Bleibt „Molli” geschlossen?

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Die Kinder sind enttäuscht. Bei jedem Wetter kommen die Familien zum Spielhaus Der Molli ist eine Art Stadtteilzentrum für Familien
 
Die Mütter vom Molli sitzen im Regen. Einen Schlüssel für das Spielhaus haben sie nicht

Kinder und Eltern kämpfen für das Traditions-Spielhaus am Luisenhof

Farmsen

Wer in Farmsen zum „Molli“ geht, der meint den großen Spielplatz am Luisenhof mit dem Hügel zum Rodeln, den vielen Spielgeräten und dem bunten Spielhaus in dem noch bis vor einigen Monaten immer ein tolles Programm für die ganze Familie angeboten wurde. Damit ist jetzt Schluss: Das Spielhaus wurde auf unbestimmte Zeit vom Bezirksamt geschlossen.

Anlass war zunächst der Ruhestand von Ruth Hellwig, die zuletzt das Spielplatzhaus betreut hatte. Aktuell soll es laut Lena Voß, Sprecherin vom Bezirksamt Wandsbek, erheblichen Sanierungsbedarf geben. Die Gelder für die Weiterführung fehlen. Die Eltern und Kinder stehen im Regen vor den verschlossenen Türen und sammeln Unterschriften. Sie wollen um ihr Haus kämpfen, in dem immerhin schon die dritte Generation spielt. „Seit über 50 Jahren, war hier kein einziger Tag unbesetzt“, erinnert Tanja Schäfer, heute selber Mutter von Ben (5) und Laura (2), ihre eigene Kindheit auf dem Molli.

Namensgeberin des Spielplatzes wurde die erste Betreuerin Paula Mollenhauer, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin Bronze als Diskuswerferin holte. „Die war groß wie ein Baum und wurde von allen respektiert“, erinnern sich auch die älteren Spielplatzgänger noch. „Molli ist für die meisten viel mehr als nur ein Spielplatz“, bedauert auch Bianca Daut die plötzliche Schließung, sie ist hier regelmäßig mit ihren sechs Kindern hergekommen, „Molli ist ein Stadtteiltreff für junge Familien“, beschreibt Tanja Schäfer das Spielhaus, in dem es für die Fragen der Mütter immer ein offenes Ohr gab.

Den Vormittag über wurden die kleineren Kids ab eineinhalb Jahren für ein paar Euro betreut und am Nachmittag starteten dann die vielen Angebote von Eltern-Coaching über basteln bis zum gemeinsamen Kaffeetrinken. „Auch für Geburtstagsfeiern konnten wir das Haus mieten“, betonen die Mütter, die oft in kleinen Wohnungen mit mehreren Kindern wohnen. Die Siedlung rund um den Mollenhauer-Spielplatz ist in den 1950er Jahren erbaut worden und hat nach dem Krieg vor Allem Familien ein zuhause geboten. Die kleinen Reihenhäuser sind meist nicht größer als 65 Quadratmeter und dennoch sind viele der Kinder und Enkel der ersten Generation hier geblieben. „Wo sollen wir denn in Hamburg sonst einen so idyllischen Wohnort mit günstigen Mieten finden?“ Beim Bezirksamt nachgefragt befindet sich der Prozess rund um das geschlossene Spielhaus noch in der Planungsphase.

Sanierungsbedarf liege, laut Lena Voß, bei der Elektrik und den eingeworfenen Fensterscheiben, die nun Notverglast werden mussten. „Wir haben schon eine private Gruppe von Müttern organisiert, die aufpasst, damit es hier während des Leerstandes nicht noch zu mehr Vandalismus kommt“, so Tanja Schäfer, die Angst hat, dass nun in den Monaten, in denen das Haus geschlossen bleibt, weitere Schäden entstehen könnten.

Der Versuch hier wenigstens den Schlüssel zu bekommen, um die Sanitären Anlagen zu nutzen oder mal im Warmen zu sitzen, seien leider auch fehlgeschlagen. Aufgeben werden die Mütter aus der zweiten und dritten Generation vom Mollenhauer-Spielplatz aber auf gar keinem Fall. Ganz nach dem Vorbild von Paula Mollenhauer, die als erfolgreiche Kämpferin um die olympischen Medaillen hier allen in Erinnerung geblieben ist. (kg)
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