Abby: Ich darf nicht auf den Wochenmarkt in Hamburg!

Anzeige
Wenn Frauchen auf den Wochenmarkt geht, muss Abby davor warten Foto wb
 
Kerstin Völkening und Abby bei der Verleihung des Sozialpreises Foto: Je

In einem „Leserbrief“ klagt ein süßer Hund sein Leid

Hamburg. Er ist ein kleiner weißer Hund, zum Knuddeln niedlich. Doch trotzdem darf Abby den Wandsbeker Wochenmarkt nicht mehr betreten, wie er jetzt in einem ungewöhnlichen Leserbrief dem Wochenblatt „schrieb“.

Liebes Wochenblatt!

Keine Angst: Ich beiße nicht, ich knurre nicht laut. Ich möchte an dieser Stelle nur ein wenig jaulen! Mein Name ist Abby. Ich bin ein 13 Jahre alter Rüde. Mein Frauchen zahlt immer pünktlich die Hundesteuer. Mein Problem: Ich darf den Apfelstand auf dem Wandsbeker Wochenmarkt nicht mehr besuchen. Auf diesen Stand bin ich früher immer freudig bellend zugelaufen, weil ich dort meine geliebten Äpfel bekam.
Seit einigen Monaten aber passt der Marktmeister darauf auf, dass ich das Marktgelände nicht mehr betrete. Nicht einmal auf dem Arm meines Frauchens darf ich auf den Platz. Angeblich bin ich zu gefährlich. Okay – der Name meiner Hunderasse ist „Bolonka Zwetna“. Das klingt etwas merkwürdig, übersetzt heißt es aber: Schoßhündchen! Dass ich meine Äpfel vom Wochenmarkt nicht mehr bekomme, liegt an dem derzeitigen Gesetz, das Hunden nicht erlaubt, beim Einkauf auf den Markt mitgenommen zu werden, selbst wenn ich angeleint und bei Fuß bei meinem Frauchen bin.
Selbst wenn keine Stände auf dem Markt sind, darf ich das Gelände nicht betreten und soll große Umwege gehen – was wir, gebe ich zu - nicht immer gemacht haben. Dann aber kommt der Marktmeister auf uns zugeschossen und blafft mein Frauchen lauter an, als ich bellen kann. Einmal hat er sie sogar am Arm gepackt. Da habe ich Angst bekommen. Auch die Marktbeschicker, die manchmal ihre eigenen Hunde dabei haben (habe ich gesehen), sind traurig, dass mein Frauchen und ich sie nicht mehr besuchen, weil der Marktmeister seit einiger Zeit wie ein Zerberus darauf aufpasst, dass das Hundegesetz eingehalten wird. Ich wünsche mir, dass dieses Gesetz aufgehoben wird. Zumindest sollte für den Wandsbeker Wochenmarkt eine Sonderlösung gefunden werden, damit mein Frauchen und ich wenigstens wieder vom Dotzauerweg über das Marktgelände zum Wandsbeker Quarree gehen dürfen. Mein Frauchen ist übrigens Kerstin Völkening, die im Februar mit dem Sozialpreis der Bezirksversammlung Wandsbek ausgezeichnet wurde. Im März bekam sie einen Brief vom Fachamt für Gewerbe und Umwelt, dass sie unter Strafandrohung den Wandsbeker Wochenmarkt mit mir nicht mehr betreten darf. Jaul! Ihr Abby

Bis zu 50.000 Euro Geldbuße möglich

Warum darf Abby nicht auf den Markt? Wochenblatt-Autor Martin Jenssen fragte dazu Mitarbeiter im zuständigen Fachamt des Wandsbeker Bezirksamtes.

WB Seit wann ist es Hundebesit- zern verboten, mit ihrem Hund den Wandsbeker Wochenmarkt zu betreten?
Bezirksamt: Seit Inkrafttreten des Hamburgischen Gesetzes über das Halten und Führen von Hunden (Hundegesetz) vom 26. Januar 2006 bleiben gemäß §10 Nr. 5 Hundegesetz Regelungen über das Verbot der Mitnahme von Hunden, die sich aus anderen Rechtsvorschriften ergeben, un- berührt. Dies gilt insbesondere für die Mitnahmeverbote nach dem Gesetz zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf Märkten und Volksfesten vom 6. März 1985 in der jeweils geltenden Fassung. Gemäß §3 Satz 1 des Gesetzes zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicher- heit und Ordnung auf Märkten und Volksfesten dürfen Hunde, mit Ausnahme von Blinden- und Diensthunden sowie Hunden von Anbietern auf Volksfesten, nicht auf das Veranstaltungsgelände mitgebracht werden. Nach §5 Abs. 1 Nr. 3 des Gesetzes zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung auf Märkten und Volksfesten handelt ordnungswidrig, wer vorsätzlich oder fahrlässig entgegen §3 einen Hund mitbringt.
WB Wird zurzeit verstärkt auf die Einhaltung des Hundegesetzes geachtet
Bezirksamt: Die Kontrolle der Mitnahme von Hunden auf einen Wochenmarkt obliegt dem Marktmeister. Die Einhaltung des Hundegesetzes wird vom Bezirksamt Hamburg-Mitte (Hundekontroll- dienst) im Außendienst kontrol- liert.
WB Welche Strafen werden bei Übertreten des Gesetzes verhängt; was ist die Höchststrafe?
Bezirksamt: Nach §27 Abs. 3 Hundegesetz kann die Ordnungs- widrigkeit mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro geahndet werden. (Strafvorschrift nach §27a HundeG : Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren).
WB Gilt die Regelung für alle Hamburger Wochenmärkte
Bezirksamt: Ja
WB Gilt diese Regelung auch für Flohmärkte?
Bezirksamt: Gesetzliche Regelungen für einen Flohmarkt gibt es nicht.
WB Welche Befugnisse hat der Marktmeister, um Besucher mit Hunden vom Marktgelände zu vertreiben?
Bezirksamt: Die Marktmeister sind nach §1 des Gesetzes zur Aufrechterhaltung der öffentli- chen Sicherheit und Ordnung auf Märkten und Volksfesten befugt, nach pflichtgemäßem Ermessen die im Einzelfall zur Schutz der Allgemeinheit oder des Einzelnen erforderlichen Anordnungen zu treffen, um Gefahren für die öf- fentliche Sicherheit und Ordnung abzuwehren oder Störungen der öffentlichen Sicherheit und Ord- nung zu beseitigen.
WB Gibt es Überlegungen, die Hundeverordnung zu ändern
Bezirksamt: Dazu kann der Bezirk keine Aussage treffen. Hier wäre die zuständige Fachbehör- de (Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz – BGV) zu befragen, die allerdings auch nur auf Änderungsvorschläge aus der Bürgerschaft reagiert.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige