Auf dem Weg zurück in den Alltag

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Jeden Tag finden für die ehemaligen Suchterkrankten Gruppengespräche statt. Zusammen mit den Psychologen finden sie zurück in einen geregelten Alltag.Foto: kg

Alida Schmidt-Stiftung eröffnet Haus für ehemalige Suchtkranke

Von Karen Grell
Farmsen. In Farmsen hat jetzt auf dem Gelände des Berufsförderungswerkes ein Projekt für ehemalige Suchtkranke eröffnet, bei dem die Betroffenen auf ihrem Weg zurück in den Alltag unterstützt werden. Was bei Fachleuten „Adaption“ genannt wird, ist für die Bewohner des Hauses nur eine kleine Station einer langen Lebensgeschichte. Viele von ihnen sind in den Teufelskreis der Sucht durch persönliche Probleme geraten, die dann zum Verlust des Arbeitsplatzes und am Ende in einigen Fällen auch zur Wohnungsnot geführt haben. Manche der Bewohner wurden von ihren Familien verlassen, andere haben sich scheinbar selber in ihr Schicksal hinein manövriert. Was alle verbindet ist der Wille, in ein normales Leben zurückzufinden. Während es damit bei dem einen sehr vielversprechend aussieht, wie bei Oliver aus Rahlstedt, der schon sehnsüchtig auf die Rückkehr an seinen Arbeitsplatz als Garten- und Landschaftsbauer wartet, bringen andere schlechtere physische Voraussetzungen mit. In den alten Beruf zurückzukehren bleibt da für manchen Bewohner ein Traum.
In der Adaption, in die alle Betroffenen erst nach einem Aufenthalt in einer Klinik kommen können, beginnt der erste Schritt zurück in den Alltag. Die Bewohner der verschiedenen Flure, in denen immer sechs Männer oder Frauen sich eine Küche teilen und in einem oder zwei Zimmern untergebracht sind, versorgen sich zum größten Teil selber.
30 Bewohner
Auf dem einen Flur gibt es immer mal wieder Torten, denn Thomas Schäming kann ausgesprochen gut backen, und vom Frauen-Flur kommen manches Mal mitgebrachte Brötchen zu den Herren. Mit einem Team von Psychologen und Therapeuten machen sich hier alle auf den vorerst noch begleiteten Weg in ein neues Leben. Wer die Maßnahme erfolgreich beendet, kann im Anschluss zum Wohntraining nach Jenfeld oder in eine eigene Bleibe. „Für die zurzeit 30 Bewohner in Farmsen ist es allerdings nicht ganz einfach eine eigene Wohnung zu finden“, bedauern die Betreuer des Projektes. Die meisten sind vorerst auf Unterstützung vom Staat durch Harzt IV angewiesen und wer dann noch seine Vergangenheit preis gibt, der habe leider kaum eine Chance, irgendwo einen willigen Vermieter zu finden. Gerade aber die ehemals alkoholkranken Menschen, die noch eine Wohnung besitzen, müssen im besten Fall umziehen, um aus der gewohnten Umgebung in einen neuen Abschnitt zu finden und nicht in alte Gewohnheiten zurückzufallen. Für die vielen Überlegungen von der Wohnungssuche über die Beschaffung eines Arbeitsplatzes und der Durchführung eines Praktikums steht das Team der Adaption den Hilfesuchenden zur Seite. Durch die Kooperation mit dem Berufsförderungswerk BFW haben die Männer und Frauen, die an dem Projekt zur Wiedereingliederung teilnehmen, die Möglichkeit, auch Angebote vom BFW zu nutzen wie den Reha-Sport und die Kurse für Bewerbungstraining und Berufsorientierung. Einen besseren Standort könnte es gar nicht geben. Das Einzige, was noch ein wenig fehlt, ist die Toleranz von Außen.
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