Ärger um Licht und Schatten

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Der Blick aus dem Fenster von Bruni Haker

Mühlenstraße: Bäume vor der Haustür sorgen für dunkle und kalte Wohnungen

Von Siegmund Menzel

Wandsbek Wenn die Wandsbekerin Bruni Haker am hellichten Tag nach Hause kommt, muss sie in ihrer Wohnung gleich Licht einschalten. Zwischen dem Wohnhaus in der Mühlenstraße 9 und der Wandse stehen an einer Böschung mehr als 30 Bäume. Der Gehölzbestand aus Bäumen und Sträuchern nehme das Licht, betonte die Frau, die seit zwei Jahren Rentnerin ist. Es sei in der Wohnung zudem auch im Sommer fast immer kalt, gegenüber draußen gebe es Temperaturunterschiede bis zu zehn Grad. Hohe Strom- und Heizkosten entstünden. Der Mangel an Helligkeit und Wärme würde aufs Gemüt schlagen.

Andere Mieter im Wohnhaus sehen es ebenso. Sie fordern das Bezirksamt auf, den Abhang zum Wanderweg an der Wandse durchzuforsten. Als Bruni Haker vor mehr als 25 Jahren einzog, habe ihren Angaben zufolge an dieser Stelle nur ein Baum gestanden. Samen und Austriebe aus Wurzeln sorgten für die „unkontrollierte Vermehrung“.

Durchforstung nicht geplant

Eine Durchforstung an dieser Stelle ist nicht geplant, wie das Bezirksamt Wandsbek auf Anfrage des Hamburger Wochenblattes mitteilte. Fachleute würden die Gehölze jährlich kontrollieren, dabei achten sie auch auf einen ausreichenden Abstand zwischen Baumkronen und Gebäude. Die Verwaltung verweist auf Strauchbewuchsentfernung in den Jahren 2006 und 2013, im Herbst 2016 wurden zwei durch Sturm geschädigte Bäume entnommen. Schon aufgrund der begrenzt zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel für die Gewässerunterhaltung sei ein Durchführen fachlich nicht erforderlicher Maßnahmen nicht zu rechtfertigen, heißt es in der Mitteilung weiter. Eine Beschattung durch Bäume wie in diesem Fall gelte als hinnehmbar.

Gemeinschaft im Blick

Darüber hinaus verpflichte das Wasserhaushaltsgesetz die Anlieger von Gewässergrundstücken zur Duldung von Uferbepflanzungen. Die Unterhaltungsmaßnahmen des Bezirksamtes könnten nicht an den Bedürfnissen Einzelner ausgerichtet werden. So ist das, was der Eine durch Beschattung als Kälte empfindet für den Nächsten schon die unverzichtbare Sommerfrische und die dunkle Blätterwand mag ein Dritter als Blick ins Grüne nicht missen.
Es gehe nicht um Einzelne, sondern um eine ganze Hausgemeinschaft, entgegnete Bruni Haker. Mitarbeiter der Behörde würden das Problem „von außen“ beurteilen, sie sollten sich das Dilemma vor Ort anschauen, also in die Wohnungen gehen und aus dem Fenster blicken. Über Jahre hinweg hätten Mieter, die Grundstücksverwaltung und die Besitzerin des Hauses gegenüber dem Bezirksamt die Zustände kritisiert.
„Es ist schon deprimierend, in unmittelbarer Nachbarschaft der schöne lichte Park, auf der anderen Seite die schattigen Wohnungen. Im Park wurden weder Kosten noch Mühen gescheut. Bei uns vor der Haustür aber erfolgen kaum Pflege-arbeiten.“
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