318 plus 28 Flüchtlinge

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Seit Juli leben 318 Flüchtlinge in den Gebäuden von fördern und wohnen in FarmsenFoto: mt
 
Hier werden die Wohncontainer voraussichtlich stehen. Der Parkplatz gehört zu den Gelände von fördern und wohnen.

Farmsen-Unterkunft belegt und schon überfüllt

Von Marco Thielcke
Farmsen-Berne. Die Asylbewerberunterkunft in Farmsen - innerhalb kürzester Zeit wurde sie mit 318 Menschen belegt. Und schon ist sie überfüllt: Noch im Juli sollen 14 Wohncontainer für 28 Menschen auf dem Gelände von „fördern und wohnen“ an der August-Krogmann-Straße aufgestellt werden.
In einer Notmaßnahme wird auf einem Parkplatz auf dem Gelände der Asylbewerberunterkunft ein Pavillondorf entstehen. Die Maßnahme ist bis zum 31. Dezember befristet. Schon im April hatte die zentrale Unterbringung von 318 Flüchtlingen aus 27 Nationen in Farmsen im Regionalausschuss für hitzige Diskussionen gesorgt. Nun wird die Zahl der Flüchtlinge in Farmsen weiter auf-
gestockt. In Farmsen habe keiner gewusst, dass nun neue Container kommen, klagt Hans-Otto Schurwanz, Vorsitzender des Bürgervereins: „Man hätte den Dialog mit den Menschen im Stadtteil suchen müssen.“ Vor drei Monaten hatten Anwohner und Vereine, wie berichtet, im Regionalausschuss gegen den Kompromiss der Parteien, einer befristeten Unterbringung bis April 2016 protestiert und gefordert, die Flüchtlinge dezentral unterzubringen und über den Stadtteil zu verteilen. Der Bezirk versprach damals, nach alternativen Standorten zu suchen. „In der Diskussion um die Unterbringung von Flüchtlingen ging es nie darum, ob wir welche aufnehmen, sondern, ob das so zentral, wie an der August-Krogmann-Straße geschehen, optimal ist“, sagt Olaf Böttger, CDU-Ortsvorsitzender in Farmsen. SPD und Grüne wollten einen Runden Tisch mit allen Parteien aus Farmsen einrichten. Doch dazu kam es bis heute nicht.
„Es wird immer viel von Bürgerbeteiligung gesprochen, aber am Ende passiert nichts“, sagt Böttger. Das Vorhaben scheiterte bereits vor der eigentlichen Sitzung. Weil die Einladungen zu dem Treffen nicht alle Parteien und Institutionen erreicht haben, saßen nur die Bezirksfraktionen und Vertreter der Sozialbehörde im Sitzungssaal. Vom Bürgerverein, der sich schon früh in der Debatte um die Unterkünfte von Asylbewerbern in Farmsen äußerte, war nichts zu sehen – denn er war nicht eingeladen. Von einer „großen Panne“ sprach damals Schurwanz vom Bürgerverein. Böttger kündigte eine zweite Sitzung an. „Das zweite Treffen soll noch vor der Sommerpause stattfinden und längerfristig vorbereitet werden“, hatte Böttger damals dem WochenBlatt gesagt.Seitdem ist aber nicht viel passiert. Die rot-grüne Koalition hat bis heute keinen weiteren Versuch gestartet. „Wir brauchen den Runden Tisch sofort“, fordert Schurwanz vom Bürgerverein. Nun könnte am 8. August, wenn der Regionalausschuss tagt, ein Termin für den Runden Tisch gefunden werden.

CDU: Aufstockung in Sommerpause

Während Mitte Juli auch die letzten der 318 Bewohner in die Gebäude von „fördern und wohnen“ zogen und die parlamentarische Sommerpause begann, wurde offensichtlich nun hinter verschlossenen Türen die Aufstockung beschlossen. Nun fragt sich die CDU in Farmsen, ob es Zufall sei, dass die Aufstockung der Flüchtlinge und die Einrichtung eines sogenannten Pavillondorfes an der August-Krogmann-Straße „klammheimlich in der Sommerpause beschlossen worden ist oder ob man eine weitere Diskussion im Stadtteil aus dem Weg gehen wollte“, heißt es bei der CDU.
Dabei könnte es sein, dass noch mehr Flüchtlinge nach Farmsen kommen. Das Bundesamt für Migration teilt mit, dass die Zahl der Erstanträge im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um 86 Prozent gestiegen ist. Auch in Hamburg wird die Zahl der Asylbewerber stärker steigen als erwartet. Von Juli bis Oktober werden 685 Flüchtlinge in der Hansestadt ankommen. Allein im September werden 285 erwartet. Vorläufige Hochrechnungen gehen von 2324 ankommenden Flüchtlingen für dieses Jahr aus. Im vergangenen Jahr waren es 2195. „Anfang des Jahres lagen die Schätzungen noch bei rund 1000“, sagt Dennis Paustian-Döscher, Abgeordneter der Grünen in Wandsbek. Neue Unterkünfte müssen gefunden werden, vor allem in Wandsbek. Denn Hamburgs größter Bezirk hat in den letzten Jahren im Vergleich weniger Asylbewerber aufgenommen als beispielsweise Bergedorf oder Harburg.

Hamburgweit werden 14 Standorte geprüft

Fünf Standorte werden zur Zeit in Wandsbek auf ihre Eignung für eine Unterbringung geprüft. Darunter sind auch das Gelände des ehemaligen Pavillondorfes am Volksdorfer Grenzweg und die DRK-Flächen an der Rahlstedter Straße. Hamburgweit werden 14 Standorte untersucht. Einer in Hamburg-Mitte und ein weiterer im Bezirk Nord. Auf Nachfrage, um welche Flächen es sich genau handelt, gibt die Sozialbehörde wenig Auskunft. Laut Behörde können die Objekte noch nicht genannt werden, weil sie sich noch in der Prüfung befänden.
Offenbar sorgt sich die Behörde um weitere Proteste.„Die Flächen öffentlich zu nennen, würde sich kontraproduktiv auf die Umsetzung auswirken“, so eine Sprecherin der Sozialbehörde.
Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hat in einem Interview mit der „Bild“-Zeitung nicht aus, dass sogar an eine Unterbringung auf Asylbewerberschiffen gedacht werde. Zur Erinnerung: Die „Bibbi Altona“ und andere Kähne lagen vor Jahren am Holzhafen. Dort sind inzwischen Büros entstanden.
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