15 Jahre Stillstand am Stadtrand

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Diese kontaminierte Fläche ist seit fast 15 Jahren ungenutzt Foto: rg

Endloser Rechtsstreit um verseuchtes Grundstück verhindert Sanierung

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Die Mauer vor dem roten Backsteinbau und den verwitterten Holzbauten ist mit Graffiti vollgesprüht. Die Farbe blättert von den Wänden, überall ist Rost, auf einem Schild steht „Unbefugten ist das Betreten verboten“. Das Gelände in der Straße Am Stadtrand wirkt ungepflegt und verwahrlost. „Überall werden Gewerbeflächen gesucht, und hier liegt ein Grundstück seit Jahren brach“, ärgert sich Julian Georg, Fraktionsvorsitzender der Linken in der Wandsbeker Bezirksversammlung. Gemeinsam fragten die Lokalpolitiker bei der Umweltbehörde nach. Demnach wurden bei Messungen Verunreinigungen in Boden und Grundwasser gefunden. Es handle sich hauptsächlich um leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW) und einkernige Aromaten (BTEX).
Beides sind Lösungsmittel, die gesundheitsschädlich sind und als Umweltschadstoffe gelten.

„Wir haben das Gefühl, die Stadt lässt die Sache schleifen." Julian Georg; Die Linke

Sie sind offenbar über Jahrzehnte durch unsachgemäßen Umgang auf dem Grundstück versickert. Seit den 1930er Jahren produzierte hier ein privates Unternehmen Bautenschutz-, Pflege- und Reinigungsmittel. „Eine weitere Nutzung des Grundstücks ist ohne vorherige Sanierung des Bodens nicht möglich“, heißt es wörtlich in der Antwort der Umweltbehörde auf die Anfrage der Linken-Fraktion. Eine Gefahr für die Bevölkerung gehe durch die Schadstoffe in Boden und Grundwasser aber nicht aus. Bereits 1999 sei eine Sanierung angeordnet worden. Allerdings ging die Wandsbeker Firma drei Jahre später pleite. 2003 und 2010 gingen weitere Anordnungen an die Eigentümerin des Grundstücks. Gegen beide wurde jedoch Widerspruch eingelegt, derzeit laufen Vergleichsverhandlungen.
„Wir haben das Gefühl, die Stadt lässt die Sache schleifen“, sagt Julian Georg. Das Verfahren müsse zu Ende gebracht, die Verantwortlichen haftbar und die Fläche wieder hergerichtet werden. „Gerade für mittelständische Betriebe ist das eine gute Fläche an einem guten Standort“, meint der Linken-Politiker. Vor allem müsse geklärt werden, ob die Stadt bereit ist, auf eigene Kosten zu sanieren. „Kann die Stadt das Grundstück pfänden, enteignen oder zwangsversteigern?“, fragt Georg. Eine Antwort gibt es bislang nicht – mit Hinweis auf die laufenden Vergleichsverhandlungen. „Wir werden eine weitere Anfrage stellen und Druck  machen“, kündigt der Linken-Fraktionschef an.
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