700 Jahre und keine Feier

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Viktoria Rau vom Freibad „Ostende“: „Die Tonndorfer hätten sich für eine Feier engagiert, wenn sie informiert gewesen wären!“ Zur 675-Jahr-Feier vor 25 Jahren gab es eine Broschüre (rechts)
 

Tonndorfer Jubiläum einfach vergessen? Das Wochenblatt gratuliert trotzdem

Von Martin Jenssen
Tonndorf Vom 18. bis 27. September 1964 wurde in Tonndorf groß gefeiert. Es war die Festwoche zum 650. Geburtstag des Hamburger Stadtteils. Auch 1989 gab es eine Festschrift und Feierlichkeiten zum 675. Geburtstag Tonndorfs. Jetzt haben wir das Jahr 2014. Tonndorf wird in diesem Jahr 700 Jahre alt.
Und niemanden scheint es zu interessieren! Eine Feier ist nicht in Sicht. Wurde das große Jubiläum vergessen?
Noch im Mai vergangenen Jahres hatte ein Tonndorfer Bürger in einer öffentlichen Sitzung des Regionalausschusses Kerngebiet Wandsbek an das Jubiläum erinnert. Im Protokoll der Sitzung vom 25. Mai 2013 heißt es: „Herr Freund fragt nach, ob der Verwaltung Planungen für das nächste Jahr zu einer 700-Jahrfeier von Tonndorf bekannt seien.“

„Hallo! Wir werden 700!“

Lena Voß, die Sprecherin vom Bezirk Wandsbek dazu: „Wir richten solche Feste nicht aus. Sicherlich würden Initiativen für eine Jubiläumsveranstaltung von uns unterstützt werden. Unseres Wissens nach sind aber im Moment keine Planungen für eine Feier bekannt.“
Über das Internet machte Steffi Karsten das „vergessene Jubiläum“ bekannt. Auf ihrer Facebook Seite „Ich mag Tonndorf“ schrieb sie: „Hallo! Wir werden 700 Jahre alt!! Warum weiß das niemand?“ Daraufhin meldeten sich mehrere Bürger aus Tonndorf beim Wandsbeker Heimatverein. Sie beklagten das mangelnde öffentliche Interesse an der Geschichte des Stadtteils. Schuldig ist niemand an dem vergessen Jubiläum. Aber offensichtlich hat auch niemand entschlossen für eine organisierte Feier gekämpft.
Horst Naruga, langjähriger Vorsitzender vom „Verein für Tonndorf“, der noch für die 675-Jahr-Feier gesorgt hatte, verstarb 2012. Auch Helmuth Fricke, Heimatforscher und Autor eines Bildbandes über Tonndorf, hätte sicherlich dafür gesorgt, dass das Jubiläum nicht in Vergessenheit geraten wäre.
Doch er verstarb im Juli vergangenen Jahres.
Ratlosigkeit bei den Bürgern über das vergessene Fest. Tresenbedienung „Beatle“ (63) von der Kneipe „Tonndorfer Burg“: „Wie kann es sein, dass so ein Jubiläum einfach vergessen wird? Gerade für die jungen Leute, die in unserem Ortsteil leben, sind solche Feiern wichtig. Sie machen sich keine Gedanken mehr über ihren Wohnort, weil sie nicht mit der Geschichte des Stadtteils konfrontiert werden. Schon traurig genug, dass das Tonndorfer Straßenfest
seit etwa zehn Jahren nicht mehr gefeiert wird.“

1314 erstmals erwähnt

Viktoria Rau (27) vom Freibad „Ostende“: „Die meisten Tonndorfer wissen nichts von dem großen Jubiläum. Es ist nicht richtig bekannt gemacht worden, dass der Ortsteil 700 Jahre alt wird. Sonst hätten sich bestimmt viele Tonndorfer engagiert, um eine Feier auf die Beine zu stellen.“
Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes Tonndorf stammt aus dem Jahre 1314. Zu diesem Zeitpunkt war „Todendorpe“ der ursprüngliche Name des damals ziemlich großen Dorfes. Namensgeber soll ein Graf namens „Todo“ gewesen sein.
Archäologische Funde belegen, dass die Gegend schon in der jüngeren Steinzeit besiedelt war. Alte Grenzsteine erinnern daran, dass Tonndorf zweimal zu Dänemark gehörte (nach 1542 und 1807). Im Jahre 1927 wurde Tonndorf ein Stadtteil von Wandsbek und 1938 schließlich zum Hamburger Stadtteil. In seinem Grußwort zur 675-Jahrfeier schrieb der damalige Hamburger Bürgermeister Dr. Henning Voscherau: „Tonndorf hat trotz seiner wechselvollen Geschichte immer wieder seinen Zusammenhalt
bewiesen. Das Fest zur 675-Jahrfeier ist ein weiterer Versuch, die Gemeinsamkeit zu üben und zu zeigen, wie vielfältig doch das Leben in diesem oft kaum beachteten Stadtteil ist. Tonndorf braucht sich aber nicht zu verstecken. Es beherbergt Hamburgs größte Medienfabrik, das Studio Hamburg.“
Auch neben dem Studio Hamburg, das mittlerweile von seiner einstigen Bedeutung etwas eingebüsst hat, punktet Tonndorf mit anderen Stärken: Zum Beispiel dem Freibad „Ostende“. Es würde sich als Ort für eine Feier anbieten. Das idyllisch gelegene Bad hat große Freiflächen. Das Wasser des Sees beeindruckt Besucher mit seiner Trinkwasserqualität. (je)
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