Breite Unterstützung für Flüchtlinge in Berne

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300 Einsatzkräfte der Polizei sicherten die Veranstaltung bereits ab der U-Bahnstation ab Foto: mdt

Nach Gewaltaufruf: 300 Polizisten sichern Info-Abend über neue Unterkunft an der Kathenkoppel

Von Marco Dittmer
Farmsen-Berne
Die Polizei rechnete in der vergangenen Woche offenbar mit mehr als nur einem gewöhnlichen Info-Abend am Saselheider Weg. Mit 300 Einsatzkräften, verteilt zwischen dem U-Bahnhof-Berne und dem Sport- und Kulturzentrum Volkshaus Berne, rückte sie am frühen Dienstagabend in Berne an. Anwohner konnten an dem Abend Fragen an Bezirksamtsleiter Thomas Ritzenhoff und Vertreter der Sozialbehörde zu einer geplanten Flüchtlingsunterkunft an der Kathenkoppel stellen. Die Sozialbehörde will dort einen Neubau für zehn Jahre anmieten. Ab Oktober sollen bis zu 24 Jugendliche in den Zwei-Zimmer-Wohnungen leben (das Wochenblatt berichtete).

Hält sich einer nicht an Regeln, muss er gehen“


Rund 600 Berner folgten der Einladung in das Volkshaus. Viele kamen, weil sie Zustände wie an der Feuerbergstraße befürchten. Eine Gruppe von rund 40 jungen Flüchtlingen fiel dort in der Vergangenheit immer wieder mit Straftaten auf, Polizei und Sozialbehörde schienen machtlos. An der Kathenkoppel soll alles anders werden. „Als Anschlussunterbringung können wir auswählen, wer in die Wohnungen ziehen darf. Hält sich einer nicht an die Regeln, muss er gehen“, sagt Klaus-Dieter Müller, Chef des Landesbetriebs für Erziehung und Beratung (LEB). Seine Institution ist für die minderjährigen Flüchtlinge verantwortlich.
Müller glaube auch nicht, dass die Unterkunft an der Kathenkoppel jemals in den Medien Schlagzeilen machen werde.
Während der Veranstaltung wurde deutlich, dass ein Großteil der Berner die Jugendlichen unterstützen will. Der Vorsitzende des TuS Berne bietet den Minderjährigen Plätze im Sportverein an. Das Angebot stehe im Detail noch nicht fest, es soll sich aber an der Kooperation mit dem SC Condor und dem Farmsener TV orientieren. Die Sportvereine bieten den Flüchtlingen an der August-Krogmann-Straße unter dem Motto „Drei für FarBe“ zahlreiche Sportarten, darunter Tischtennis, Mutter-Kind-Turnen und Kampfsport, an. Auch die Kirchengemeinde Farmsen-Berne sagte ihre Unterstützung zu.

Flugblätter und Drohungen von rechts


Im Vorfeld der Veranstaltung machte der als rechtsradikal eingestufte Hamburger Andreas Schacht Stimmung gegen die geplante Unterkunft und deren Bewohner. Er verteilte Flugblätter mit der Aufschrift „Terrorcamp stoppen“ in Berne. Später postete er die Aktion auf seiner Facebook-Seite. Dort versuchte er auch Gleichgesinnte für eine Teilnahme am Info-Abend zu mobilisieren und drohte gleichzeitig linken Teilnehmern massive Gewalt an.
Der Hamburger Polizei war der Gewaltaufruf bekannt. „Wir gingen davon aus, dass beide Gruppen in nicht geringer Anzahl aufeinandertreffen“, sagt Mirko Streiber von der Polizei.
Zu den befürchteten Auseinandersetzungen kam es an dem Abend nicht. Im Oktober plant der LEB einen Tag der offenen Tür. Dabei können Berner die Unterkunft und die ersten Bewohner kennenlernen.
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