Aus dem Schatten

Anzeige
Illa Schultheis mit „Schattenkind“ Támi Forgo im StadtparkFoto: Finn Forgo/wb

Ehrenamtliche betreuen Geschwister kranker Kinder

Hamburg Illa Schultheis (58) unternimmt viel mit Támi. Sie gehen gemeinsam in den Stadtpark, machen Fahrradtouren oder setzen sich einfach nur in die Konditorei, um Kuchen oder Eis zu essen. Támi ist elf und muss gerade einen schweren Schicksalsschlag verarbeiten. Ihre Zwillingsschwester ist an Krebs erkrankt. Die ganze Zuwendung der Mutter gilt seit der Diagnose im Februar ihrem krebskranken Kind. Für Támi bleibt nicht mehr viel Zeit. Támi ist ein Schattenkind, das vor allem aber mit der Erkrankung ihrer Schwester fertig werden muss. „Sie haben kaum einen Tag voneinander getrennt verbracht, haben ihre Schwächen und Stärken untereinander ausgeglichen“, erzählt die Mutter.

D

rei Stunden pro Woche Zeit für Támi


Immerhin gibt es Illa Schultheis. Die viel beschäftigte Eppendorferin, unter anderem Pressesprecherin in Alma Hoppes Lustspielhaus, trifft sich regelmäßig mit Támi. Das tut ihr gut. „Sie wirkt befreit, hat rote Wangen, wenn sie von den Unternehmungen mit Illa zurückkommt“, freut sich die Mutter.
Illa Schultheis wurde von dem Verein Familienhafen an die Familie von Támi vermittelt. „Ich hatte vor kurzem eine sehr enge Freundin durch Krebs verloren. Das war sehr bedrückend. Es war das erste Mal, dass ich so nah an einem Sterbefall dran war“, erzählt die 58-Jährige. Durch eine Gala des Lion Clubs in Alma Hoppes Lustspielhaus zugunsten des Vereins „Familienhafen“ kam die Pressesprecherin mit dem Verein in Kontakt, dem einzigen ambulanten Kinderhospizdienst für Hamburg und Umgebung.

Gut ausgebildete Lotsen


„Familienhafen“ vermittelt ehrenamtlich tätige Helfer an Familien mit schwer kranken Kindern, die drei Stunden in der Woche für diese Kinder, die Eltern oder Geschwisterkinder da sind. Die Ehrenamtlichen werden in einem drei Monate dauernden 120-Stunden-Kurs zu Lotsen ausgebildet, die die Betreuten „sicher durch Untiefen und vorbei an Hindernissen“ geleiten können. „Das waren sehr engagierte Leute, die uns in Trauerarbeit, in Fragen zu der Situation, wenn ein Kind stirbt, unterwiesen haben“, erzählt Illa Schultheis.
60 Ehrenamtliche betreuen derzeit 42 Familien.

Im Krankenhaus von dem Verein erfahren


Der Verein wurde vor sieben Jahren gegründet. „Das ist eine tolle Einrichtung“, freut sich Támis Mutter. Im Krankenhaus wurde sie auf „Familienhafen“ angesprochen. „Illa und Támi passen einfach zusammen“, hat ihre Mutter schon festgestellt. Sie hält es auch für wichtig, dass Illa Schultheis alteingesessene Eppendorferin ist. Támis Familie lebt noch nicht lange hier. „Illa ist mit dem Stadtteil verbunden. Das ist jetzt wichtig für Támi“, findet die Mutter. Illa Schultheis ist selbst Mutter, kann zwar die Sorgen einer Mutter um ihr Kind nachempfinden, aber: „Dass das Kind sterben könnte, habe ich nicht im Kopf“. (ch/wb)

Info
Damit der Verein „Familienhafen“ seine wichtige Arbeit weiter betreiben kann, veranstaltet Alma Hoppes Lustspielhaus am kommenden Sonntag,
9. November, um 14.30 Uhr die Benefiz-Gala „Spendenflut“ zugunsten von Familienhafen.
Der Verein hat 130 Mitglieder, benötigt rund 250.000 Euro im Jahr, ist auf Spenden angewiesen.
Bei der „Spendenflut“ treten die Kabarettisten von Alma Hoppe sowie Kerim Pamuk, Sebastian Schnoy und Katie Freudenschuss auf.
Karten unter 555 6 555 6 oder online unter www.almahoppe.de
Infos zum Verein im Internet unter www.familienhafen.de
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige