Aus für Beratungsangebot im Abendroth-Haus Hamburg

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Das Abendroth-Haus im Maimoorweg 1. Hierher kamen jahrelang hilfesuchende Familien. Mit dieser schnellen, unbürokratischen Hilfe soll es nun vorbei sein Fotos: Sobersko
 
Marion Thom, Leiterin der Erziehungsberatung im Abendroth-Haus

Drastische Kürzungen

Von Tanja Sobersko
Hamburg. Das Abendroth- Haus darf ab dem 1. Januar 2014 keine unbürokratische Hilfe zur Erziehung mehr anbieten. Die Landesbehörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration hat eine „Neuausrichtung“ beschlossen. Der Vertrag mit den freien Trägern der Jugendhilfe wurde gekündigt und ein Interessenbekundungsverfahren ausgeschrieben. Hintergrund sind vermutlich die hohen Fallzahlen im Bezirk Wandsbek. Von nun an ist es nicht mehr wie bisher möglich, einfach ins Abendroth-Haus zu gehen und dort nach Erziehungsberatung zu fragen. Die Mitarbeiter haben in einem solchen Fall einen Hilfe-Plan geschrieben, dieser wurde dem Jugendamt übermittelt und eine Bewilligung wurde erteilt. Von nun an müssen Eltern und Familien mit derartigen Problemen direkt zum Jugendamt. „In Einzelfällen machen wir natürlich weiterhin die Erziehungsberatung, so lange uns das Jugendamt Familien schickt“, so Marion Thom, Leiterin des Abendroth-Hauses. Aber sie vermutet, dass der Großteil der Beratungssuchenden an die drei Standorte Rahlstedt (Amtsstraße), Wandsbek (Bovestraße) sowie Steilshoop (Gründgensstraße) der kommunalen Beratungsstellen verwiesen werden. Die freien Träger wie das Abendroth-Haus haben ihre Beratungen immer einzeln mit der Behörde abgerechnet. Aber da die Leistung „Hilfe zur Erziehung“ gesetzlich festgeschrieben ist, ist es für den Hamburger Haushalt eine unbekannte Größe, die dem Sozialsenator offenbar Angst macht.

Offener Brief

Daher führt der Weg nun fort von den freien Trägern. Wie will man aber eine Verringerung der Fallzahlen erreichen? „Ganz einfach“, fürchtet Marion Thom, „viele gehen zu kommunalen Beratungstellen gar nicht hin.“
Das Abendroth-Haus sich zwar im Rahmen dieses Bewerbungsverfahrens für die letzten drei verbleibenden Standorte für freie Träger (Poppenbüttel, Farmsen und Jenfeld Hohenhorst) beworben. Gäbe es hier den Zuschlag, müsste vermutlich eine kleine Besetzung für Einzelberatungen im Maimoorweg verbleiben und der Großteil würde an einen neuen Standort ziehen.
Eine schlimme Situation, findet auch Christiane Blömeke, Wandsbeker Bürgerschaftsabgeordnete der Grünen und kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgerschaftsfraktion kritisiert: „Die Einsparungen in der Erziehungsberatung sind falsch. Sie treffen Familien direkt vor Ort, die auf einfachem Wege Hilfe suchen, ohne gleich ein Fall beim Jugendamt zu werden. Wir brauchen eine Vielfalt von Angeboten, damit hilfesuchende Kinder und Familien frühzeitig Unterstützung erhalten. Fehlt die Hilfe, wird es am Ende noch teurer für die Stadt“, so Christiane Blömeke.
Institutionen im Stadtteil wie Kinder und Jugend AG und die Stadtteilkonferenz wenden sich in einem offenen Brief an den Jugendhilfeausschuss der Bezirksversammlung und bitten um Unterstützung. Dazu Uwe Schmidt, Geschäftsführer des Brakula und Mitglied der Kinder und Jugend AG: „Wir möchten uns dagegen wehren, dass dieses Beratungsangebot so sang- und klanglos von der Bildfläche verschwindet. Die Einschnitte auf dem sozialen Sektor häufen sich in letzter Zeit. Erst wurde das Soziale Dienstleistungszentrum verlegt und nun das. Man wird plötzlich vor vollendete Tatsachen gestellt und das kann nicht sein.“
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