Alle helfen mit in Stemwarde

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Klaus-Jürgen Krüger vor dem Jugendclub im Dorfgemeinschaftshaus Fotos: Christa Möller
 
Blumeninseln direkt an der Chaussee

Das Rezept einer Gemeinschaft: Aktionen und viel Ehrenamt. Ein Ortsbesuch

Der Barsbütteler Ortsteil Stemwarde wächst. Im Neubaugebiet Stübkamp entstehen derzeit auf 34 Grundstücken Einzel- und Doppelhäuser. Was erwartet die Neubürger an ihrem neuen Wohnort? WochenBlatt-Mitarbeiterin Christa Möller hat die Gemeinde besucht.

Was für ein idyllisches Dörfchen! Das denken wohl viele der Autofahrer, die auf dem Weg von Reinbek oder Glinde in Richtung Stellau durch die 1259 erstmals erwähnte kleine Gemeinde Stemwarde fahren. Deren Einwohner waren wenig begeistert von dem wachsenden Durchgangsverkehr, der sich erst durch die Autobahnanschlussstelle Barsbüttel verringerte.

„Ein streitbares Völkchen“

Da hatten Stemwardes Bürger längst die Einrichtung einer Tempo-30-Zone in der Ortsmitte erkämpft, die bis heute Bestand hat. „Die Stemwarder sind schon ein streitbares Völkchen“, sagt Klaus-Jürgen Krüger, der vor elf Jahren zugezogen ist und sich schnell integriert hat. Ein Jahr später schon engagierte er sich im Ortsbeirat, dessen Vorsitzender er seit fünf Jahren ist. Seit der Gemeindegebietsreform 1973 gehört Stemwarde verwaltungstechnisch zu Barsbüttel, ebenso wie Willinghusen und Stellau.
Bürgermeister ist also Barsbüttels Verwaltungschef Thomas Schreitmüller, der häufig mal vorbeischaut, unter anderem zur Ortsbeiratssitzung oder zum Dorffest.
Der Ortsteil Stemwarde, hier gibt es immerhin noch sechs größere landwirtschaftliche Betriebe, hat 530 Einwohner, darunter 98 unter 18-Jährige und 129, die über sechzig Jahre alt sind. Das Gemeindeleben findet seit sieben Jahren größtenteils im Dorfgemeinschaftshaus am Kronshorster Weg 7 statt, das mit modernster Technik ausgestattet ist. Hier gibt es einmal im Monat ein gemeinsames Mittagessen mit Klönschnack, hier gucken viele Stemwarder zusammen Fußball, beispielsweise bei der Europameisterschaft, oder treffen sich etwa bei Seniorengymnastik, Krabbelgruppe, Kinderflohmarkt, Kasperletheater, Skatabend, Tischtennis, Kabarett oder Weihnachtsbasar. „Die fünf Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Dorfgemeinschaftshaus organisieren die Veranstaltungen“, erklärt Klaus-Jürgen Krüger. Die Freiwillige Feuerwehr trifft sich zur Jahreshauptversammlung im Dorfgemeinschaftshaus, das im Untergeschoss den Jugendclub mit Billard und Kickertisch beherbergt.

Bolzplatz und Pflanzaktion

Gleich neben dem Treff gibt es einen großen Spielplatz, an den sich der Bolzplatz anschließt. Das weit über Stemwardes Grenzen hinaus bekannte Pfingstfest hat seinen Ursprung 1969, als die Stemwarder Wehr ihr 80-jähriges Bestehen mit einem Zeltfest feierte.
Die Freiwillige Feuerwehr hat immerhin 34 aktive Mitglieder – seit zehn Jahren ist Klaus-Jürgen Krüger einer von ihnen, er ist dort auch als Jugendwart aktiv. Die Jugendfeuerwehr hat sechs Mitglieder. „Außerdem gibt es 20 fördernde Mitglieder“, so Krüger, der sich auch als stellvertretender Bürgervorsteher engagiert sowie in der Stemwarder Aktionsgemeinschaft für Naturschutz und Landschaftspflege, die Uwe Soltau leitet. Landschaftspflege betreiben die Einwohner sogar mitten im Ort. Direkt an ihrer immer noch recht vielbefahrenen Kreuzung haben sie unter anderem 3.000 Blumenzwiebeln sowie dunkelvioletten Salbei, blauviolette Herbstastern, gelbes Ochsenauge und violettblauen Storchenschnabel, aber auch Rosen und Lampenputzergras gepflanzt. „Die Stauden blühen zu verschiedenen Jahreszeiten, so dass wir von April bis November immer etwas blühendes haben“, freut sich Klaus-Jürgen Krüger über das Pflanzenensemble. Er hatte den Anstoß zur Bepflanzung diverser öffentlicher Flächen gegeben und die Mitglieder des Ortsbeirates waren gleich bereit, das Blühwunder nach einem Pflanzplan auf den einstigen Rasenflächen zu verwirklichen und zu hegen.

Fährt der Bus bald bis nach Großlohe?

Drumherum blüht es ebenfalls: Auf den ursprünglich grauen Verteilerkästen ließ ein Künstler mittels Graffiti bunte Pflanzenwunder entstehen. Diese Idee hat Krüger bei den Nachbarn in Willinghusen abgeguckt und der Ortsbeirat wählte dann eigene Motive aus. Zahlreiche Bänke bieten sowohl im Ort als auch in der Feldmark Rastmöglichkeiten. Immerhin 2.500 Euro lässt sich die Gemeinde die Ortsverschönerung jährlich kosten, vom Ersparten konnte sogar teilweise die Beetpflege bezahlt und Spielgeräte für die Kinder angeschafft werden. Hier gibt es also noch reichlich Idylle pur, auch wenn das Storchennest dieses Jahr nicht besetzt ist.
Klaus-Jürgen Krüger hatte sich einst erfolgreich für den Erhalt der Buslinie eingesetzt, jetzt möchte er erreichen, dass der Bus bis nach Großlohe weiterfährt. Die Dorfschule wurde bereits 1966 geschlossen, der Nachwuchs ist auf den Schulbus ins Nachbardorf angewiesen, Kindergärten gibt es nur in Stellau und Willinghusen. Doch das nehmen die Einwohner gern in Kauf, und auch Neubürger schreckt das ganz und gar nicht ab: Die Grundstücke im neuen Baugebiet Stübkamp sind schon jetzt stark nachgefragt, sie sollen vorrangig Barsbüttler Bürgern zur Verfügung stehen. Der Bebauungsplan lässt 34 Grundstücke für Einzel- und Doppelhäuser zu. Wenig begeistert ist Krüger von der schnellen Umsetzung: „Der Stübkamp sollte als Baufläche für Stemwarder Kinder dienen, aber die Gemeinde brauchte Geld.“

Vorbildliches Engagement

Wie vorbildlich sich viele Stemwarder in Vereinen und Verbänden, bei der Feuerwehr, im Ortsbeirat oder in politischen Gremien ehrenamtlich fürs Gemeinschaftsleben einsetzen, betonte Bürgermeister Schreitmüller in seinem Grußwort zum 750. Jubiläum des Ortsteiles: „Sie fördern die Gemeinschaft und erzeugen das Heimatgefühl.“
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