9.000 Euro für „Baui“ gesammelt

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Unter Anleitung Lagerfeuer machen, Hütten bauen oder ausgelassen toben: Auf dem Gelände des „Bauis“ Farmsen am Rahlstedter Weg können die Kinder ihren Tagesablauf selbst bestimmen Foto: Christa Möller
 
Spielplatzleiter Gunnar Geertz (53) Foto: C. Möller

Spendenparlament ermöglicht einmal in der Woche eine warme Mahlzeit auf dem Aktivspielplatz Farmsen

Von Christa Möller
Farmsen
Auf dem Aktivspielplatz Farmsen fragt ein Junge: „Wann gibt’s Essen?“ Er ist sichtlich irritiert, als er hört, das anstatt eines ausgiebigen Mittagessens „nur“ Obst oder Kekse zur Verfügung stehen. Denn die kostenlosen warmen Mahlzeiten auf dem liebevoll „Baui“ genannten Platz mussten vor kurzem gestrichen werden. Die Geldgeber sahen nach Einführung der Ganztagsschulen mit Mittagessen keine Veranlassung mehr dafür. Nun will der Verein die Kinder wenigstens am Tag mit der höchsten Auslastung, dem Sonnabend, sowie in den Ferien mit einem warmen Essen versorgen.
„Wir glauben, dass ein Mittagstisch-Angebot in der offenen Jugendarbeit in besonderen Gegenden weiterhin notwendig ist“, sagt Leiter Gunnar Geertz, 53. „Denn zum einen Teil sind die Kinder nicht in der ganztägig betreuten Schule und zum anderen Teil essen sie da nicht.“ Bis vor einigen Jahren wurde der tägliche Mittagstisch auf dem Aktivspielplatz von der Stadt gefördert. Seit der ersatzlosen Streichung der Gelder konnte die Essensversorgung noch eine zeitlang durch Spenden finanziert werden. Pünktlich um 16 Uhr stand das Essen auf dem Tisch. In den vergangenen zweieinhalb Jahren bekamen die Kinder vegetarisches Bio-Essen. Größter Renner: Die selbst gemachten Gemüsefrikadellen. Aber auch Salate und Pfannkuchen mit Obst kamen gut bei den Kindern an, in deren Familien häufig „Tagesstrukturen mit gemeinsamen Mahlzeiten“ nicht im Vordergrund stehen. Nicht zuletzt habe die Köchin, die aus einer Sinti-Familie stammt, eine große integrative Rolle gespielt. Das hatte sich entscheidend auf die verschiedenen Gruppen von Kindern ausgewirkt.
Aber nun ist Schluss mit dem warmen Essen. Für die Kinder ist das immer noch gewöhnungsbedürftig und bringt eine Umstellung in ihrem Tagesablauf mit sich. „Kakao und Kekse oder Stockbrot grillen sind Elemente, die das ein bisschen auffangen“, erläutert Geertz. Der Erzieher betreut die Kinder gemeinsam mit seinen Kollegen Anne Maaßen, 28, und Roland Kobs, 43. Ein Lichtblick: Auf Mini-Job-Basis wird die Köchin zukünftig wenigstens an den schulfreien Tagen wieder am Herd stehen. Zur großen Freude des Teams und der Kinder hat das Spendenparlament die Finanzierung des Mittagessens durch eine Förderung von 9.000 Euro für ein Jahr übernommen.
Zwanzig bis dreißig Kinder kommen täglich auf den Platz. „Gegen Ende der Woche wird es voller. Und im Sommer steigt der Schnitt auf vierzig Kinder an“, weiß Geertz. Sonnabends sind es durchschnittlich dreißig Besucher. „Und fast alle essen hier. Ihr Alltag spielt sich auf dem Baui ab, und da gehört das Essen dazu.“ Für sie öffnet der Bauspielplatz dann bereits um 12 Uhr, sonst ist er dienstags bis sonnabends von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Im Winter schließt der Platz eine halbe Stunde früher. Der benachbarte Jugendclub, der den ab Zwölfjährigen eine Übergangsphase bietet, startet um 16 Uhr und hat abends länger geöffnet. Hier gibt es keine Essensangebote, aber gelegentlich steht gemeinsames Backen oder Grillen an.
Abläufe selbst bestimmen
Der Platz am Rahlstedter Weg 50, der seit 1973 existiert, ist einer von über dreißig Bauspielplätzen in Hamburg. „Unser Baui ist schon um einiges wilder“, beschreibt der 53-jährige Leiter das Ambiente im Vergleich zu anderen Angeboten. Die jungen Besucher kommen aus den Wohnsiedlungen in der Umgebung, viele stammen aus der Weissenhof-Siedlung, in der zu 70 Prozent Flüchtlingsfamilien leben. Neben dem Essen lockt der 4.000 Quadratmeter große Platz mit Möglichkeiten, selbst den Tagesablauf zu bestimmen. Aber es gilt auch, sich selbst zu organisieren und die Mitbestimmungsstruktur ernst zu nehmen und zu nutzen. So gibt es mindestens einmal im Monat eine Baui-Versammlung.
Unter Anleitung Lagerfeuer machen, Hütten bauen, mit Freunden chillen oder einfach mal gar nichts tun, das genießen sie. Einmal in der Woche ist die betreute Fahrradwerkstatt geöffnet, es gibt Gelegenheit zu Bewegungsspielen wie Basketball, Fußball oder Baseball und viele weitere Aktivitäten.
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