Asyl für 350 Flüchtlinge

Anzeige
Anwohner Karl-Heinz Hoff (links) und Dietmar Eggers sind sauer: „Hier wird ein halber Wald gefällt“ Foto: tel
 
Die schmale Meilerstraße hat bald 350 Anwohner mehr Foto: tel

Bürgerverein kritisiert mangelnde Information und warnt vor Überlastung

Von Michael Hertel
Farmsen
Erneut steht eine geplante Flüchtlingsunterkunft in der Kritik. Das öffentliche Dienstleistungsunternehmen „Fördern und Wohnen“ („f + w“) will an der Meilerstraße (Farmsen) bis Mitte 2017 drei Häuser mit 66 Wohnungen für bis zu 348 Bewohner errichten. Kritik kommt vom Bürgerverein Farmsen-Berne, aber auch von einzelnen Anwohnern. Anka Brams, f + w-Bereichsleiterin Wandsbek, stellte das Bauprojekt auf der Regionalausschusssitzung vor. Die Rotklinker-Gebäude werden bis zu drei Geschosse hoch und umfassen Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen ausdrücklich für Flüchtlinge und Wohnungslose. Im Innern des Komplexes entsteht ein großer Hof mit vielfältigen Aufenthalts- und Spielmöglichkeiten für Jung und Alt. Auf dem Grundstück sind 17 Parkplätze geplant. Die Zufahrt erfolgt nach jetzigem Kenntnisstand über die
schmale Meilerstraße.
Hans-Otto Schurwanz, Vorsitzender des Bürgervereins Farmsen-Berne, übte Kritik an der kurzfristigen Unterrichtung der Bürger („Die einzige Information stand gestern im Wochenblatt“) und forderte gegenüber dem Ausschuss eine ausreichende Bürgerbeteiligung ein. Seine grundsätzliche Kritik: „Farmsen ist bereits stark belastet. Wer Integration ernst nimmt, sollte nicht so viele Flüchtlingsunterkünfte an einem Ort zusammenballen.“ Darauf antwortete der Ausschussvorsitzende Dennis Paustian-Döscher (Grüne) mit Hinweis auf die derzeitige Notlage: „Hamburg nimmt in diesem Jahr rund 40.000 Flüchlinge auf. Mit kleinen dezentralen Unterkünften ist da nicht mehr geholfen.“ Nach Information des Bezirksabgeordneten Marc Buttler (SPD) wird auf dem der Stadt gehörenden Grundstück ohne Bebauungsplan nach Baustufenplan und einem bereits vorliegenden Bauantrag vorgegangen. Zum Thema Bürgerbeteiligung erklärte Buttler, eine Beteiligung der Nachbarschaft sei möglich, eine (weitere) Anhörung werde es aber nicht geben. Buttler geht davon aus, dass Fördern und Wohnen „vermutlich einen Rechtsanspruch auf eine Baugenehmigung“ habe. Kritik kommt auch von Anwohnern der Meilerstraße.

Kommentar: Infrastruktur anpassen
Was braucht es für einen guten Standort einer Flüchtlingsunterkunft: erstens große, leer stehende Gebäude und/oder Grundstücke am Besten in öffentlicher Hand; zweitens möglichst einen Schnellbahnanschluss; drittens Schulen, KiTas und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe. Das alles (und noch einiges mehr) hat Farmsen zu bieten. So kommt es zu der in Hamburg bislang ungewöhnlichen Ballung von Flüchtlingsunterkünften. Die derzeit rund 800 Plätze im Zentrum des Stadtteils erhöhen sich bis Mitte 2017 noch um mindestens 350 durch den Neubau in der Meilerstraße. Argumente dagegen gibt es immer, vom Baumschutz, über Bürgerbeteiligung bis zur Sozialverträglichkeit. Allein, in der jetzigen Notlage Hamburgs zählen solche „kleinen“ Argumente nicht mehr. Man kann nur hoffen, dass die Planer dennoch über den Grundstückszaun hinaus blicken, denn die schmale Meilerstraße trägt den durch mehrere Neubauten stark ansteigenden Verkehr und Parkdruck sicher nicht mehr, und rund um den U-Bahnhof Farmsen ist ja verkehrstechnisch gesehen sowieso bald „Land unter“. Wenn also nur noch blind zugebaut, die Infrastruktur aber nicht mehr angepasst wird, werden die Farmsener das Thema „Flüchtlinge“ vor allem als Belastung empfinden. Und das will ja wohl niemand. (Michael Hertel)
Anzeige
Anzeige
1 Kommentar
397
Rainer Stelling aus St. Georg | 20.11.2015 | 10:59  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige