Ausstellung „alters.los“

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„Mit Leib und Seele“ betitelt der Fotograf Michael Hagedorn das Bild von dem 92-jährigen Uhrmacher. Weitere Fotografien sowie Impressionen und Reflexionen über das Alter zeigt die interaktive Ausstellung „alters.los“ am Rockenhof in Hamburg-Volksdorf. Quelle: Michael Hagedorn /Arbeitsstelle „Leben im Alter“
Hamburg: Kirchenkreisgebäude |

Die eigene Zeit hin und wieder zerlegen

Wandsbek/Volksdorf. Eine Uhr zerlegt in alle Einzelteile. Ein alter Mann mit Monokel und Hammer schaut schmunzelnd in die Kamera. Fast als würde er sagen: „Keine Angst! Die krieg ich schon wieder zusammen!“ Er scheint sich bei seiner Aufgabe, Zeit zu lassen. Es geht ihm nicht darum, schnell fertig zu werden, sondern möglichst sorgfältig zu arbeiten. Er wirkt wie jemand, der weiß, was er tut, auch wenn er als Uhrmacher wohl längst im Ruhestand ist. Das Bild, aufgenommen von dem Fotokünstler Michael Hagedorn, regt zum Nachdenken an. Es ist Teil der Ausstellung „alters.los“, die noch bis zum 16. Mai im Kirchenkreisgebäude im Rockenhof 1 in Hamburg-Volksdorf zu sehen ist.
Zeit bekommt für die meisten Menschen mit dem Ruhestand eine neue Bedeutung: Viele freuen sich darauf, endlich einmal Zeit für die Dinge zu haben, zu denen man sonst nie kam. Nicht selten sind die Terminkalender von Ruheständlern voller als vorher. Spricht man mit ihnen über Zeit, taucht immer öfter das kleine Wörtchen „noch“ auf: „Ich will die Jahre noch nutzen“, hört man, oder: „Solange es noch geht.“ Mit 65 Jahren gehört man zwar längst nicht zum „alten Eisen“, aber viele Menschen beginnen nun, genauer über ihre Zeit nachzudenken. Die eigenen Wünsche kommen in den Blick und die Frage: „Wann, wenn nicht jetzt!“
Die Einsicht, dass Lebenszeit nicht unendlich ist, wird im Alter bewusster. Menschen reagieren darauf unterschiedlich: Die einen geraten in Zeitdruck. Es wirkt als zerrinnt ihnen die Zeit zwischen den Fingern. Andere lähmt diese Vorstellung. Stunden dehnen sich, die Tage werden gleichförmiger und sie haben das Gefühl, nur mehr zu warten.
Die Bibel ruft zur Gelassenheit gegenüber der Zeit auf: „Alles hat seine Zeit“ heißt es an einer Stelle: Bauen und abreisen, finden und verlieren. Und sie spricht auch davon, dass der Mensch nicht Macher der Zeit ist: „Meine Zeit steht in Gottes Händen!“ Die Zeit ist ein Geschenk, das man sich nicht selbst schenken kann. Aber man kann die eigene Zeit nutzen, sie planen und gestalten. Dafür gehört auch immer wieder der Moment des Innehaltens: „Was will ich mit meiner Zeit?“ Vielleicht wäre es hilfreich, die eigene Lebensuhr ab und an zu zerlegen, um sie anschließend wie der alte Uhrmacher auf dem Foto mit Ruhe und Freude wieder neu zum Ticken zu bringen. (Oliver Spies/pi)

Die Ausstellung „alters.los“ ist bis zum 16. Mai zu sehen. Öffnungszeiten: Mo bis Do, 10 bis 16 Uhr. Eintritt ist frei - Führungen auf Anfrage bei Kirsten Sonnenburg, Tel.: 519000840. Kirchenkreisgebäude am Rockenhof 1
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