Abriss vorerst vertagt

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In diesem Gebiet könnte die Erhaltensverordnung gelten Grafik: Silvia Kühn/wb

Ausschuss streitet über Terrassenhäuser. Erhaltensverordnung als Mittel?

Von Rainer Glitz
Wandsbek
Es ging hoch her im Planungsausschuss der Bezirksversammlung. Befürworter und Gegner des Abrisses der sogenannten Josephterrassen trafen aufeinander. „Was ist daran erhaltenswert?“ fragte ein Mietervertreter der Wohnungsgenossenschaft Hamburg-Wandsbek (WHW). Die Menschen in der Josephstraße warteten auf den Neubau nach modernen Standards. Die Bausubstanz sei noch gut, die Häuser schützenswert, obwohl nicht denkmalgeschützt, und sonst in der Form nirgends mehr in Wandsbek zu finden, so die Gegenargumente. WHW-Vorstand Ralf Niedmers wiederholte sein Angebot, die Zahl der Sozialwohnungen im Neubau auf 50 Prozent zu erhöhen. Er forderte die Politik auf, sich fachlich mit den vorhandenen Gutachten auseinander zu setzen.
Die Koalition wolle den Neubau nicht verhindern, erklärte Rainer Schünemann von der SPD. Eine Erhaltensverordnung sei aber die einzige Möglichkeit, den sofortigen Abriss der historischen Häuser zu verhindern. Im Rahmen des Verfahrens könne ja auch entschieden werden, doch abzureißen. Die Erhaltenssatzung bringe Zeit zur genauen Prüfung, ergänzte Oliver Schweim von den Grünen. Rainer Behrens von der Linken kritisierte den seit 10 Jahren dauernden Leerstand in der Josephstraße, rot-grün blockiere den Neubau, eine Verhaltensverordnung sei womöglich rechtswidrig und außerdem nur Taktik. Es gehe nur vordergründig um den Erhalt der alten Bausubstanz, legte Kai Falcke von der CDU nach. Es handle sich vielmehr um eine rot-grüne Imagekampagne, nachdem bislang Wohnungsbau um jeden Preis betrieben worden sei, auch gegen Bürger-Widerstand.
Mit rot-grüner Mehrheit wurde dann beschlossen, ein Verfahren zu einer Erhaltensverordnung einzuleiten. Und zur Überraschung der meisten projizierte ein Mitarbeiter der Bezirksverwaltung gleich eine Karte eines erweiterten Gebietes an die Wand, für das die Satzung gelten könnte. Es reicht von der B 75 bis zu Bahnstrecke und vom Bezirksamt bis zur Schokoladenfabrik. Dies sei nur eine Idee, so Rainer Schünemann (SPD). Schließlich wurde der Antrag der CDU, den anerkannten Gutachter Geerd Dahms in den Planungsausschuss einzuladen, ebenfalls angenommen. Ende einer sehr emotional geführten Debatte.
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