, werden ihm Bilderbücher, Zeichenblätter und Farbstifte gegeben. Diese Ereignisse und die späterhin schlimmen Erfahrungen mit seinem autistischen Sohn haben ihren Weg in seine Bilder gefunden.
In den Jahren seiner meist freiberuflichen Tätigkeit arbeitet er als Denkmalpfleger, Ausstellungsgestalter, Chefdramaturg eines „Provinztheaters“, als Dozent in der Erwachsenenbildung und Verfasser von Fachpublikationen. Über 40 Jahre lang lebte er in Quedlinburg im Harz. 2007 zog er nach Hamburg-Rahlstedt - der Liebe wegen.

Bildhaftes Gedächtnis

Auch Lebensgefährtin Karin Grubert ist begeistert von seinen Kunstwerken. „Er hat wirklich ein stark bildhaftes Gedächtnis“, lobt sie – die Voraussetzung für seine Bilder, die nahezu ohne Vorarbeiten entstehen. Als Motive für die Darstellung von Gesichtern dienen ihm reale Personen, die er im Alltag beobachtet. „Diese Gesichter werden dann von mir bösartig überzogen, die Perspektiven und Bezüge verändert, so entsteht das Surreale“, beschreibt es Korf.
Neben Selbst-Erlebtem bilden Träume den Stoff, aus dem die Bilder entstehen. „Ich habe sehr plastische Träume“, sagt der 71-jährige. Oft mache er sich nach dem Aufwachen Notizen oder eine Skizze. Erst Jahre später könne es geschehen, dass diese Aufzeichnungen wieder hervorgeholt werden, um daraus etwas zu erschaffen.

Wer Interesse an der Kunst von Winfried Korf hat, kann nach vorheriger telefonischer Absprache unter Tel.: 672 69 88 die Bilder beim Künstler zu Hause besichtigen.
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